Kreis-Azubis und Landrat legten gemeinsam Antoniuskapelle frei

Die acht Auszubildenden des Hochtaunuskreises, Annica Eichhorn, Laura Handke, Justin André, Kristina Jänicke, Lorena Lang, Marc Riemenschneider, Florian Stary und Anika Wölfert sowie Dr. Kai Mückenberger (ganz links) mit Kollege (rechts) und Landrat Ulrich Krebs (Fünfter von links). Foto: Hochtaunuskreis

Kronberg (kb/pu) – Seit Jahren nutzt Landrat Ulrich Krebs (CDU) die Sommerferienzeit für besondere Aktionen.

Im Gegensatz zur Vergangenheit, als dabei häufig das Thema Landwirtschaft eine Rolle spielte, stand nach dem jüngsten Besuch mit Grundschülern auf der Burg (wir berichteten) dieses Mal die Freilegung der Fundamente der Antoniuskapelle, eines der wichtigsten archäologischen Denkmäler oberhalb der Stadt Kronberg im Taunus, auf der Agenda. Mit dabei acht Auszubildende des Hochtaunuskreises, die zwei Tage lang ihren Arbeitsplatz in Fachbereichen wie „Brandschutz“, „Medien“ oder „Kreisarchiv“ gegen schattigen Wald eintauschten und mit dem Landrat und der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege auf Knien und mit Mauerkellen ausgestattet oder per Spitzhacke Einfassungen von Staub und Laub befreiten und lose Steine entfernten.

Eine Erfahrung, die allen ganz offensichtlich trotz der ungewohnten Arbeit viel Spaß bereitete. „In der Regel haben junge Leite mit Archäologie nicht viel zu tun, aber es bereitet großes Vergnügen, wie frisch sie Ideen aufnehmen und umsetzen“, zollte Dr. Kai Mückenberger, der für Archäologie zuständige Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege, Lob und Anerkennung.

Wie Krebs den herbeigerufenen Pressevertretern berichtete, war er während eines hessischen Wandertages auf die Kapelle gestoßen, die prompt seine Neugier weckte. Schritt für Schritt hätte dann nach einigen geführten Gesprächen die gemeinsame Sommeraktion Form angenommen.

Bevor der muntere Trupp jedoch loslegen konnte, suchte ein ehrenamtlicher Sondengänger mit einem Metalldetektor gezielt das Gelände nach Gegenständen im Boden ab. Zum einen logischerweise eine Vorsichtsmaßnahme, zum anderen, um womöglich historisch Wertvolles aufzuspüren. Mit ausgesprochen magerem Erfolg. „Außer einem kleinen Bombensplitter und einer Weißblechtube aus dem frühen 20. Jahrhundert, im Klartext Schrott, wurde nichts gefunden“, fasste Dr. Kai Mückenberger das Ergebnis dieser Untersuchung zusammen.

Weitaus nachhaltiger verlief dagegen die Freilegung, denn dabei stellte sich nach Aussage des Bezirksarchäologen heraus, dass die Grundrisse anders als aufgrund der bisherigen Aufzeichnungen erwartet verlaufen. „Wir haben zu unserer Überraschung einen sehr viel größeren Vorraum mit einem schmaleren Mittelbau und einer leidlich erhaltenen Apsis gefunden.“

Konkret ging es bei der Freilegung darum, die einstigen Mauerverläufe nachzuvollziehen und genau zu dokumentieren. Bei der Kapelle handelt es sich um die Reste einer Einsiedelei im Ruthardshain, die 1339 durch Walter V. von Kronberg und seiner Frau Elisabeth von Ingelheim gestiftet worden war. Im Jahr darauf wurde sie durch den Mainzer Weihbischof Albert von Berlichingen geweiht und mit einem Ablass versehen. Als erster Eremit zog ein Bruder Werner in den Wald; er konnte einige Besitzungen und Rechte erwerben, um den Bestand der Einsiedelei dauerhaft zu sichern.

Herzstück der Anlage war die Kapelle, die dem heiligen Antonius dem Großen geweiht war. Daneben lag die deutlich kleinere Wohnung des Einsiedlers, zu der auch ein umfriedeter Garten und eine Wasserquelle gehörten. Nach knapp 200 Jahren, mit der Einführung der Reformation in Kronberg, wurde die Einsiedelei aufgegeben. Bereits um 1550 war die Kapelle verfallen; von der einstigen Ausstattung ist heute nichts mehr erhalten. Die vorhandenen Reste stehen heute als Bodendenkmal unter Schutz.

„Die archäologische Erkundung der Antoniuskapelle ist Grundlage dafür, dass dieser idyllische Platz mit seiner spannenden Geschichte künftig für die Wanderer im Taunus besser erlebbar wird“, nannte Landrat Krebs den ausschlaggebenden Grund für den ungewöhnlichen Arbeitseinsatz der zweiten diesjährigen Sommeraktion. „Zugleich wollten wir mit der Aktion unseren Auszubildenden die Möglichkeit geben, den Taunus als Geschichts- und Naturlandschaft besser kennenzulernen – abgesehen davon, dass uns die gemeinsame Arbeit vor Ort viel Spaß gemacht hat.“

Im Anschluss an die Grabung soll die Oberfläche so modelliert werden, dass der einstige Mauerverlauf erkennbar ist. Dazu können die vorerst an die Seite geräumten Steine, Taunusquarzit, verwendet werden. Im Ergebnis wurde die Grundlage für nachhaltige Konservierung der Kapelle gelegt. Eine Tafel vor Ort informiert über die Geschichte des Denkmals.

Dr. Kai Mückenberger nahm sich ausreichend Zeit, um sich gemeinsam mit den Auszubildenden über die Arbeitsweisen und Methoden der Archäologie auseinanderzusetzen. „Mit ihrem tollen Einsatz haben die Auszubildenden des Landkreises an den zwei Tagen ein besonderes Stück Heimat für uns erhalten. Dafür möchte ich im Namen des Landes herzlich Danke sagen“.

Der allgemeine Tenor der Auszubildenden war nicht minder schnell auf den Punkt gebracht. Sie sprachen von einer „spannenden Erfahrung, aber anstrengend.“ Einer der acht, Florian Stary, hob des Weiteren heraus, er sei gespannt über den weiteren Verlauf und werde mit seiner Familie zurückkehren „und zeigen, was wir freigelegt haben.“

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