Roman von Burkard Spinnen und Charles Wolkenstein; kanon-verlag 2025; 25 Euro.
Es ist Zeit, dass Klimathemen zumindest ins Zentrum literarischer Werke rücken. Genau das versuchen Burkhard Spinnen und Charles Wolkenstein in ihrem Roman „Erdrutsch“. Schauplatz sind die Alpen, und die Handlung beginnt an einem Steilhang hoch über dem Comer See. Aurelio Campana, von allen auch der Tibeter genannt, trifft an einer nur schlecht zugänglichen Stelle auf einen Mann, der offenbar mit den Vögeln redet. Kurz darauf stürzt dieser Hang in die Tiefe. In kurzem Abstand gibt es weitere Erdrutsche, und vieles deutet daraufhin, dass die Vögel vor diesen Naturkatastrophen gewarnt haben. Der „Vogelmann“, eigentlich ein Hobby-Ornitologe, wird in die Casa San Franzesco gebracht. Die Schwester Oberin des Heimes sieht in dem Vogelmann schon die Wiedergeburt des heiligen Franziskus, ein junges KI-Startup wittert seine Chance, mit einer App zur Vogelstimmendeutung den Durchbruch zu schaffen, die Klimabewegung sieht in dem Vogelmann eine Leitfigur und setzt zu radikalen Aktionen an. Dabei offenbart sich immer wieder die Scheinheiligkeit in Politik und Ökonomie ebenso wie Aktionismus und Wunschdenken der Umweltschützer angesichts drohender Katastrophen. Währenddessen versucht Mailand, nebenbei den Domplatz von Tauben zu befreien und bekommt dafür schlaue Krähen.
Der Roman ist höchst unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Ins Esoterische gehende Auswüchse werden ebenso kritisch betrachtet und entkräftet wie blauäugige Wissenschaftsgläubigkeit. „Erdrutsch“ ist der gelungene Auftakt einer neuen Buchreihe, die gerne so weitergehen kann.
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