„Das Kronberg der KfB ist nicht das Kronberg der SPD“

Kronberg. – „Kronberg wächst“, hat die KfB in einer Stellungnahme erklärt und vorgerechnet, wie viele Wohneinheiten in den letzten Jahren entstanden und geplant worden sind. „Die allermeisten dieser Wohneinheiten sind allerdings Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, die für Normalverdienende in der Regel unerschwinglich sind“, bemerkt die SPD nun in einer Stellungnahme dazu, die die Worte der KfB zur Wohnraumentwicklung „mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt“. „Sie ist ein erneuter Beleg dafür, dass es der Wählergemeinschaft um die Festschreibung der bestehenden Verhältnisse geht, bei der die Familien mit normalen Einkommen, junge Menschen am Beginn ihres Arbeitslebens, aber auch anerkannte Geflüchtete, die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sind, auf der Strecke bleiben“, so Hans-Willi Schmidt, der die SPD als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat vertritt.

In den Wohngebieten „Am Henker“, „Haide-Süd“ oder in den „Schillergärten“, deren Bebauung von der KfB im Übrigen bis zum Schluss vehement abgelehnt wurde, wie die SPD bemerkt, seien den letzten Jahren überwiegend Eigenheime und Eigentumswohnungen entstanden. „Weitere Wohnungen im Hochpreissegment werden in der Bahnhofstraße, Bereich des früheren Hotels „Kronberger Hof“ oder zwischen dem Wohngebiet in der Freiherr-vom-Stein-Straße und dem Accenture-Bau folgen“, erläutern die Sozialdemokraten. SPD-Fraktionschef Wolfgang Haas dazu: „Diese Projekte bieten keine Wohnraumperspektiven für Beschäftigte in sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, mobile oder stationäre Altenbetreuung oder bei den hier ansässigen und teilweise traditionsreichen mittelständischen Betrieben, die bei der kürzlich stattgefundenen Jahreshauptversammlung des BDS mit Nachdruck darauf hingewiesen haben, dass sie ebenfalls angemessene und bezahlbare Wohnungen für ihre Beschäftigten benötigen.“

Bezahlbarer Wohnraum ist lebenswichtig für die Stadt

„Unsere Stadt braucht junge Menschen im Ehrenamt, um das Gemeinwesen lebendig zu halten“, betont die SPD. Offenkundig werde das bei der Frage der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr. Deren Einsatzfähigkeit hänge von jüngeren Menschen ab, die in Kronberg arbeiten und leben. „Die örtlichen Wehren werden vor allem von jungen Handwerkern und Angestellten getragen, die auch tagsüber für Einsätze zur Verfügung stehen. Das gilt aber genauso für die vielen Vereine und andere Gruppierungen in der Stadt – von den Musikgruppen über die sozial und karitativ engagierten Vereine bis hin zur Kommunalpolitik. Sie alle sind es, die Kronberg ausmachen. Um diesen Menschen, die all diese Aktivitäten tragen, eine Wohn- und Entwicklungsperspektive in unserer Stadt bieten zu können, ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraums eine der wichtigsten Aufgaben der politischen Gremien.“ Die Flächen stehen in Oberhöchstadt („Altkönigblick“) und am Bahnhof („Baufeld V“) zur Verfügung. „Gebaut werden kann aber erst, wenn die zeitaufwendigen Bauleitplanungsverfahren zügig fortgeführt werden. Hier sind Stadtverwaltung und insbesondere die Politik gefordert und es wäre mehr als hilfreich, wenn Vertrauen statt Misstrauen die Arbeit des Fachbereichs 4, Stadtentwicklung und Umwelt, begleiten würde“, erklärt Hans Robert Philippi, SPD-Sprecher im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. „Nur mit dem zielgerichteten Bau von bezahlbaren Wohnungen im Geschosswohnungsbau können die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Kronberg eine lebendige Stadt bleibt. Gerade deshalb erwarten wir auch, dass der Magistrat spätestens nach den Sommerferien ein Konzept zur Umsetzung des Beschlusses zur Einrichtung eines städtischen Eigenbetriebs Wohnbau vorlegt. Nur damit können wir sicherstellen, dass die Stadt dauerhaft Einfluss auf die Belegung und die Mietpreisentwicklung nehmen kann“, ergänzt SPD-Fraktionschef Wolfgang Haas.

„In Kronberg wird viel gebaut: privat und hochpreisig“

In ihrer Wohnraum-Aufzählung wirft die KfB hochpreisige Wohnungen und Häuser mit Genossenschafts- und städtischen Wohnungen in einen Topf. Dabei kommt sie auf 64 Wohnungen, die in der Friedensstraße gebaut werden – 30 davon sind allerdings nur der Ersatz für die Wohnungen in den abgerissenen Altbauten, 30 neue Wohnungen kommen hinzu, zwölf davon werden gefördert sein (sechs Zwei-, drei Drei- und drei Vierzimmerwohnungen). Die 130 bis 140 Wohnungen, die am Bahnhof und am Altkönigblick entstehen sollen, sind noch in weiter Ferne. Und auch von diesen Wohnungen wird nur ein Teil gefördert sein, berichtet die SPD.

„Leider entstehen auf fast allen nichtstädtischen Grundstücken Eigenheime oder von Investoren finanzierte hochwertige Wohnungen. Gleichzeitig stehen 80 Kronbergerinnen und Kronberger auf der Warteliste für eine geförderte Wohnung, um die 20 sind wohnungslos, Tendenz steigend. Für Menschen etwa, die in Kronberg arbeiten und auch hier wohnen wollen, die aber die Preise für Eigentums- und immer häufiger auch für Mietwohnungen nicht bezahlen können, gibt es fast nichts. Die 194 geförderten Wohnungen der Stadt reichen hinten und vorne nicht“, stellt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gabriela Roßbach fest. „Wir hoffen, dass die Verhandlungen der Stadt mit den Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften über den Fortbestand der Sozialbindung in den kommenden Wochen erfolgreich abgeschlossen werden“, so Roßbach weiter. „Wir als SPD wollen auch nicht alle freien Flächen zubauen, aber wir wollen, dass der bezahlbare Wohnraum prozentual genauso wächst wie der gehobene. Damit wir ein Kronberg mit einem guten Mix der Einkommensschichten erhalten können. Denn das war und ist die Stärke unserer Gemeinde. Das ist das Kronberg der SPD!“, fasst der Stadtverordnete Helmut Ebner zusammen. (mw)



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