Kronberg (kb) – Dass die von der Stadtverwaltung angekündigte Gebührenerhöhung für Krippen, Kitas und Hort ab dem 1. Januar 2026 von großen Teilen der Elternschaft nicht so ohne weiteres hingenommen wird, war abzusehen. Vertreter des neugegründeten Stadteltenbeirats sehen die geplante Erhöhung um 20 Prozent kritisch und gehen eher von einer tatsächlichen Mehrbelastung aufgrund gestiegener Verpflegungskosten von 25 bis 30 Prozent aus. „Für Eltern mit zwei betreuten Kindern bedeutet das monatlich bis zu 250 Euro zusätzlich. Betroffen sind mehr als 1.200 Kinder in 13 Einrichtungen der Stadt“, rechnet der Stadtelternbeirat in einer entsprechenden Erklärung vor. Bürgermeister Christoph König hat in den vergangenen Tagen Eltern im Rathaus über die geplante Erhöhung informiert.
Ausschuss tagt
Der Kultur- und Sozialausschuss wird sich am heutigen Mittwoch, 18. Juni, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses mit diesem Thema beschäftigen. Nach der derzeitigen Beschlussvorlage würde ein Kindergartenplatz bis 17 Uhr dann 100,80 Euro statt bisher 84 Euro kosten, ein Krippenplatz 336 statt 280 Euro, ein Hortplatz 240 statt 200 Euro. Auch auch die Mittagsessenspauschale soll von 77 auf 100 Euro angehoben werden. Für eine Familie mit einem Kind in der Krippe und einem Grundschulkind im Hort könnten somit monatlich knapp 150 Euro zusätzliche Kosten anfallen.
„Viele Eltern waren von der unerwarteten Erhöhung geschockt“, sagt Tobias Moorstedt, Vorsitzender des neu gewählten Kronberger Stadtelternbeirats, dem er gemeinsam mit Katharina von Schwartz und Laura Gerke angehört. Er hat selbst zwei Töchter – eine im Kindergarten RackerAcker, die andere im Betreuungszentrum der Viktoria-Schule. „Klar, dass eine so abrupte und signifikante Erhöhung viele Familien vor Herausforderungen stellt.“
Die Stadt begründe die Maßnahme damit, dass die Gebühren seit 2018 nicht mehr angepasst worden seien – während Lebensmittel, Materialien und vor allem Personalkosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien, nicht zuletzt durch mehrere starke Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst. „Die Eltern stehen voll hinter der besseren Bezahlung der Erzieherinnen“, sagt Laura Gerke, deren Kind in die Arche Noah geht. „Und viele Familien wissen nur zu gut, wie stark Energie und Lebensmittel im Preis gestiegen sind.“ Tatsächlich hätten sich die Kosten für Lebensmittel seit 2020 um rund 30 Prozent erhöht. Diese Entwicklung belaste nicht nur den städtischen Haushalt – sondern vor allem die Familienkassen. 100 oder 200 Euro Kindergartenkosten mehr im Monat seien gerade bei den hohen Mieten in der Taunus-Region eine spürbare Belastung.
Viele Eltern hätten bei der Versammlung im Rathaus offen und emotional ihre angespannte finanzielle Lage geschildert. Bei Betreuungskosten von 300 bis 400 Euro pro Kind stelle sich für manche die Frage, ob sich das Arbeiten überhaupt noch lohne – eine Überlegung, die insbesondere Mütter betreffe. „Am Ende ist es eine politische Entscheidung: wie familienfreundlich will Kronberg sein?“, fragt Katharina von Schwartz, deren Kinder den Hort St. Peter und Paul besuchen.
In ihrer Begründung für die Gebührenerhöhung verweist die Stadtverwaltung auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2014: Demnach soll die Finanzierung der Kinderbetreuung zu je einem Drittel von Eltern, Kommune und Land getragen werden. Tatsächlich liege der Anteil aktuell bei 19 Prozent Eltern, 62 Prozent Kommune und 19 Prozent Land. „Um den Elternanteil auf ein Drittel anzuheben,“ so Bürgermister König, „müsste man die Gebühren um über 50 Prozent erhöhen. Die Erhöhung um 20 Prozent sei ein Mittelweg.“
Die Frage sei, ob ein Beschluss aus dem Jahr 2014 die Realitäten im Jahr 2025 widerspiegele, fragt sich Moorstedt. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Betreuungsquote im U3-Bereich schließlich deutlich erhöht – und immer mehr Familien seien auf zwei Einkommen angewiesen. „Statt alten Finanzierungsmodellen nachzulaufen, sollten wir uns fragen: Wie können wir Betreuungsangebote gerecht und zukunftsfähig gestalten?“
Die Ankündigung kurz vor den Sommerferien kam für viele überraschend – auch für den Stadtelternbeirat: „Wir haben nur zwei Wochen Zeit, um ein Meinungsbild in der Elternschaft einzuholen und die Sachlage zu prüfen.“ Denn bereits am 3. Juli soll die Stadtverordnetenversammlung über den Vorschlag der Verwaltung entscheiden. Der Stadtelternbeirat plant, im Rahmen der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses ein Statement abzugeben.
