Buchtipp
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Roman von Carlo Cassola; aus dem Italienischen von Martuna Galli; KAMPA 2024; 25 Euro.
Fünf Männer machen sich in den 30er Jahren des 20igsten Jahrhunderts auf den Weg „ins Holz“. Sie werden über Monate ein Stück Wald in der Toskana roden. Mehrere Stunden Fußmarsch von der nächsten Siedlung entfernt, werden der frisch verwitwete Guglielmo, der schwer zugängliche Fiore, der alte Francesco, der immer etwas zu erzählen hat, sowie der freundliche und junge Germano die Zeit mit zäher Arbeit in der Einsamkeit verbringen. An den kalten Abenden am Feuer wird Franzesco Geschichten aus dem Krieg oder aus der Phantasie erzählen, unzählige Zigaretten werden geraucht, und vielen Stunden der Stille werden vergehen.
Der Frage, wann es uns schlecht geht oder wann wir einen berechtigten Grund zur Klage haben, kann man sich nach der Lektüre dieses kleinen Romans kaum entziehen. Guglielmo hat seine junge Frau verloren, er sitzt mit anderen Männern über Monate in einem winzigen Holzfällercamp in den Bergen und arbeitet hart. Seine Schwester hütet derweil seine beiden Kinder und er traut sich aus Angst vor zu viel Trauer nicht mal Weihnachten nach Hause. Aber es geht auch in diesem Roman, der zwischen zwei Kriegen spielt, nicht ohne Hoffnung weiter. „Ins Holz gehen“ ist eine schöne Wiederentdeckung der Erzählung von Carlo Cassola aus dem Jahr 1955. Ein unbedingt lesenswertes Kleinod.
