Kronberg (kb) – Aus der ältesten Familienlinie der Kronberger Ritter tauchen um 1300 die Graslock von Kronberg auf. Was hat es damit auf sich, warum verschwindet der Name ab 1368 wieder?
Der Verein für Geschichte lädt zum Vortrag ein: am Mittwoch, 5. November, um 19 Uhr in der Stadthalle Kronberg, Raum Fuchstanz, um 19 Uhr mit Heinz-Jürgen Kronberg, Thüringen.
Im April 2016 besuchte der damals in Weimar lebende Heinz-Jürgen Kronberg mit seiner Frau und einem chinesischen Pflegesohn, der damals an der Bauhaus-Universität Weimar seinen Master erfolgreich absolviert hatte, die Stadt Kronberg. So oft hatten sie über die namensgleiche Stadt im Taunus gesprochen, dass der junge Student diese nun auch noch am Ende seines 4-jährigen Studiums kennenlernen wollte. Pflichtteil dieses Besuches war natürlich die Burg in Kronberg und ein geführter Stadtrundgang. Als die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Burg die Namensgleichheit mitbekamen, drangen sie darauf, dass Heinz Kronberg Mitglied im Kronberger Burgverein werden sollte – und so kam es dann auch.
Im Rahmen seiner Mitgliedschaft kümmerte er sich um die vielen Spuren, die über die heutigen Grenzen der Bundesrepublik hinaus zwischen Rom und Wittenberg sowie zwischen Elbingen bei Danzig und Flörchingen im heutigen Frankreich zu finden sind. Dabei begegnete ihm immer wieder das, was alle kennen, die sich einmal etwas mit den Rittern von Kronberg beschäftigt haben – der Kronenstamm sowie der Flügel- und der Ohrenstamm derer von Kronberg.
Um den Überblick zu behalten, wurde von ihm oft der Stammbaum, den Wolfgang Ronner dokumentiert hat, zur Hilfe genommen. Dabei fiel sein Blick einmal auf den oberen Rand und er sah quasi seinen eigenen Namen dort stehen, was ihn amüsierte. Heinz von Kronberg gehörte aber keinem der drei Stämme an, sondern war ein grau unterlegter Nebenzweig. In der bisherigen Forschung tauchen zwar die Namen von ihm, seinem Vater sowie seinem vermuteten Bruder zum Teil auf und werden als Graslock‘sche Nebenlinie bezeichnet, spielen bisher aber keinerlei Rolle. Erst ab Herbst 2023 beschäftigte sich Heinz Kronberg detaillierter mit seinem adligen Namensvetter.
Und tatsächlich kamen verschiedene Fakten zusammen, die so zwar nicht völlig unbekannt, aber bisher nahezu nicht beachtet waren. Ritter Conrad Grasloc von Kronberg, Vater von Heinz von Kronberg, war Miteigentümer der Kronberger Burg und anderer Teile des Kronberger Ganerbes. Der Verkauf ist urkundlich verbrieft.
Wie kommt jemand, der de facto nicht zur Familie gehört, dazu, gemeinsames Familieneigentum zu verkaufen? Wieso steht beim Vater ein Grasloc und beim Sohn nicht mehr? Noch viele andere Fragen kamen dazu.
Darüber hinaus fand sich ein Kronberg-Wappen, was zu keinem der drei bekannten Stämme der Familie gehörte. Als Heinz-Jürgen Kronberg dies aufgrund der schriftlichen Beschreibung nachbilden ließ, wurde er stutzig. Es kam ihm bekannt vor. Hatte er es wirklich schon mal gesehen oder war es eine Einbildung, weil er sich so intensiv damit beschäftigt hatte? Nach krampfhaftem Suchen stellte sich der Erfolg ein. Auf dem Grabstein des Johann Nikolaus von Kronberg, der als Letzter seiner Familie starb und mit dem die Ahnenreihe derer von Kronberg 1704 endete, war dieses Wappen neben den Wappen drei bekannter Kronberg-Stämme abgebildet.