Oberhöchstadt (kb) – Früher Sonntagabend in St. Vitus. Es herrscht eine feierliche Stimmung. Die erste Kerze am Adventskranz ist entzündet und auf den Kirchenbänken leuchten Teelichter. Im Altarraum haben sich die Chöre von St. Vitus, Oberhöchstadt, und St. Josef, Frankfurt-Eschersheim, versammelt sowie ein Kammerorchester und vier Gesangssolisten. Sie alle blicken konzentriert zu Roswitha Bruggaier. Die hebt den Taktstock, und dann – Mozart!
Für das diesjährige Adventskonzert hatte die Chorleiterin geistliche Werke des jungen, um nicht zu sagen jugendlichen Wolfgang Amadeus ausgesucht. Die Geschichte des 1756 geborenen Wunderkinds Mozart ist zwar bekannt, dennoch faszinieren seine kompositorischen Fähigkeiten immer wieder aufs Neue, auch in seinen frühen Werken.
Die Missa brevis in G, KV 140, mit der das Konzert begann, entstand vermutlich 1773. Sie entspricht einem zu dieser Zeit populären Typus, der Missa pastoralis. ‚Pastoralis‘ bedeutet, dass die liturgischen Gesänge der Messe an Hirtenlieder angelehnt sind. Den Musikerinnen und Musikern gelang es sehr gut, die tänzerisch anmutenden Passagen im Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei spritzig vorzutragen. Gut aufgelegt zeigten sich auch die Sopranistin Gabriele Hierdeis, die Altistin Esther Frankenberger, sowie der Tenor Sebastian Seibert und Bass Franz-Peter Huber, welche in den Solopartien bestens harmonierten.
Danach folgten zwei Kirchensonaten und das Sub tuum praesidium, KV 198, mit einem Duett von Gabriele Hierdeis und Sebastian Seibert. Hell und strahlend erklangen ihre Stimmen und füllten den Kirchenraum. Die Sopranistin brillierte nochmals im Laudate Dominum aus den Vesperae solennes de Confessore, KV 339, diesmal gemeinsam mit dem Chor. In diesem Loblied auf Gott gelang Mozart das Kunststück, eine leicht dahinfließende Melodie mit der Erhabenheit eines Kirchenlieds zu verbinden. Musik für Herz und Gemüt.
Mit dem 1769 komponierten Te Deum laudamus, KV 141, beschlossen die Oberhöchstädter ihr Konzert. Hier konnten die Sängerinnen und Sänger sowie das Orchester noch einmal ihre volle Musikalität ausspielen. Das Stück beginnt kraftvoll wie ein Marsch, geht über in eine Lobeshymne, streut ein demütiges Gebet ein, bis in der Schlussfuge die Hoffnung auf ewige Erlösung zum Ausdruck gebracht wird. Chor und Orchester agierten gleichermaßen präzise wie einfühlsam und präsentierten sich als ausgewogene Klangeinheit. Mit lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum Roswitha Bruggaier und ihren Ensembles für das begeisternde Programm.
