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(S)TÜRMisches

Wer würde wohl ein Au Pair Mädchen einstellen, das sich ganze fünf Minuten lang vorgestellt hat? Wahrscheinlich keiner, aber diese Spontaneität erwartet die SPD nach ihrer Version von ‚Deutschland sucht die Supersternchen’. Das wie ein Casting daher kommende Auswahlverfahren nennt sich lebendige Demokratie, weil die Basis einbezogen wird. Vielen sind zwar nur wenige der zur Wahl stehenden Politikerpaare wirklich bekannt, aber trotzdem wird eines davon im Dezember gewählt werden und den Parteischleudervorsitz übernehmen müssen. Dann ist ja schon bald wieder Bundestagswahl, und so lange wird’s schon gehen.

Apropos Demokratie: Den Briten ist jetzt doch wieder eingefallen, dass sie eigentlich die älteste Demokratie Europas sind! Kurz vor dem ‚No Deal Brexit’ und nachdem der Premierminister über 20 verdienstvolle, aber widerspenstige Tories gefeuert und allen anderen eine Zwangspause verordnet hatte, zog das Parlament endlich die Notbremse. Ein Gesetz wurde präsentiert, das den wild gewordenen Johnson daran hindern soll, seinen Brexit mit aller Gewalt durchzusetzen. Die Queen hat’s gleich genehmigt, wahrscheinlich hat sie das ewige Gezerre um den Austritt Britanniens aus der EU auch bis obenhin satt. Genauso dürfte es dem inzwischen bestens bekannten Parlamentspräsidenten John Bercow gehen, der sich am 31. Oktober aus dem Amt verabschieden will. Mr Speaker hat wahrscheinlich gar keine Stimme mehr, so oft wie er das chaotische Parlament zur Ordnung rufen musste. Wer das Ganze verfolgt und immer geglaubt hatte, schon so ziemlich alles erlebt zu haben, der hat sich sehr geirrt. Britische Politiker setzten in ihren unsäglichen Debatten nämlich seit Monaten immer noch einen drauf, und ganz nebenbei wurde dabei auch so manches Vorurteil gegen die Arroganz der so genannten „Upper Class“ bestätigt. Wer länger auf der Insel gelebt hat weiß, wovon die Rede ist, und untermauern taten das der mehr als nur gewöhnungsbedürftige Boris Johnson und der unerträglich reaktionäre Jacob Rees-Mogg. Beide sind bekanntlich Absolventen des superelitären weil superteuren Eton College. Rees-Moog, heimlicher Strippenzieher des No-Deal Brexits, fläzte sich erst kürzlich während einer zukunftsweisenden Parlamentsdebatte zur Verhinderung eben dieses Brexits quer über die Regierungsbank, um sein Nickerchen zu halten. Es ging um nicht weniger als eine Schicksalsfrage für die Nation, aber der Eton-Zögling hätte überhaupt nicht deutlicher zeigen können, wie sehr ihm die am Rücken vorbei geht. Ihm ging es nämlich von Anfang an immer nur darum, die uralten, ererbten Privilegien seiner Klasse zu behalten und zu sichern, und dabei erweckten er und Boris Johnson den Eindruck, dass in Eton keinerlei Benimmregeln gelehrt werden.

Unabhängig vom unflätigen Benehmen der beiden durfte das Publikum aber auch bestaunen, mit welcher Leidenschaft, hemmungslosen Emotionalität, Entschlossenheit und Lautstärke auf der Insel öffentliche Parlamentsdebatten geführt und demokratische Entscheidungen extrem hart erkämpft werden können.

Dass das auch deutschen Politikern manchmal wieder gut zu Gesichte stehen würde findet

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