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Kirchenvorstand spricht sich für Flüchtlingsunterkunft aus

In diesem Teil des ehemaligen Religionspädagogischen Zentrums, dem „Bettenhaus“, sollen nach Empfehlung des Kirchenvostandes nicht mehr als 20 Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: Westenberger

Schönberg (mw) – Der Kirchenvorstand der evangelischen Markus-Gemeinde hat nach längerer kontroverser Diskussion über die mögliche Flüchtlingsunterbringung im „Bettenhaus“ des ehemaligen Religionspädagogischen Zentrums im Brühl 30 sein „Ja“ zur Flüchtlingsunterbringung an diesem Standort in Schönberg gegeben. Der Kirchenvorstand stimmte einstimmig, ohne Gegenstimmungen, wohl aber mit Enthaltungen für die Stellungnahme, die zuvor vom Kirchenvorstand ausgearbeitet worden war. „Kein Bürger sollte sich der erforderlichen Aufnahme von Flüchtlingen in unserer Kommune verschließen“, heißt es darin. „Alle Institutionen und Bürger tragen insoweit Verantwortung und können im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihren Teil dazu beitragen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen in unserer Kommune gelingt.“ Dazu gehöre auch die evangelische Markusgemeinde. Der Kirchenvorstand sehe die Verantwortung der Stadt Kronberg und der Evangelischen Kirche Hesssen und Nassau (EKHN) und wolle sich diesem „wichtigen Anliegen selbstverständlich nicht verschließen“.

Ein „Ja“ mit Einschränkungen

Was der Kirchenvorstand erarbeitet hat, ist ganz klar „ein Kompromiss“, erläutert Pfarrer Dr. Jochen Kramm. Schließlich ließen sich die zwei „Lager“, in die sich die Gemeindemitglieder aufgespalten hätten, nicht einfach wegdiskutieren: Die Gruppe, die bereits mit der Bildung eines Flüchtlingsnetzwerkes begonnen hat und den Standort für die Flüchtlingsunterbringung von Anfang an befürwortet und die Gruppe, die sich vehement gegen Flüchtlinge an diesem Standort ausspricht. Deshalb sei diese umfängliche Stellungnahme von Empfehlungen gegenüber dem EKHN entstanden. Ein „Ja“ zu den Flüchtlingen, geknüpft aber doch an „bestimmte Konditionen“, um auch die Bedenkenträger unter den Gemeindemitgliedern mit ins Boot zu holen.

Zusammenfassend spricht sich der Kirchenvorstand für die Unterbringung von 15 bis 20 Personen im „Bettenhaus“ des RPZ aus. Das sollen in Anbetracht des angrenzenden Kindergartens und der Grundschule überwiegend Familien sein. „Dies sollte vertraglich geregelt werden“, heißt es in der Stellungnahme. „Das Bettenhaus würde damit im Sinne der Flüchtlinge nicht den Charakter einer Sammelunterkunft haben.“

Die Zahl nicht auf 40 Personen auszudehnen, die rein rechnerisch in das Bettenhaus hineinpassen würden, betrachtet Kramm als richtig für den Standort. „Zumindest wenn man die Anwohnerakzeptanz haben möchte.“ „Es handelt sich hier um 12 Quadratmeter-Zimmer. Platz ist also wirklich nicht viel.“ Es sei nun einmal Fakt, dass der Stress mit der zunehmenden Menge von Menschen verschiedener Nationen, die sich nicht kennen, aber auf engstem Raum zusammenleben sollen, ansteige.

Weiter ist es Wunsch des Kirchenvorstandes, die Nutzung zunächst auf maximal zwei Jahre zu beschränken. Damit will man den „Handlungsdruck“ für weiterführende Lösungskonzepte aufrecht erhalten. Dr. Axel Gollnick, Vorsitzender des Kirchenvorstands dazu: „Vor dem Anliegen der Stadt und dem EKHN können wir uns als christliche Gemeinde gar nicht verschließen.“ „Doch uns war wichtig, dass die Stadt auch ein Gesamtkonzept entwickelt. Wir wollen die Stadt weiter in die Pflicht nehmen“, sagt Gollnick. Dazu gehöre, wie ebenfalls als Empfehlung ausgesprochen, ein „schlüssiges und langfristig tragendes Gesamtkonzept in allen drei Stadtteilen“ zu entwickeln. Für die Stadtentwicklung sei es wichtig, langfristig andere Lösungsmodelle zu verfolgen, bei dem das ehemalige RPZ einschließlich der Villa Spieß beispielsweise für eine andere Nutzung geöffnet werde. Gollnick dazu: „Die EKHN könnte mit dem Überschuss der Einnahmen daraus einen Vermögensstock bilden.“ Mit diesem Grundstock könne die EKHN im Verbund mit der Stadt beispielsweise ein langfristig wirkendes Aufnahme- und Integrationskonzept zu entwickeln. Jetzt sei jedoch erst einmal wichtig, dass sich die Stadt Kronberg mit gutem Vorbildcharakter der Flüchtlingsaufnahme stelle.

