Bewegende Momente und begeisterter Applaus beim Schlusskonzert von „Mit Musik – Miteinander“

Stolz und Freude leuchtet aus den Gesichtern der Musikerinnen und Musiker nach ihrem rundum gelungenen und bewegenden Konzert, mit dem im Casals Forum das Kammermusikwochenende „Mit Musik – Miteinander“ ausklang.Foto: Malkmus

Kronberg (pf) – „Wo Politik Mauern baut, schlägt die Kammermusik Brücken, wo Zölle trennen, verbindet die Musik.“ Mit dieser Botschaft eröffnete Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, am Freitagnachmittag im Carl Bechstein Saal am Beethovenplatz das 45. Kammermusik-Wochenende „Mit Musik – Miteinander“. Mit diesen Worten begrüßte er Sonntagnachmittag auch die vielen Musikinteressierten, die beim Abschlusskonzert den großen Saal des Casals Forums füllten. In diesen unruhigen Zeiten mit ihren täglich neuen aufwühlenden Botschaften brauche es Zugewandtheit, Offenheit und Dialog mehr denn je, meinte er und zitierte Pablo Casals: „Vaterlandsliebe ist eine schöne Sache. Aber warum soll sie an der Grenze aufhören?“

Wie recht er hatte, als er von einer Win-Win-Situation sprach, wenn aus Einzelstimmen etwas Gemeinsames entsteht, das mehr ist als die Summe der Einzelteile, das erlebten nicht nur die Besucherinnen und Besucher der öffentlichen Kammermusikproben am Freitagnachmittag, Samstag und Sonntagvormittag, sondern ganz besonders das Publikum beim abschließenden musikalischen Ausklang am Sonntagnachmittag. Und wieder war verblüffend, in welch kurzer Zeit die 15- bis 19jährigen Teenager, von denen sich nur wenige schon vor dem Wochenende kannten, mit ihren nur vier bis zehn Jahre älteren Dozentinnen und Dozenten im Trio und in Streichquartett-Sätzen in den jeweiligen Ensembles zu einer Einheit verschmolzen.

„Wir lernen so viel voneinander“, formulierte es die Dozentin und Geigerin Cosima Soulez Larivière. „Wie von Zauberhand fühlen wir gemeinsam, schauen uns in die Augen, das ist wie Magie.“ Ihr Bruder, der Bratscher Sào Soulez Larivière, erinnerte sich daran, dass er vor genau acht Jahren selbst bei „Mit Musik – Miteinander“ dabei und das erste Mal in Kronberg war und 2018 bei „Chamber Music Connects the World“ die unglaubliche Chance hatte, mit weltberühmten Musikern auf Augenhöhe Kammermusikwerke einzustudieren. Jetzt als Dozent befand er: „Es war ein emotionales Wochenende und ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben.“

Cellist Manuel Lipstein, nur vier Jahre älter als die beiden ältesten Nachwuchstalente, aber wie die Dozenten-Geschwister schon in den großen Konzertsälen der Welt unterwegs, hatte mit dem ersten Streichquartett des aus Spanien gebürtigen Komponisten Robert Gerhard, der wie Casals vor der Franco-Diktatur emigrierte, zuerst nach Paris, dann nach London auswanderte, ein nicht nur rhythmisch schwieriges Werk ausgesucht, sondern auch eines, für das die jungen Ensemblemitglieder viel lernen mussten.

Besonders am Herzen aber lag ihm das Streichquartett von Viktor Ullmann, das dieser im Ghetto Theresienstadt komponierte, bevor er 1944 im Alter von 46 Jahren in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Das habe er seinerzeit für seine Teilnahme bei „Chamber Music Connects the World“ einstudieren müssen und hatte vorher von dem Komponisten noch nichts gehört. Aber dann habe er sich in die Musik verliebt und sich gewünscht, das ganze Werk einmal aufführen zu dürfen. „Und jetzt ist es so weit“, freute er sich.

Mit dem Streichtriosatz B-Dur von Franz Schubert hatte Freitagnachmittag die Probenphase des Kammermusikworkshops begonnen, mit diesem Satz begann Sonntagnachmittag auch das Abschlusskonzert. „Im Trio sind wir drei Solisten, die ihre Balance finden müssen, wir müssen zusammen atmen und es gibt keinen Moment, wo man sich zurücklehnen kann“, hatte Sào Soulez Larivière am Freitag seinen Unterricht begonnen, immer wieder einfühlsam den Übergang vom Pianissimo zum Piano geübt, der Geigerin deutlich gemacht: „Bei Schubert hast du viel mehr Zeit, als du denkst“, seinen Ensemblemitgliedern geraten: „Versucht, den Klang ganz in der Mitte zu finden“ – in der Mitte zwischen den Notenständern – und ihnen verraten: „Magie für die Musik ist die Stille.“

Beeindruckend war am Sonntag zu erleben, wie all diese Hinweise, Ratschläge und Tipps in den knapp zwei Tagen verinnerlicht worden waren, wie Schuberts Triosatz – denn sein Trio blieb unvollendet – zu der Musik erblühte, die Musikwissenschaftler zu den reizvollsten Miniaturen in Schuberts Kammermusik zählen.

Nicht weniger überzeugend gelangen die folgenden Sätze aus den Streichquartetten von Anton Webern und Robert Gerhard, der zweite Satz aus dem letzten, ergreifenden Streichquartett von Felix Mendelssohn Bartholdy, in dem die Trauer um seine so früh verstorbene Schwester hörbar wird, Waltz und Burlesque von Benjamin Britten und das gesamte Streichquartett von Viktor Ullmann, auf das sich Manuel Lipstein so gefreut hatte. Das Publikum war begeistert, applaudierte und sparte nicht mit Bravo-Rufen, und die jungen Musikerinnen und Musiker durften auf das in so erstaunlich kurzer Zeit Erreichte ebenso stolz sein wie ihr Dozenten-Trio.



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