Buchtipp
Aktuell
Roman von Jina Khayyer, Suhrkamp 2025; 25 Euro.
Es ist Nacht. Jina sitzt an ihrem Schreibtisch in Südfrankreich und starrt in ihr Handy, schockiert von den Nachrichten aus dem Iran, dem Herkunftsland ihrer Familie. Eine junge Frau mit dem gleichen Vornamen wie sie wurde wegen eines nicht korrekt sitzenden Kopftuchs von der iranischen Polizei brutal ermordet.
Die Erzählerin erinnert sich an ihren ersten Besuch bei ihrer Schwester im Jahr 2000. Schon im Flugzeug der iranischen Gesellschaft trifft sie auf eine Mischung aus vertrauter Sprache und ihr unverständlichen Verhaltensregeln. Bei der Familie in Teheran wird sie mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Ihre Schwester Roya ist eine moderne, junge Frau, die aber nicht müde wird, Jina darauf hinzuweisen, was passieren würde, sollte sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß tragen oder einen Blick zu lange auf einem begehrten Menschen ruhen lassen. Es könnte ihren Tod bedeuten. Der Gegensatz zwischen der Offenheit und Wärme im Privaten und der Verlogenheit und Kälte in der Öffentlichkeit könnte größer nicht sein.
Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was es bedeutet, eine iranische Frau zu sein, zwischen westlicher Kultur und islamischem Regime zu leben und zu versuchen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es ist ein Roman der Sehnsucht nach Heimat, Schönheit und Freiheit. Poetisch und unbedingt lesenswert, nicht nur für Frauen..