Dass „jetzt Lösungen unter entstandenem Zeitdruck gesucht werden, lässt bei den Anwohnern den Eindruck unzureichender Information und Einbeziehung aufkommen“, heißt es in der Stellungnahme außerdem. Der Stadt Kronberg und ihren Entscheidungsgremien sei der Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge schließlich seit Längerem bekannt gewesen. Gollnick hofft, dass der inzwischen aufgenommene Dialog nun fortgesetzt werden.

Pfarrer Kramm berichtet, dass heute, Donnerstag 25. September, das „Netzwerk Flüchtlingshilfe“ der Markus-Gemeinde tagt. „Wenn wir hier Flüchtlingsstandort werden, können und wollen wir es als Gemeinde nicht der Stadt überlassen, sondern wir wollen unsere Nachbarschaft aktiv mitgestalten“, kündigt Pfarrrer Kramm an. Das Netzwerk wolle sich auf die Ankunft der Flüchtlinge mit ganz praktischen Fragen vorbereiten, zum Beispiel wie man sie am besten „Willkommen heißt“. Dabei verstehe sich das „Netzwerk“ als Ergänzung zur „Arbeitsgemeinschaft Integration“, die sich seitens der Stadt Kronberg bereits gebildet hat. Über den Kirchenvorstand und ihn selbst hofft er, dem Netzwerk schnell eine Struktur zu geben. Es ginge darum, noch mehr Kräfte zu bündeln, indem man weitere Bürger gewinnt, sich für bestimmte Aufgaben im Bedarfsfall zur Verfügung zu stellen. Über eine Art Fragebogen könnten zuvor Zeitfenster und Möglichkeiten einzelner Bürger, die mithelfen wollen, abgefragt werden. Das Netzwerk triff sich in der Friedrichstraße 50 zur Gründung.

„Wir begrüßen die Entscheidung des Kirchenvorstandes der evangelischen Kirchengemeinde Schönberg, Menschen in großer Not zu helfen“, so das Statement der EKHN nach der Abstimmung des Kirchenvorstandes in der evangelischen Markus-Gemeinde in Schönberg. Mit einer anderen Entscheidung „verlöre sie ihre Glaubwürdigkeit und letztendlich auch ihr christliches Gesicht“. Es sei ein Gebot der Nächstenliebe und Menschenwürde, Schutz suchenden Menschen zu helfen. Die EKHN hält es für „denkbar“, die Gemeinde vor Ort zu unterstützen, beispielsweise durch die Übertragung der Organisation der Hilfe in Schönberg an eine „diakonische Einrichtung wie dem Regionalen Diakonischen Werk Main-Taunus“.

Stadt begrüßt Entscheidung

Die Stadt Kronberg begrüßt die Grundsatzentscheidung des Kirchenvorstandes und damit das klare Signal pro Flüchtlingsunterkunft an diesem Standort. „Über die Modalitäten der Nutzung müssen nun der Hochtaunuskreis und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) befinden“, lässt Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) verlauten.

Die in der Verlautbarung der Markusgemeinde geäußerte Kritik an der Stadt Kronberg im Taunus, die Stadt habe es versäumt, rechtzeitig nach geeigneten Unterkunftsmöglichkeiten zu suchen, weisen Bürgermeister Klaus Temmen und der Dezernent für Integration, Hans Robert Philippi (SPD), zurück. Die Stadt habe, „direkt nachdem sie die Informationen zur Flüchtlingsaufnahme vom Kreis erhalten hat, mit der Suche nach geeignetem Wohnraum begonnen, dabei mehrfach öffentlich Aufrufe zur Bereitstellung von geeignetem Wohnraum getätigt und auch bereits Flüchtlinge in städtischen Liegenschaften sowie privaten Unterkünften untergebracht“. Temmen betont: „Seit Februar 2014 gab es Gespräche des Eigentümers der Liegenschaft Dieselstraße 5 in Oberhöchstadt mit dem Kreis über die Möglichkeit der Schaffung einer Sammelunterkunft“, betont Philippi. Im Juni 2014 habe die Stadt erstmals von der EKHN das Signal erhalten, das Bettenhaus im ehemaligen Religionspädagogischen Zentrum (RPZ) in Schönberg für Flüchtlinge zu öffnen. Erst seit diesem Zeitpunkt konnte sich der Magistrat der Stadt Kronberg mit der Option „Im Brühl 30“ befassen. Außerdem sei der Kreis 2013 noch von 40 Flüchtlingen ausgegangen, habe dann aber wie in anderen Kommunen auch, die Zahl nach oben korriegiert: „Für Kronberg im Februar 2014 auf 71 und um Juni 2014 auf 90 Asylbewerber“. „Wir hoffen nun, dass es in den Gesprächen zwischen der EKHN und dem Hochtaunuskreis kurzfristig zu einem guten Ergebnis kommt.“

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