Ein Reisebericht aus Afrika

Kronberg (kb) – Der Koloss war nur ein paar Armlängen entfernt. Seine Stoßzähne waren rekordverdächtig, seine Ohren zum Glück angelegt. Er war friedlich gestimmt, weil ihn wohlschmeckende Blätter milde stimmten. Diese Begegnung mit dem XXL-Elefantenbullen im Busch wird die Gruppe bestimmt nicht vergessen – nach der zweiwöchigen Visite in Tansania, die vom Kronberger Architekten Max-Werner Kahl trefflich organisiert wurde. Die Tuchfühlung mit dem Dickhäuter war einer der touristischen Höhepunkte des Tripps nach Ostafrika, der in erster Linie dem Zweck diente, das hiesige Hilfsprojekt für die Region am höchsten Berg Afrikas zu erkunden.

Eine Orgel auf Reisen

Eigentlich spielte die Orgel eine Hauptrolle bei der Flugreise zu dem noch schneebedeckten Gipfel, der es auf eine Höhe von knapp 6000 Meter bringt. Das knappe Dutzend aus dem Rhein-Main-Gebiet landete im Hochland Tansanias, um die Weihe des Instruments in der Magnificatkirche von Sanya Juu zu erleben, um sich aber auch ein Bild von dem zu machen, was in 30 Jahren mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Taunus und von anderswo in diesem Gebiet entstanden ist. Zu den Wohltätern gehören Christof Lehnert und Lukas Degler, Orgelbauer aus Stuttgart-Leonberg. Die Beiden aus dem „Ländle“ haben das Instrument, das im Keller ihrer Firma auf dem Abstellgleis stand, erworben und es dem Hilfswerk für Tansania geschenkt. Wochenlang schipperte die Orgel um Afrika herum bis zum kenianischen Hafen Mombasa, wo sie von einer Spedition abgeholt und ins gelobte Land verfrachtet wurde. Die Orgelbauer atmeten auf, denn das Instrument war „unversehrt“ angekommen.

Nun war die Zeit reif, um den „Winzling,“ nur drei Meter hoch und zwei Meter breit, auf das große Ereignis einzustimmen. Drei Tage lang tüftelten die Orgelbauer an den 272 Pfeifen und der gesamten Technik, wobei ihnen die jungen Leute aus der örtlichen Schule, drei Klassen mit 100 Kiebizen, wissbegierig über die Schulter blickten. Ihre Musiklehrerin kann Orgel spielen und wird ihr Wissen im Unterricht weitergeben. Nach der Einstimmung kam der denkwürdige Augenblick, als Orgelklang erstmals im Gottesdienst ertönte. Die Gäste aus Deutschland waren davon genauso ergriffen, wie die 500 Einheimischen, die den kreisrunden Kirchenraum füllten. Die Akustik erfüllt in der Magnificatkirche höchste Ansprüche. Sie ist mit deren Kathedrale vergleichbar, schwärmen die Leonberger. Der katholische Bischof der Diözese Moshi hat das Ereignis freilich verpasst, denn der Vatikan beorderte ihn zur gleichen Zeit nach Rom. Max-Werner Kahl sieht in der Orgel „das Streben nach spiritueller Tiefe.“ In seiner auf Englisch gehaltenen „Dankesrede“ sagte er, die Musik sei „ein Zeichen der Hoffnung und des Glaubens“.

Zur Feier des Tages hatten die Ordensschwestern vom Heiligen Geist, deren Mutterhaus am Taunushang in Königstein-Mammoshain liegt, die weiße Festtracht angelegt. Sie sind die Pioniere des Entwicklungsprojektes, das hauptsächlich mit Spendengeldern finanziert wird. Ulricke Bewersdorf, die immer in Kronberg gewohnt hat, verfolgte aus der Ferne, wie aus kleinen Anfängen etwas Großes wurde. Jetzt hat sie es aus nächster Nähe gesehen. „Einfach riesig“, ist sie davon tief beeindruckt. Sie brauche einige Zeit, um die „vielen Eindrücke zu verarbeiten.“ Im Gedächtnis bleiben ihr auf jeden Fall „die Fröhlichkeit und Freundlichkeit der Afrikaner“.

Medizinisches Gerät für Sanya Juu

Die Frauen vom Holy Spirit erwiesen sich von Anfang an als vorzügliche Gastgeberinnen. Sie holten die Besucher mit Bussen am Airport Kilimandscharo ab, zu einem Zeitpunkt, als Max-Werner Kahl mit Erfolg darüber verhandelte, vier Koffer mit Prothesen und Medikamenten zum Nulltarif durch den Zoll zu bringen. Das Gepäck war für das Krankenhaus in Sanya Juu bestimmt, dessen Operationssaal mit medizinischem Gerät aus dem alten Bad Homburger Krankenhaus eingerichtet wurde. Hier hat sein Bruder Dr. Michael Kahl vor gut fünfzehn Jahren die erste Operation überhaupt durchgeführt. Der Chirurg wäre liebend gerne dabei gewesen, musste aber aus Kranheitsgründen auf die Reise verzichten.

Fragt man nach prägenden Eindrücken von der Reise, dann nennt Christof Lehnert die „phänomenale Gastfreundschaf“. Die zeigte sich bereits am ersten Abend, als die Besucher im Amanihaus, dem Gästehaus mit „Kili“-Blick, mit Gesang und Tanz herzlich empfangen wurden. Im Gemeinschaftsraum ihres Quartiers, vor der Wandmalerei mit der Kronberger Burg als ein Motiv, lernten sie schon mal die lokale Küche kennen. Dazu gehören gekochte Bananen.

Abwechslungsreiches Programm

Die deutsche Delegation war an Land und Leuten stark interessiert, weshalb das von Reiseleiter Kahl zusammengestellte Programm beifällig aufgenommen wurde. Der Architekt führte am Tag nach der Ankunft zu dem 1922 gebauten Farmhaus, der Urzelle des landwirtschaftlichen Betriebes in Sanya Juu, den nunmehr die Schwestern leiten. Die Maisernte war in vollem Gange, als die Gruppe das 50 Hektar große Anbaugebiet in Augenschein nahm. Auf einer Höhe von 1700 Metern, so heißt es, könnten Kokospalmen nicht gedeihen. Doch eine Pflanze, die Kahl vor etlichen Jahren aus der Küstenregion Mtwara importiert hatte, misst unterdessen über vier Meter.

Die Gäste aus Europa wissen nun, was die Entwicklungshilfe in Orten wie Sanya Juu, Lekrumuni, Himo und Moshi auf die Beine gestellt hat. Sie waren bei den Massai und ließen sich aus erster Hand über Vergangenheit und Gegenwart des Nomadenvolkes informieren. Sie fuhren in den Ngongoro-Krater, eine vulkanische Hinterlassenschaft mit einer vielfältigen Fauna. Es dauerte dann auch nicht lange, da kreuzten Zebras und Gnus den Weg der Touristen, von denen sie keine Notiz nahmen.

Wer hierher wiederkommt wird dann möglicherweise das nächste Projekt besichtigen. Die Planung für ein Solarkraftwerk ist jedenfalls fertig, aber für den Bau fehlen noch 4000 Euro. Spenden sind an dieser Stelle willkommen.

Max-Werner Kahl bei der Maisernte in Sanya Juu Fotos: privat

Immer wieder betonen die Reisenden die Gastfreundschaft der Afrikaner.

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