Naturschutztipp

„Wussten Sie, dass unser Ilex ein Baum ist?“, fragen die Aktiven der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverband Rheingau-Taunus-Wiesbaden. Für diejenigen, die diese Frage nicht beantworten können, erklären sie es gerne: Meistens wächst der Ilex, auch Stechpalme genannt, strauchförmig und niedrig in Gärten und Parks, aber in Nordwest-Deutschland ist er auch im Wald als Unterwuchs unter höheren Waldbäumen verbreitet. Bei genügend freiem Wuchsraum kann er bis zehn Meter hoch wachsen mit einer pyramidenartigen Krone. Der abgebildete Ilex erreicht immerhin 8 Meter Höhe und steht neben einer Birke am Wegrand eines Mischwaldes bei Hanau-Wolfgang. In Norddeutschland wird der Ilex auch Hülse genannt, das Wort kommt dort auch in vielen Ortsnamen vor.

In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet vom Mittelmeer bis England und Irland. Dort bildet der Ilex oft Hecken und hat den Namen „Holly“.

Während im Siedlungsbereich mannigfaltige Zuchtformen verbreitet sind, ist der Ilex in Wald und Feld wegen seiner Besonderheit als immergrüner Laubbaum naturgesetzlich geschützt und darf nicht beschädigt oder gar entfernt werden.

Blätter, Blüten und Früchte

Besonders im Winter bildet der Ilex einen prächtigen Anblick mit den dunkelgrün in der Sonne glitzernden Blättern und den auffallenden roten Früchten, die oft dicht gedrängt an den Zweigen sitzen. Die Blätter sind ledrig steif und oberseits mit einer glatten Wachsschicht geschützt. Eine Besonderheit ist es, dass im unteren Bereich der Stechpalmenäste die Blätter mit großen Stacheln am Rand ausgestattet sind, während am gleichen Zweig, besonders aber im oberen Bereich der Krone, glattrandige, ungezähnte Blätter gebildet werden.

Die weißen Blüten erscheinen von Mai bis Juni, sind 8 Millimeter klein und duften sehr angenehm. Sie sind für Honigbienen eine gute Nektarquelle, ebenso für einige Wildbienenarten, die auch den Blütenstaub sammeln.

Nur die weiblichen Pflanzen bilden die schönen roten Früchte aus. Sie werden erbsengroß und durch die ersten Fröste weich. Dann sind sie für Vögel wie Amseln, Drosseln, auch Rotkehlchen und Bluthänflinge eine begehrte Nahrung.

Für Menschen sind die Früchte giftig, schon zehn Stück können für Kinder tödlich sein. Auch die Blätter sind giftig.

Nutzung und Gebräuche

Wenn stärkere Dimensionen erreicht werden, kann das Holz als „Weißholz“ für Intarsienarbeiten genutzt werden, z. B. für Schachbretter. Es ist so dicht gewachsen und schwer, dass es im Wasser versinkt. Der stärkste Stechpalmen-Baum Deutschlands steht in Braunfels mit fast 1 Meter Durchmesser und einem geschätzten Alter von 270 Jahren – eine sehr seltene Erscheinung. In der Mythologie hatten Stechpalmenzweige schon bei den Kelten als Symbol von Lebensenergie Bedeutung. Bei den Römern galt die Stechpalme als ein die Zukunft deutender Baum. Bis heute ist sie auch auf Friedhöfen beliebt, weil sie als Symbol für Unvergänglichkeit gilt. In den USA gibt es große Holly-Plantagen für den weihnachtlichen Markt. In GB werden Stechpalmenzweige im weihnachtlichen Brauchtum als Schmuck für das Haus und auch für das festliche Essen verwendet – man sollte sich aber an den Plum-Pudding halten und die roten Ilex-Früchte nicht verzehren.



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