Kronberg (nel) – Am vergangenen Sonntag, 5. Juli, sperrte die Kronberger Altstadt ihre Gassen für den Verkehr und verwandelte sich in einen der beliebtesten Tage im städtischen Kalender: den 54. Kronberger Flohmarkt vor der Thäler Kerb, der in diesem Jahr wieder mit über 200 Ständen durch die historischen Straßenzüge lockte.
Schon am frühen Morgen bot sich ein Bild, das kaum lebendiger hätte sein können – Kisten voller Porzellan, wackelige Tische mit leicht vergilbten Büchern, Kinderfahrräder, die auf ein zweites Leben warteten, und dazwischen der unverwechselbare Duft von Kaffee, Kuchen und gegrillten Speisen, der aus den zahlreichen gastronomischen Ständen aufstieg. „Man kommt eigentlich immer nur wegen einer bestimmten Sache und geht am Ende mit vier Tüten nach Hause“, brachte es eine Besucherin aus Oberursel treffend auf den Punkt, während sie eine alte Kaffeemühle in ihrer Tasche verstaute.
Die Friedrich-Ebert-Straße, die Tanzhausstraße, die Doppesstraße und die Eichenstraße verwandelten sich für einen Tag in ein einziges großes Basar-Geflecht. Auch die Schirn, der Zehntscheunenplatz, der Hof der Stadtbücherei sowie der Berliner Platz und der vordere Teil der Katharinenstraße gehörten zum Terrain, das bis 16 Uhr dem Trubel gehörte statt dem Autoverkehr. Die Stadt hatte empfohlen, das Marktgelände über die Frankfurter Straße anzufahren, da die Königsteiner Straße wegen Pflasterarbeiten am Burgparkplatz ohnehin nicht passierbar war. Parkplätze fanden sich, wenn auch begrenzt, im Parkhaus Berliner Platz oder am Bahnhof.
Gesperrte Gassen, offene Höfe
Neben den offiziellen Ständen in der Altstadt öffneten auch zahlreiche private Höfe und Einfahrten ihre Tore, sodass sich Anwohner mit eigenen Ständen ins Geschehen einbrachten – ein Umstand, der dem Kronberger Flohmarkt seinen ganz eigenen, fast dörflichen Charme verleiht, obwohl die Stadt an diesem Tag aus allen Nähten zu platzen schien. Bei der Stadtbücherei fand sich, wie schon in den Vorjahren, der beliebte Bücherflohmarkt vor dem Eingang in der Hainstraße 5 – ein Publikumsmagnet, der seinen guten Zuspruch offenbar zu Recht genießt. „Ich stöbere hier jedes Jahr, und jedes Jahr finde ich aufs Neue ein Buch, das mich im Nachhinein begeistert“, erzählte ein älterer Herr, der mit einem Krimi unter dem Arm zufrieden weiterzog.
Eine erfreuliche Premiere gab es in diesem Jahr obendrein: Erstmals beteiligte sich der Internationale Frauentreff aus dem Café Kollektiv in der Adlerstraße 2 am Flohmarktgeschehen und bot gebrauchte Kinder- und Damenbekleidung sowie Spielsachen an – ein Neuzugang, der zeigt, dass der Flohmarkt auch nach so vielen Jahren noch Raum für frische Gesichter und Ideen bietet.
Vereine mit Herz
Zwischen den Ständen fand sich zudem eine stattliche Riege an Vereinen und Initiativen, die sich mit Herzblut für den guten Zweck engagierten. Der Zonta Club Bad Soden-Kronberg, ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen, der sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzt, verkaufte an seinem Stand Schmuck, Handtaschen und Geschirr zugunsten eigener Hilfsprojekte. Auch Inner Wheel, die weltweit tätige Frauen-Service-Organisation, sowie der Kappenklub 1902 Kronberg, einer der traditionsreichsten Vereine der Stadt, und der Fanfarenzug Kronberg, der seit 1970 als musikalischer Kulturbotschafter Kronbergs auftritt, waren mit dabei. Daneben gehörten Amnesty International, die AG Kronberger Frauenverbände, der Briefmarkensammler-Verein, das Frauenhaus Oberursel, die Partnerschaftsvereine Le Lavandou und Porto Recanati sowie die Silberdisteln zu den engagierten Ausstellern inmitten der vielen Stände.
Dass der Flohmarkt traditionell am Sonntag vor der Kronberger Thäler Kerb stattfindet – jener Kerbewoche, die seit 1968 einen festen Platz im Terminkalender der Stadt hat –, ist kein Zufall, sondern gelebte Tradition: ein Wochenende, zwei Feste, ein Gefühl von Gemeinschaft, das die Kronberger Altstadt einmal im Jahr in ihrer schönsten Form zeigte. Wie ein Standbetreiber am Nachmittag zufrieden feststellte: „Ich sage immer, das ist kein Flohmarkt, das ist Kronbergs großes Wohnzimmer für einen Tag.“
