Ein lebendiges Vermächtnis für die nachfolgenden Generationen

Wie in dieser Momentaufnahme die 1. Kronberger Laienspielschar mit Mundart, erfüllten Vereine mit ihren Darbietungen des Burghügel mit viel Leben Foto: S. Puck

Kronberg (pu) – Unter der Schirmherrschaft des Bundestagsabgeordneten Norbert Altenkamp standen am Samstag auf dem Burghügel das 30-jährige Bestehen des Burgvereins Kronberg und 25 Jahre Stiftung Burg Kronberg im Mittelpunkt des Stiftungsfestes.

Dem früheren Bürgermeister der Nachbarstadt Bad Soden zufolge zählen Burgen zu den besonderen Schätzen im Wahlkreis, denn der Staat könne niemals leisten, was ehrenamtliche Menschen vor Ort „an Herzblut, Initiative und vielen Stunden in diese identifikationsstiftenden Werte“ investieren. Im Fall des Kronberger Burgvereins schultern diese Aufgaben aktuell 80 Hochaktive von rund 600 Mitgliedern.

Dieses mit Leben erfüllte Vermächtnis gelte es zu bewahren als besonderes Zeichen ehrenamtlichen Engagements, Motivation für die Zukunft und Vorbild an die nächsten Generationen weiterzugeben mit der Botschaft: „Toll, was die Altvorderen auf die Beine gestellt haben, das muss aufgegriffen und weitergeführt werden!“

Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) griff diesen Gedanken auf und lenkte darüber hinaus als Architekt den Blick auf die Besonderheiten des alten Gemäuers. Auf die Fülle der Maßnahmen, die seit dem Erwerb des ältesten Gebäudeensembles durch die Stadt 1992 „mit viel ehrenamtlicher Arbeit und der Unterstützung durch Firmen, die zum Selbstkostenpreis hier arbeiten, was keine Selbstverständlichkeit ist, umgesetzt wurden“ und die Herausforderungen und Folgekosten, die es Jahr für Jahr zu stemmen gelte in puncto Sanierung, Pflege und Erhalt.

Versprechen gehalten

Stiftungsrats-Vorsitzender Matthias Cropp erinnerte an die drei entscheidenden Punkte, die man sich seinerzeit als Stiftungszweck auf die Fahnen geschrieben hatte: zum einen die aktive Denkmalpflege, zum anderen das Schaffen eines Ortes, an dem sich jeder wohlfühlt und last not least vorbildliche ehrenamtliche Arbeit. „Wir haben unser Versprechen gehalten!“, rief er voller Stolz aus. Cropp konnte sich noch bestens an den Start seines persönlichen Engagements erinnern: „Damals kam Stiftungsmitbegründer Dr. Wolfgang Busch mit zwei Stühlen in meine Antiquitäten-Werkstatt und fragte mich direkt, ob ich nicht auf der Burg mitarbeiten wolle.“ Die Zusage ließ nicht lange auf sich warten.

Dass auf dem Burghügel hin und wieder ein kalter Wind pfeift, liegt in der Natur der Sache, allerdings war es schon orkanartiger Gegenwind, der den wackeren Burgvereinsgründern und allen Mitstreitern 1989 entgegenblies, als man sich auf den Weg machte, den drohenden Verkauf des Kronberger Wahrzeichens zu verhindern und die letztendlich erfolgreiche Mission ins Rollen brachte. „Wollt Ihr etwa tote Steine retten oder ein Groschengrab“, hätten sich die Vorreiter anhören müssen. „Hier herrscht weder Grabesstille noch kann von toten Steinen die Rede sein und wer das nicht glaubt, kann mal zu Inge Freise und ihrer Reihe „Was Steine erzählen“ zum Nachhilfeunterricht gehen“, ließ Cropp launig einfließen. Unter der Prämisse „Jeder Nutzer gestaltet die Umgebung nach seinen Bedürfnissen“ habe die Burg in ihren über 800 Jahren eine wechselvolle Entwicklung hinter sich, ob als Schule, Lazarett oder nun als Ort für fröhliche Feste, zum Lernen und zur Erholung.

