Mut, Virtuosität und Improvisationstalent – Montero erhält „Pablo Casals Award – For a Better World“

Nachdem Raimund Trenkler (r.) die Stele überreicht hatte, gab Marcus Stollenwerk Gabriela Montero die Preisurkunde des Pablo Casals Award. Links Friedemann Eichhorn, im Hintergrund Laudatorin Maria Furtwängler.

Kronberg (pf) – „Courage!“ – Mut ist in diesem Jahr Motto des Kronberg Festivals. Eröffnet wurde es daher am ersten Festival-Abend mit der Verleihung des „Pablo Casals Award – For a Better World“ an eine mutige Frau, die venezolanische Pianistin und Komponistin Gabriela Montero. Sie nutzt ihre Prominenz, um unermüdlich auf die Missstände und Verbrechen des Regimes in ihrer Heimat Venezuela aufmerksam zu machen und hat ihre Komposition „Ex Patria“ ihrem Heimatland gewidmet. Mut bewies sie auch, als sie ihr Publikum im Großen Saal des Casals Forums begrüßte, mit einer Improvisation über das Thema „Frieden – wie die Welt sein sollte“, wie sie anmerkte.

„Eine Improvisation braucht Mut, diese Musik kam von Herzen!“, meinte Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, als er danach die Bühne betrat. Mit ihm kam Friedemann Eichhorn, künstlerischer Leiter und Direktor der Studiengänge, und erinnerte an den vor 150 Jahren geborenen weltberühmten Cellisten Pablo Casals. Sein Leben lang habe er Courage gezeigt, sich stets geweigert, Musik von Verantwortung zu trennen. Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar, so die Lebensmaxime dieses Humanisten und leidenschaftlichen Kämpfers für Frieden: „In erster Linie bin ich Mensch, in zweiter ein Künstler, als Mensch ist es meine Pflicht, meinen Mitmenschen Gutes zu tun.“ Aus dieser Haltung leitet sich das Selbstverständnis der Kronberg Academy ab: Künstler tragen Verantwortung für Musik, Mensch und Erde.

Gabriela Montero ist die Fünfte, die mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet wird, der 2022 zur Eröffnung des Casals Forums von der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch gestiftet wurde. Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und ihr Mann, der Pianist Martin Helmchen, erhielten ihn als erste für ihr Projekt „Music Road Rwanda“. 2023 wurde er posthum dem im Jahr zuvor mit erst 52 Jahren verstorbenen Pianisten Lars Vogt verliehen für seine Initiative „Rhapsody in School“. 2024 erhielt ihn die in Atlanta geborene Bratschistin mit deutschen und Cherokee-Wurzeln, Jennifer Stumm, für ihr Künstlerkollektiv „Ilumina“, eine in São Paulo ansässige Initiative für soziale Gerechtigkeit und 2025 die japanische Geigerin Midori für ihre sozialen und pädagogischen Projekte „Midori & Friends“ und „Music Sharing“.

Eine besondere Ehrung

Die Laudatio für Gabriela Montero hielt die Schauspielerin und Ärztin Dr. Maria Furtwängler, die sich als glühende Verehrerin der Pianistin outete. Nachdem sie das erste Mal ihre Musik gehört habe, wollte sie unbedingt ihre Bekanntschaft machen, erzählte sie. Sie sei ihr geradezu hinterhergelaufen, habe sie quasi gestalkt, denn ihre Musik habe sie berührt und unmittelbar zu ihr gesprochen. Als sie sich dann begegneten und kennenlernten, entdeckten sie viele Gemeinsamkeiten und wurden enge Freundinnen.

In ihrer in Englisch gehaltenen Rede erinnerte sie an Dmitri Shostakovich, der sich durch seine Musik Stalin zum Feind machte, von ihm bedroht und verfolgt wurde, an Paul Hindemith, der fliehen musste, weil Hitler seine Musik als entartete Kunst ablehnte und an Pablo Casals, der aus Protest gegen das Franco-Regime ins Exil ging. Es sei eine Tragödie, die geliebte Heimat verlassen zu müssen, erfordere Mut, das Unrecht und die politische Gewalt der Herrschenden dort bekannt zu machen und anzuklagen.

„Gabriela Montero“, so Maria Furtwängler, „erinnert uns daran, dass es die Pflicht der Künstlerinnen und Künstler ist, Alarm zu schlagen, wenn der moralische Kompass aus dem Gleichgewicht gerät – und nicht zu schweigen. Es sind Künstlerinnen wie sie, die den ethischen Puls unserer Zivilisation lebendig halten und uns zeigen, dass Harmonie nicht bloß eine wohlgefällige Anordnung von Noten auf dem Papier ist, sondern das aktive, unermüdliche Streben nach menschlicher Freiheit.“ Marcus Stollwerk, geschäftsführender Direktor bei Flossbach von Storch, zeigte sich besonders beeindruckt von ihrer Bemerkung, man sei als viel gefragte Künstlerin auf Reisen oft einsam, besonders einsam aber sei man als aus der Heimat vertriebene Künstlerin mit politischer Haltung. „Der Pablo Casals Award ehrt Künstlerinnen und Künstler, die ihr Talent nicht nur für sich selbst einsetzen, sondern für gesellschaftliche Gerechtigkeit – eine Haltung, die wir teilen und die wir fördern“, betonte er.

Als er Gabriela Montero Preis und Urkunde überreichte, erhob sich das Publikum von den Plätzen und applaudierte stehend der Künstlerin für ihren Mut und ihr unermüdliches Engagement für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit in ihrer Heimat Venezuela. Ihre Auszeichnung hat sie der venezolanischen Menschenrechtsanwältin und Aktivistin Tamara Sujú Roa gewidmet sowie all jenen, „die jeden Tag für die Wiederherstellung unserer Demokratie kämpfen“, wie sie bereits im Vorfeld der Preisverleihung erklärte.

Ausdruck von Mut und Haltung

Von ihrer Virtuosität als Pianistin konnte sich nach der Preisverleihung das Publikum im ersten Konzert des Festivals überzeugen, in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll, das sie als Solistin gemeinsam mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von François Leleux beeindruckend gestaltete. Und dann zeigte sie noch einmal Mut, als sie nach dem nicht enden wollenden Applaus das Publikum aufforderte, ihr ein Lied zuzurufen für eine weitere Improvisation als Zugabe. Ihre ebenso meisterliche wie einfühlsame und berührende Version des weltbekannten Songs „Don’t Cry for Me Argentina“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Evita“ zeigte sie dann noch einmal als Künstlerin mit einem Talent, das nur ganz wenige klassische Pianisten besitzen.

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