Lesezauber in Kronberg: Jochen Till begeistert Kinder beim Vorlesetag

Zahlreiche Drittklässler füllten die Stadtbücherei am Vorlesetag, um Jochen Till gebannt zu lauschen.Foto: El Manshi

Kronberg (nel) – Am bundesweiten Vorlesetag am Freitag, 21. November, verwandelte sich die Stadtbücherei Kronberg in ein vibrierendes Lesezimmer – zwei prall gefüllte Lesungen, viele kichernde Kinder und ein Autor, der Geschichten lebendig macht.

Der Kinderbuchautor Jochen Till, 1966 geboren, steht seit dem Jahr 2000 offiziell als Schriftsteller auf der Bühne der Kinder- und Jugendliteratur und traf exakt den Ton, der bei Kindern die Lust aufs Lesen weckt. Gleich zweimal las Till in der Hainstraße – zuerst für die dritten Klassen der Grundschule Schöne Aussicht, aus der Reihe „Luzifer junior“, in der der Sohn des Teufels zwischen Hölle und Internat seine ganz eigenen Moralfragen klärt; 95 Kinder füllten die bereitgestellten Stuhlreihen bis auf den letzten Platz.

Die zweite Runde gehörte den dritten Klassen der Kronthal-Schule: 85 Kinder folgten hier dem Auftaktband seiner „Alien“-Reihe über einen Jungen mit Gedächtnisverlust, der plötzlich auf einer Schule für Außerirdische landet – und lachten an den richtigen Stellen. Till las mit Tempo, Timing und trockenem Witz; das Kichern ging wellenartig durch den Raum. Unterstützt wurde die Buchvorstellung durch projizierte Figurenbilder auf der Leinwand, die den Kindern halfen, sich Luzie, Monster Fluffy und andere alienartige Charaktere des Buchs plastisch vorzustellen.

Zum Abschied bekam jede Klasse ein Cornibus-Poster – ein kleines Stück Höllenspaß für die Klassenzimmerwände, das garantiert noch Gespräche auslösen dürfte. Jochen Till stellte dann noch eine einfache Frage mit großer Wirkung: „Wer hat Lust bekommen, das Buch zu lesen?“ Fast alle Hände gingen nach oben – ein leiser, aber nachhaltiger Beweis, wie Vorlesen zündet.

Es gab Applaus in drei Richtungen: für die Stadtbücherei als Gastgeberin, für die konzentrierten und begeisterten Kinder – und einen kleinen Extra-Beifall für den Autor.

Für Büchereileiterin Daniela Barbu ist der Vorlesetag mehr als nur ein spaßiger Programmpunkt: Der lebendige Draht zwischen Schulen und Bücherei sei ihr Herzensanliegen – Kinder sollten wissen, dass es diese offene, aktuelle, schöne Bücherwelt mitten in Kronberg gibt. „Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als ein Buch zu lesen“, sagt sie und meint damit auch: Zugang schaffen, Augen zum Leuchten bringen.

Barbu dankte den Lehrkräften, die den Weg mitgehen – wortwörtlich, denn Kinder und Lehrer der Grundschule Schöne Aussicht nahmen den Weg von Oberhöchstadt zu Fuß nach Kronberg in Kauf, um Jochen Till zuhören zu können. So erreichen Geschichten auch jene Kinder, die zu Hause selten lesen oder vorgelesen bekommen – und genau dafür gibt es diesen Tag. Autogrammkarten gab es obendrauf; die letzte Lesung des Jahres wurde gebührend ausgenutzt.

Der Vorlesetag findet jedes Jahr am dritten Freitag im November statt – 2025 mit dem Motto „Vorlesen spricht Deine Sprache“ –, getragen von DIE ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung: ein öffentliches Zeichen für Lesefreude und Teilhabe, das in Kronberg hör- und sichtbar wurde.



X