Funken der Begeisterung

Angesichts der immensen Nachwuchssorgen des Burgvereins sei allerdings die umtreibende Kernfrage, wie man mit diesen Werten jüngere Leute erreicht, ihre Neugier weckt, den Funken der Begeisterung der langjährigen Aktiven überspringen lassen kann. In diesem Zusammenhang nannte Cropp als Vorzeigebeispiele Design-Legende Dieter Rams des Elektrogeräte-Herstellers Braun und Apple-Mitbegründer Steve Jobs, die beide mit ihrem Gespür für innovative Ideen richtungsweisende Weichen für die Zukunft stellten. Vor diesem Hintergrund schloss der Stiftungsrats-Vorsitzende seine Rede auch mit einem motivierenden Zitat von Steve Jobs: „Der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, ist zu lieben, was man tut!“

Weil Donatus Landgraf von Hessen (Betriebswirt Hessische Hausstiftung, die früher Verwalterin der Burg Kronberg war) terminlich verhindert war, verlas der Sprecher des Arbeitskreises Bau- und Denkmalpflege, Herbert Bäcker, dessen Grußwort. Darin brachte er die Dankbarkeit der Familie ob des Geleisteten zum Ausdruck, das sich unter anderem im Ehrenamtspreis für die Denkmalpflege widerspiegele, den der Burgverein vor fünf Jahren als Anerkennung für den vorbildlichen Einsatz erhielt. Darüber hinaus kündigte der Landgraf die Sanierung der Burgkapelle samt Umfassung an, „die in Kürze beginnen wird.“

Sowohl Landrat Ulrich Krebs als auch Burgvereins-Vorstandssprecherin Martha Ried blickten in ihren Ansprachen auf den Werdegang und auf besondere Ereignisse der letzten Jahrzehnte zurück und dankten allen Aktiven, die ihren Anteil daran hatten, ob Vorreiter, Mitglieder, die Stadt, die involvierten Ämter von Kreis und Land, andere Vereine, Bürger und Sponsoren. Blumen gab es für die drei federführenden Organisatorinnen des Stiftungsfestes Dr. Gabriele Rasbach, Katrin Richter und Tatjana Saft. Tatkräftige Unterstützung bei der Ausrichtung kam von zahlreichen anderen Kronberger Vereinen, sei es als kultureller Beitrag oder als Standdienst.

Rahmenprogramm

Den musikalischen Auftakt gestaltete ein jugendliches Damen-Trio des Emanuel Feuermann-Konservatoriums, es folgten im Laufe der weiteren Stunden Mundart der Kronberger Laienspielschar sowie mitreißende Klänge und Grußbotschaften des Musikvereins Kronberg, von Vox Musicae der Sängervereinigung 1861, der Hama Bläser und Cantiamo und des Fanfarenzugs Kronberg. Für die Unterhaltung der Jüngsten sorgte die Rittergarde mit einem Ritterturnier, Schwerter bemalen und Basteln. Damit Kämpen, Künstler und Besucher bei Kräften blieben, trugen der Freundeskreis Porto Recanati und Vox Musicae dafür Sorge, dass Wildbratwurst, Quiche, Streuselkuchen und Getränke rasch an Frau, Mann oder Kind gebracht waren. Der Erlös aus dem Verkauf und an diesem Tag zusammengekommenen Spenden sind für die Renovierung des Prinzenturms bestimmt. Die anlässlich des Stiftungsfestes eröffnete und vom Burgverein selbst kuratierte Ausstellung „Burg Kronberg bittet zu Tisch“ im Liselott- und Klaus Rheinberger-Saal der Mittelburg fand schon am ersten Tag großes Interesse. Wissen Sie, woher die Redewendung „Die Tafel aufheben“ stammt? Die Antwort auf diese Frage findet sich in der bis zum 18. August laufenden Ausstellung, die sich mit der Ernährungsgeschichte seit dem Mittelalter bis heute befasst. Einen Schwerpunkt bilden die speziellen Kulinaria Kronbergs wie Erdbeeren, Edelkastanien und Kronthaler Wasser. Aber auch der „Obstpfarrer Christ“, der einst örtliche Weinbau und „böse Lebensmittel“ fehlen nicht. Geöffnet ist die Ausstellung mittwochs bis samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

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