Ein Seil mit variablen Enden und ein fliegender Tisch – Nicolai Friedrich zauberte

Damit bestand er in Hogwarts sein Zauberexamen: Nicolai Friedrich konnte diesen Tisch nicht nur schweben, sondern später sogar vollständig verschwinden lassen.Foto: Schumacher

Kronberg (pf) – Warum soll ein Seil nur zwei Enden haben? Es könnte ja auch drei oder sogar vier haben, meinte Nicolai Friedrich – und unter seinen magischen Händen hatte es tatsächlich erst überraschende drei, dann vier Enden an zwei gleich langen Seilen. Als er die vier Enden in die Tasche steckte, zog er eine rundherum geschlossene Seilschlaufe heraus, der er auf wundersame Weise zwei neue Enden gab, sodass er wieder das Anfangsseil in Händen hielt. Das hatte er vorher einer Zuschauerin in der ersten Reihe zugeworfen, die es geprüft und für ein ganz normales Seil befunden hatte.

Am Dienstagabend vergangener Woche war der vielfach ausgezeichnete Nicolai Friedrich, 2009 in Peking Weltmeister in der Königsdisziplin Mentalmagie und ein Jahr später Künstler des Jahres in der Sparte Illusion, zu Gast im vollbesetzten Festsaal des Altkönig-Stiftes und verblüffte sein Publikum nicht nur mit dem erstaunlich wandelbaren Seil. Er wusste nach wenigen Fragen den Geburtstag eines Besuchers mitten im Saal, konnte aus vielen Briefumschlägen genau den herausfinden, im dem der Führerschein eines anderen Gastes versteckt war und erriet exakt die Zahl zwischen dreißig und hundert, die sich eine Besucherin ausgedacht und auf einen Zettel geschrieben hatte. Noch während sie an ihre Zahl dachte, malte er in ein mit raschen Strichen skizziertes Kästchen lauter Zahlen, die in der Horizontalen, der Vertikalen und der Diagonalen, aber auch in jedem Viererkästchen genau diese gedachte Zahl ergaben. Als er wenig später einen Tisch schweben ließ, zweifelte niemand im Saal mehr daran, dass er ebenso wie Harry Potter im berühmten Internat Hogwarts sein Zauberer Examen bestanden hat.

Denn weder unter noch über dem Tisch gab es irgendwelche unsichtbaren Fäden, bestätigte die Besucherin, die gemeinsam mit dem Magier zwei Ecken des Tischtuches hielt, als sich der Tisch auf wundersame Weise zu den Klängen der Harry-Potter-Filmmusik in die Luft erhob. Dass aber der durchaus stabil wirkende Tisch plötzlich vollständig verschwunden war, nachdem seine Zufalls-Assistentin die Bühne verlassen und er ein großes leuchtend blaues Tuch darüber geworfen hatte, ließ sein Publikum wieder an überirdische Kräfte glauben.

Um das letzte Zauberkunststück, das er nach gut einer Stunde voller magischer Momente und dem begeisterten Schlussapplaus des Publikums als Zugabe vorführte, aber dürften ihn viele Besucher, vor allem alle Weinliebhaber, beneiden. Da ließ Nicolai Friedrich mit Hilfe von Siris Anweisungen aus seinem Handy nicht nur eine Flasche Rotwein und ein Weinglas, über die er jeweils eine Röhre gestülpt hatte, ihre Positionen tauschen. Am Ende zauberte er mit Hilfe dieser Röhren aus der einen sogar acht Flaschen Rotwein. Und aus einer dieser Flaschen goss er Wein in das vorher leere Weinglas. Es war also keine Attrappe.



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