Kronberger Geschichtssplitter: Zu Kaiserin Friedrichs 125. Todestag

Die Gartenseite von Schloss Friedrichshof – dem Sterbeort der Kaiserin Foto: Ried

Kronberg (war) – Vor 125 Jahren verstarb am 5. August 1901 – es war ein Montag – die 61 Jahre alte Victoria Kaiserin Friedrich nach langer und schwerer Krankheit auf ihrem Witwensitz Schloss Friedrichshof in Kronberg, den sie sich in den Jahren 1889 bis 1894 hatte erbauen lassen.

Um ihren Tod vor 125 Jahren rankt sich die Erzählung, welche der italienische Autor Caesar Conte Corti in seinem Buch „Wenn… Sendung und Schicksal einer Kaiserin“ festhält: „Der 5. August ist ein herrlicher Tag. Sonnenglanz liegt über der Landschaft und alles gemahnt an Leben, nicht an Tod. Aber die unerbittliche Krankheit fordert ihre Opfer. Wilhelm II. steht am Bett seiner Mutter, und eben in dem Augenblick, da sie ihren letzten Atemzug tut, flattert ein Schmetterling beim offenen Fenster hinein, umschwebt das Haupt der Sterbenden und entflieht wieder in das Freie. Es ist als trüge er die Seele der im Leben so grausam gequälten, von so hohen Idealen erfüllten und so furchtbar enttäuschten Frau hinüber in sonnigere, glücklichere Gefilde.“ In einer Fußnote seines Buches, in dem er das Leben der Kaiserwitwe auf Basis ihrer intensiven Briefkorrespondenz beschreibt, erwähnt Conti, dass ihm Margarethe Landgräfin von Hessen, welche die jüngste Tochter der Kaiserin war und nach dem Tod ihrer Mutter Schloss Friedrichshof geerbt hatte, den Vorfall mit dem Schmetterling so berichtet habe.

Weit weniger prosaisch wird die Sterbestunde der Kaiserin in der 1999 von Hannah Pakula publizierten Biographie „Victoria“ protokolliert: „Wilhelm II. übernahm die Krankenwache und verließ kaum mehr das Zimmer seiner Mutter. Wie schon seit mehreren Wochen war immer eine von Vickys [Innerfamiliärer Spitzname für Kaiserin Victoria] drei jüngeren Töchtern an ihrer Seite. Dennoch war es ironischerweise Wilhelm, der bei ihr war, als sie starb. ‚Meine Schwester Sophie und ich waren kaum in den Garten gegangen, um uns auszuruhen, da wurden wir wieder zurückgerufen, aber wir kamen zu spät, um dabei zu sein, als sie ihren letzten Atemzug tat‘, erzählte Mossy [Margarethes Spitzname] viele Jahre später.“ Margarethe war somit beim Tod ihrer Mutter nicht unmittelbar zugegen.

Diagnose Brustkrebs

Kaiserin Friedrichs Tod kam nicht unerwartet, sondern zeichnete sich bereits längere Zeit vorher ab. Spätestens seit Herbst 1898 wusste die Kaiserwitwe, dass sie Brustkrebs hatte. Diese Diagnose erhielt sie laut Pakula, nachdem sie sich infolge eines Sturzes vom Pferd im Kronthal bei Kronberg an der Schulter und Hand verletzte und einer genaueren Untersuchung durch ihren Leibarzt unterzogen hatte. Als sie kurz darauf zu ihrer Mutter Queen Victoria nach London gereist war, bestätigten englische Ärzte ihr die kanzerogene Erkrankung im Rahmen einer Zweitdiagnose und meinten, dass der Tumor für eine Operation schon zu weit fortgeschritten sei. Doch sollte auf ihren Wunsch hin die Öffentlichkeit zunächst nichts von ihrem wahren Leiden erfahren. Nur ihr engeres Umfeld weihte sie über ihre wirkliche Krankheitsursache ein. Demzufolge wurde im öffentlichen Bulletin von einem Hexenschuss gesprochen. Ihre Beschwerden, vor allem im Bereich des Rückens, wohl durch Metastasen bedingt, nahmen aber sukzessive zu, so dass ihr selbst die Morphininjektionen zur Schmerzreduktion bald nur noch temporäre Linderung gewähren konnten. In Schloss Friedrichshof war sie zunehmend auf den Rollstuhl angewiesen und in ihrem großen Park benutzte sie eine von Ponys gezogene Kutsche. Laut Pakula litt Victoria in den letzten zwei Monaten ihres Lebens zudem an schwerer Atemnot.

Direkt vor dem Ableben seiner Mutter traf ihr ältester Sohn – Kaiser Wilhelm II.– in Friedrichshof gerade noch rechtzeitig ein, um während ihrer letzten Stunden permanent am Sterbelager Wache zu halten. Dafür hatte er laut Taunuszeitung vom 8. August 1901 seine alljährliche sommerliche Nordlandfahrt per Schiff nach Skandinavien kurzfristig abgebrochen, „um bei der sterbenden Mutter weilen und ihr die jetzt erkaltete, liebe Hand drücken zu können“.

Pakula berichtet weiter, dass Wilhelm nach Victorias Tod sofort alle Zimmer des Schlosses durch eine Polizei-Spezialeinheit durchsuchen ließ. So hatte er es schon beim Tod seines Vaters im Jahr 1888 im Neuen Palais in Potsdam gehalten. Damit wollte der Sohn wohl verhindern, dass eventuell schriftliche Dokumente seiner Mutter mit für ihn kompromittierenden Inhalt aus Kronberg heimlich geschleust werden konnten. Die Kaiserwitwe hatte aber in weiser Voraussicht ihren umfangreichen Briefverkehr – in erster Linie den mit ihrer Mutter – bereits im Februar 1901 heimlich nach England bringen lassen.

Schon zu ihren Lebzeiten hatte Kaiserin Friedrich den Ablauf ihres Begräbnisses festgelegt. Weder eine Autopsie noch Einbalsamierung ihres Leichnams sollte vorgenommen werden. Ihr Sarg kam wunschgemäß zunächst in die evangelische Johanniskirche in Kronberg, die sie oft besucht hatte. Am 11. August fand hier ein Trauergottesdienst für die Verstorbene statt. Danach gelangte der Sarg per Zug nach Potsdam, um hier neben dem Grabmal ihres an Kehlkopfkrebs verstorbenen Mannes im Kaiser-Friedrich Mausoleum in der Friedenskirche im Schlosspark von Sanssouci bis heute platziert zu werden. Eine dreimonatige Hoftrauer und sechswöchige Landestrauer in Preußen folgten zur Ehre Kaiserin Friedrichs auf Befehl ihres Sohnes Wilhelm.



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