Kronberg (hmz) – Verabredungen, Urlaubsfotos, Small Talk: Social Media gehören für die meisten Kinder und Jugendlichen zum Leben dazu. Deshalb liegt die Annahme nahe, dass auch die politische Meinungsbildung Jugendlicher zunehmend in den sozialen Medien stattfindet. Doch nicht alle wissen die sozialen Kanäle adäquat zu nutzen.
Eine Arbeitsgruppe von Schülerinnen und Schülern der Altkönigschule ging dieser Entwicklung nach und traf sich im Kronberger Rathaus zu einem Austausch mit Bürgermeister Christoph König und dem Pressesprecher der Stadt Kronberg, Stefan Jung. Das Ziel war, sich inhaltlich im Vorfeld auf eine Art nachempfundener Plenarsitzung mit einer Diskussion über das Für und Wider strenger Social-Media-Regulierungen für Kinder und Jugendliche vorzubereiten. Die Anregung dazu ging auf den ehemaligen FDP-Stadtverordneten Walther Kiep zurück, der die Schüler bei diesem Projekt auch begleitete.
Fiktive Parlamentssitzung
In der Altkönigschule wurde dann in Ergänzung die Arbeit eines Stadtparlaments nachempfunden. Dabei schlüpften die Schüler in die Rollen von Politikern und diskutierten das vorgegebene Thema, das sie für relevant hielten. Damit sollten zum einen die Kommunalpolitik nähergebracht und zum anderen Schülerinnen und Schüler für demokratische Prozesse sensibilisiert werden. An dieser fiktiven Parlamentssitzung haben sich sehr viele Schülerinnen und Schüler als Zuschauer beteiligt und das Prozedere des festgelegten Ablaufs kennengelernt. Im Ergebnis fand eine große Mehrheit den Antrag, der den Zugang zu Social Media bis 14 Jahre verbietet, richtig. Weiterhin wurde die Schule aufgefordert, in diesem Zusammenhang, frühzeitig ab der fünften Klasse, eine gezielte Social Media Erziehung der Schüler und Schülerinnen sicherzustellen. Neben Instagram ist WhatsApp unter Schülern und Schülerinnen das beliebteste soziale Medium, zugelassen ist der Messenger-Dienst ab 16 Jahren. Interessant war auch, dass bei der Befragung der Schüler, wie viele Stunden sie täglich mit Social Media verbringen, ein Viertel von ihnen eine Zeit von sieben Stunden und über die Hälfte von vier Stunden angab.
Digitale Medien
Die digitalen Medien haben längst auch in Rathäusern Einzug gehalten. Sie werden genutzt, um Verwaltungsdienstleistungen zu vereinfachen und zu modernisieren, die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern zu verbessern und die interne Verwaltung zu optimieren. Stefan Jung sitzt in Sachen Verteilung von Informationen am Hebel und er muss dabei „alle Kanäle bespielen“, wie er sagt. Daher ist die Stadt neben Mitteilungen an die Printmedien auf Instagram und Facebook aktiv. Geplant ist eine eigene App, um mit Bürgern der Stadt unmittelbar in Kontakt treten zu können. Die Stadt hat zwei Internetauftritte, einen des Stadtmarketings und der zweite für die Stadtverwaltung. Wegen autokratischer Entwicklungen „lässt die Stadt Kronberg die Finger weg vom Kurznachrichtendienst X (Elon Musk) und von TikTok (China)“, so Jung. Auch darauf müsse er insbesondere bei Instagram achten: „Es kommt immer wieder zu Beleidigungen und Diffamierungen aus dem Schutz der Anonymität heraus“, gegen die sich die Stadtverwaltung verwahren würde. Zu deren Schutz würden Kommentare gelöscht und Nutzer gesperrt. Künstliche Intelligenz, Fake News und Hate Speech – da seien Schulen gefordert, die Medienkompetenz der Schülerschaft zu fördern.
Bürgermeister Christoph König nutzte das Treffen im Rathaus für einen Werbeblock in eigener Sache. Jugendliche sollten sich für die Kommunalpolitik engagieren, das sei wichtig, zumal ein Drittel der Kronberger über 60 Jahre alt sei.
Es sei eine spannende Sache, wie parlamentarische Prozesse ablaufen und sie mitzuerleben: Beschaffung von Mehrheiten, Gespräche und Abstimmungen. Es bedürfe allerdings eines langen Atems und Interessierte müssten sich auf fünf Jahre, so lange dauert eine Legislaturperiode, auf eine große Bandbreite an Themen einlassen. Kürzer ist die Amtszeit des Jugendrates (zwei Jahre), die Wahl steht im nächsten Jahr an. Junge Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern dürfte nicht ganz einfach sein, zumal sie kaum Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben.
In Kronberg kann der Jugendrat die Anliegen Jugendlicher mit Anfragen vortragen oder Vorschläge an das Stadtparlament richten, nicht jedoch mitentscheiden.
