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Stuhlbergbach-Spaziergang bringt neue Erkenntnisse

Ein Beispiel für die „Stückelung“ des Stuhlbergbachs Fotos: privat

Kronberg – „Der gemeinsame Spaziergang der Vereine AG Kulturlandschaft Königstein-Kronberg und Heckstadt Freunde Oberhöchstadts war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“, informiert die Heckstadt-Freunde-Vorsitzende Gabriele Hildmann (KfB). Rund 20 Personen waren der Einladung gefolgt, den Stuhlbergbach von der „Mündung bis Quelle“ zu folgen und dabei mehr über den Bach, aber auch die Bäche im Allgemeinen zu erfahren. Cordula Jacubowsky und Wolfram Meyer lieferten den Interessierten eine Fülle von Informationen.

Gleich zu Beginn der Begehung, als der Stuhlbergbach in der Jägerwiese zum ersten Mal hätte sichtbar werden können, schauten die Teilnehmer in ein trockenes Bachbett. Das verwunderte, da es in den vorangegangenen Tagen regelmäßig geregnet hatte. Der „freie Blick“ in das Bachbett hatte aber auch Vorteile, zeigten sich die dort zum Teil eingelassenen Betonsteine doch deutlich. „Aus ökologischer Sicht ist die Einbringung der Betonsteine nicht wünschenswert“, erläuterte Cordula Jacubowsky. Kleinlebewesen könnten sich auf dem Beton nicht ansiedeln, weil sie keinen Halt finden und mit dem Wasser weggespült würden. So gesehen, stellten die Betonsteine eine unüberwindliche Hürde für die Kleinlebewesen dar.

Hellhörig wurde die Gewässerexpertin, als ältere Spaziergänger erzählten, sie hätten in ihrer Jugend den Bach im Sommer gestaut und wären darin geschwommen. Angesichts der heute höchstens feuchten Fläche ein abwegiger Gedanke. Während die Teilnehmer über mögliche Ursachen spekulierten, wurden sie aufgeklärt, dass wohl die zugenommene Bebauung auf der Sportplatzseite der Altkönigstraße ein wesentlicher Grund für die geringere Wassermenge sei. Die Niederschläge, die früher ihren Weg in den Stuhlbergbach gefunden hätten, würden nun von Dächern und versiegelten Flächen direkt in den Kanal geleitet.

Auch die Bedeutung der Bepflanzung entlang eines Bachs erläuterte Cordula Jacubowsky. Erlen sind ihrer Meinung nach die idealen Wegbegleiter eines Fließgewässers. Die Vorstellung eines Bachs ohne Baumbestand, der mitten durch eine Wiese fließe, sei abwegig. Ihren Worten zufolge stabilisieren Bäume nicht nur das Ufer, sondern schaffen durch ihr Wurzelwerk den Lebensraum für die wichtigen Kleinlebewesen. Überhaupt könne nicht nur für Bäche festgehalten werden, dass ein geringer Nährstoffgehalt positiv für den Artenreichtum ist. Die Naturschützerin informierte, aus diesem Grund sei es auch gesetzlich verboten, in einer Entfernung von 10 Metern von einem Ufer Bioabfall zu lagern.

Eine Regelung, die offenbar nicht nur den Spaziergängern unbekannt war. „Offensichtlich wird der Stuhlbergbach zwischen Jägerwiese und der Brücke ‚In den Fichten‘ als Grüncontainer missbraucht“, bemängelt Gabriele Hildmann. Nicht nur Baum- und Rasenschnitt würden hier wohl kontinuierlich in das Bachbett eingebracht, sondern auch große Mengen von faulen Äpfeln „entsorgt“. „Angesichts der Möglichkeit, kostenfrei seinen Grünabfall auf dem städtischen Bauhof zu entsorgen, kann nur Unwissenheit der Grund für dieses naturschädliche Verhalten sein“, so Hildmann. Alle Teilnehmer seien sich einig gewesen, unter Umständen könne durch verbesserte Infomationspolitik Abhilfe geschaffen werden.

Das viele Obst locke zudem die „Schwarzkittel“ an. Deren Taten konnten im weiteren Verlauf der Bachbegehung „bewundert“ werden. Wolfram Meyer ermöglichte es im weiteren Verlauf, den Spaziergängern dem Bachverlauf durch seine Wiesen und Weiden zu folgen. Hier konnte auch ein Blick auf die noch erhaltene „Stückelung“ des Stuhlbergbachs geworfen werden. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in den 1920er beziehungsweise 1930er Jahren war das Bachbett durch die Einbringung von Steinen befestigt worden. Auch 80 Jahre später erfüllen die Steine ihre Aufgabe.

Die anschließend Überquerung der Rinderweide war nur möglich, weil der Bauer zwei Mitarbeiter und einen Traktor bereitgestellt hatte, um den mächtigen Bullen von den Bachinteressierten fernzuhalten. Hildmann: „Dadurch wurde deutlich, dass ein unerlaubtes Begehen der Weiden grundsätzlich keine gute Idee ist.“ Zum Ende des Spaziergangs stimmten die beiden Vereine darin überein, weitere Aktionen dieser Art anzubieten. Cordula Jacubowsky, die mit ihrer freundlichen Art und ihrem großen Wissen entscheidend zum Gelingen der Veranstaltung beitgetragen hatte, erklärte sich spontan zu einem „Waldspaziergang“ bereit.

Für den Verein Heckstadt lieferte die Begehung, laut Hildmann, wesentliche Impulse. „Sicher ist es lohnenswert das Wissen über den Stuhlbergbach und die Fließgewässer im Allgemeinen, etwa durch Informationstafeln, dauerhaft zu kommunizieren.“ Ältere Spaziergänger hätten außerdem auf Wegeführungen hingewiesen, die mittlerweile im Gestrüpp enden. „Auch hier ist es interessant sich mit der Frage zu beschäftigen, wo Wegeparzellen eingetragen sind und ob es sinnvoll ist, diese Wege wieder in einen begehbaren Zustand zurückzuversetzen. Schließlich ist das Gebiet entlang des Stuhlbergbachs ein intensiv genutztes Naherholungsgebiet, das auch von den Bewohnern des Altkönig-Stifts intensiv genutzt wird“, so Hildmann abschließend. (pu)

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