Die Kronberger haben es mal wieder richtig krachen lassen

Kronberg (ivy) – Dienstagabend, 19.30 Uhr. Für die Mehrheit der Bevölkerung ein normaler Werktag, das Wochenende noch lange nicht in Sicht. Nichts da, in Kronberg ticken die Uhren anders. Zumindest an einem speziellen Dienstag und Mittwoch Anfang Juli: Immer mehr Menschen finden ihren Weg in die Friedrich-Ebert-Straße und suchen nach einem Platz am Straßenrand, um das Geschehen gut im Blick zu haben. Viele Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Senioren sind unter ihnen. Alle blicken gespannt die Straße hinauf – auf das, was sich da zusammenbraut und formiert. Eine Vorfreude, gemischt mit Spannung, liegt in der Luft. Und dann beginnt das Spektakel auch schon: Glockengeläut, Böllerschüsse – und der traditionelle Umzug setzt sich in Bewegung. Das Ziel ganz klar: die „Staagass“ im Thal. Nun ist natürlich schon längst eindeutig, um welches Fest es sich hier handelt: die Thäler Kerb.

Teile des Umzugs waren auch in diesem Jahr wieder die Cronberger Schützengesellschaft von 1398, der Fanfarenzug Kronberg 1970, die 1. Kronberger Laienspielschar, der Kappen-Klub 1902 Kronberg und Rittergarde, die „gikkelnden Hinkel“, der Recepturkeller, der Altstadtkreis, die Baumträger und nicht zu vergessen der Nachwuchs, der stolz „Drollo“ ins Thal trug. Harry Kaey und seine Band „Sunny Vibes“ waren natürlich auch mit von der Partie und konnten die Menge mit ihrer Performance in ihren Bann ziehen.

„Ein Sommer ohne Thäler Kerb ist wie ein Bembel ohne Henkel, und wer will das schon?“ – mit diesem Zitat von Helmut Girold begrüßte Bürgermeister Christoph König die versammelten Gäste und dankte allen Aktiven für ihr Engagement und ihre Arbeit, damit die Kerb zum 56. Mal auf diese Art und Weise stattfinden kann. Das bisherige Thäler Kerbepärchen Thomas Scheller und Saskia Zubrod gab den Nachfolgern im Zuge ihrer Inthronisation Folgendes mit auf den Weg: „Seid euch bewusst, denn in dieser Zeit ist den Frieden zu feiern keine Selbstverständlichkeit. Macht’s gut und feiert laut, genießt die Stimmung und den Sound!“

Anschließend präsentierten sich Christina „Chrissi“ Diehl und ihr Ehemann Patrick „Paddy“ offiziell als „Miss Bembel“ und „Thäler Borjermaaster“: „Und so übernehmen wir heute voller Stolz die Regentschaft übers Thal. Mit Freude auf das, was kommt und mit der festen Absicht, den Bembel nie ganz leer, die Stimmung niemals schwer, die Kerb stets fröhlich und frei, so soll unser Regierungsjahr sein!“ Wie sollte es anders sein, stimmte Klaus Temmen nun ganz im Sinne der Tradition das „Dääler Kerbelied“ an. Spätestens jetzt lagen sich die Besucherinnen und Besucher in den Armen und sangen aus vollem Hals mit.

Am Mittwoch gingen die Feierlichkeiten mit dem Frühschoppen, dem Seniorennachmittag, bei dem der Musik-Verein Kronberg für den passenden musikalischen Rahmen sorgte, und abends wieder mit Tanz und Party weiter.

„Wir sind sehr zufrieden. Es war ein fröhliches, friedliches Fest – genau so, wie es sein soll: Man trifft sich und freut sich darüber. Es waren etwas weniger Besucher und Besucherinnen da als in den Vorjahren, was aber vermutlich der Ferienzeit geschuldet ist“, resümiert Anita Hense, 1. Vorsitzende des Thäler Kerbe Vereins. Bereits im vergangenen Jahr habe es ein umfangreiches Sicherheitskonzept gegeben, das in diesem Jahr in ein neues Format gebracht werden musste. Zum Beispiel resultierte daraus bereits letztes Jahr die Umstellung auf Gasgrills und das Verlegen eines Grillstandes. Das sei in diesem Jahr wieder so gemacht worden. Dadurch seien nur kleinere Nachbesserungen notwendig gewesen. „Wir arbeiten eng mit der Stadtverwaltung sowie der Polizei zusammen und erfahren große Unterstützung. Es gab verschiedene Vor-Ort-Termine und Abstimmungsgespräche“, berichtet die 1. Vorsitzende.

Wie schafft diese Veranstaltung es über Generationen hinweg, so beliebt und etabliert zu bleiben? Die Thäler Kerb ist ein Fest, „auf dem man sich trifft“. Es wird gesprochen, gemeinsam gefeiert, und das schon seit vielen Jahren. So kommen beispielsweise ehemalige Schülerinnen und Schüler jedes Jahr nach Kronberg, um andere Ehemalige zu treffen und sich auszutauschen. „Die Kronbergerinnen und Kronberger“ treffen sich, Handwerkerinnen und Handwerker, Seniorinnen und Senioren sowie verschiedene Grüppchen, die einfach immer da sind. Ganz ungezwungen und möglichst unkompliziert. Anita Hense spekuliert, dass das Erfolgsgeheimnis genau in diesem Umstand liegt. Die Besucher wissen, was sie erwartet (oder eben auch nicht), sind darauf eingestellt und erfreuen sich auch mal an den einfachen Dingen.

„In unserem Verein ist Jung und Alt vertreten und jeder findet seine Aufgabe. Egal, ob es das handwerkliche Geschick, die Muskelkraft, der Schreibkram, die Verpflegung oder oder oder ist – alles ist gefragt, erwünscht und unbedingt notwendig. An den Tagen der Vorbereitung (Aufbau), an der Kerb selbst und am Abbau-Tag wird jede Hand zum Anpacken gebraucht. Das ist nicht immer ganz einfach. Bisher ging es immer gut, und ich bin froh über die gute Unterstützung im Verein“, erzählt Hense über die Hintergründe der Arbeit des Thäler Kerbe Vereins.

Jung und Alt strömen an diesem Abend wieder in die „Staagass“ und lassen es sich nicht nehmen, gemeinsam zu feiern. Anita Hense begrüßte die vielen Gäste.

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