Kronberg (kb) – Erneut wurden Ende Juli acht Europäische Ziesel aus der Zucht des Opel-Zoos in Tschechien ausgewildert. Sie waren unter den insgesamt 115 Zieseln aus verschiedenen Zuchten, die im Juli an fünf verschiedenen Standorten in Tschechien freigesetzt wurden, wie die Nature Conservation Agency der Tschechischen Republik berichtete.
Dabei wurden 55 Ziesel bereits am 17. Juli in Mähren ausgewildert, wo der Bestand in den letzten Jahren bis auf wenige Individuen zurück gegangen ist. Nun sollen die Tiere aus den Zoos helfen, die Kolonien der wildlebenden Ziesel zu verstärken. Eine Woche später wurden weitere 60 Ziesel, darunter die Nachzuchten aus dem Opel-Zoo, etwa 80 km nordöstlich von Prag in ein Landschaftsschutzgebiet nahe des Dorfes Mila gebracht, um hier zum Aufbau einer überlebensfähigen Population der Tiere beizutragen. In diesem Gebiet leben bereits an zwei Standorten Europäische Ziesel, während an einem dritten eine neue Population entstehen soll. Zu deren Aufbau und Stabilisierung werden hier bereits seit einigen Jahren wiederholt Ziesel ausgewildert – so lange, bis sich die Populationen wieder selbst erhalten können.
Bei der Auswilderung wurden die Tiere in vorgebohrte Löcher gesetzt, die ihnen Unterschlupf und Futter für die ersten Tage bieten. Zum Schutz der Neulinge wurden die Löcher zunächst verschlossen, damit sie nicht einfach im unbekannten Gelände davonlaufen und gleich Opfer beispielsweise von Raubvögeln werden. Nachdem sich die Ziesel in den nächsten Tagen heraus gegraben haben, finden sie in den Wiesenlandschaften genug Nahrung, um den bevorstehenden Winter zu „verschlafen“ und im kommenden Frühjahr hoffentlich selbst für Nachwuchs zu sorgen.
Die Wiederansiedelungsaktionen sind Teil eines nationalen Aktionsplans für die vom Aussterben bedrohte Tierart in Tschechien, zu dem auch Bemühungen zum Erhalt geeigneter Lebensräume gehören. Trockene, niedrige Steppengraslandschaften sind ideal für Europäische Ziesel, die lange Zeit als landwirtschaftliche Schädlinge galten wurden. Die zunehmende Zerstörung von Feldrändern und Weiden, die Zusammenlegung kleiner Felder zu großen Monokulturen und ein dramatischer Verlust an Flächen mit kurzem Gras führten jedoch in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Einbruch der Ziesel-Bestände.
„Zoologische Gärten wie auch der Opel-Zoo sind mit ihrer Expertise für Haltung, Zucht und Aufzucht von vom Aussterben bedrohten Arten zunehmend gefragt“, sagt die stellvertretende Zoodirektorin Dr. Uta Westerhüs und ergänzt, dass es viele Partner brauche, damit Projekte wie dieses gelängen. „Eine gute Zusammenarbeit der Akteure aus Zoos, Naturschutz und Behörden ist hier ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, so Westerhüs. Die 115 Ziesel stammten aus neun verschiedenen Zoos und Zuchtstationen in Tschechien, Schweden, der Schweiz und Deutschland, darunter der Opel-Zoo und der Tiergarten Nürnberg. Bereits im siebten Jahr in Folge trug der Opel-Zoo damit zum Aufbau von regionalen Populationen der als „stark bedroht“ geltenden Ziesel bei.
