Kronberg (hmz) – Die künftige Unterbringung der Obdachlosen hat das Kronberger Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung erneut beschäftigt. Die Fraktionen von CDU und KfB haben gemeinsam einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, in dem mögliche alternative Standorte geprüft werden sollen. Der Co-Fraktionsvorsitzende der KfB, Dr. Ralf Pampel, begründete den Antrag und verwies in diesem Zusammenhang auf die Bürgerversammlung im März, „die stellenweise sehr emotional verlaufen ist.“ Insbesondere im Hinblick auf die unmittelbare Nähe zu Grundschule und Kindergarten, „wurden Sorgen und Ängste geäußert, viele Fragen blieben offen“, so Pampel.
Dabei dürfe auch die grundsätzliche Frage nicht ausgespart werden, ob es angesichts der vergleichsweise geringen Zahl an wohnungslosen Menschen in Kronberg überhaupt sinnvoll sei, ein Bettenhaus mit etwa 50 Plätzen zu übernehmen, „dessen Nutzung als Obdachlosenunterkunft zudem aufgrund des bestehenden Bebauungsplans in Kombination mit dem Status als Kulturdenkmal erhebliche rechtliche Risiken aufwirft“, so Pampel weiter.
Aus seiner Sicht stelle möglicherweise eine dezentrale Lösung – also die Kombination mehrerer kleinerer Standorte sowie die Nutzung von im Ortsgebiet verteilten städtischen und angemieteten Unterkünften – eine deutlich bessere Lösung dar. Sowohl Kristina Fröhlich (FDP) und Holger Gruppe kritisierten, dass es sich bei der aktuellen Diskussion um einen geeigneten Standort um ein hausgemachtes Problem handele, da die aktuell genutzten Mobile Homes an der Frankfurter Straße zwar nur befristet genehmigt worden seien, allerdings seien die beiden Beschlüsse, dort Baurecht zu schaffen, bisher nicht umgesetzt worden. Michael Dahmen (CDU) hält das Bettenhaus am ehemaligen RPZ „nicht für die beste, sondern die am wenigsten schlechte Lösung.“ Bis zu einer Entscheidung müssten auch Kostenfragen geklärt werden und auch, „ob die Stadt dort wirklich ein Vorkaufsrecht hat.“ Auch ginge es darum, die Bedenken der Anlieger ernst zu nehmen. Omer Slikovic (Jugendrat) mahnte Mitmenschlichkeit mit den Obdachlosen an und sie nicht an den Stadtrand zu drängen.
Anja Weinhold (Grüne) betonte, dass es um eine menschenwürdige Unterbringung gehen müsse und alle sehr sorgsam mit diesem hochsensiblen Thema umgehen müssten. Das bedeute Transparenz und gemeinsame Verantwortung. Gabriele Roßbach (SPD) hielt die dezentrale Unterbringung für „keine gute Idee“, damit werde die Sozialbetreuung deutlich schwieriger.
Die Dringlichkeit des Antrags wurde im Rahmen der Sitzung in Frage gestellt, da Bürgermeister König zuvor schon alle Fraktionen um entsprechende Ideen und Vorschläge gebeten hatte und auch um Hinweise, wo noch Informationsbedarf besteht. Sein Vorschlag war, die im Antrag gestellten Fragen im Rahmen von Ausschusssitzungen zu beantworten, auch weil sich die Stadtverwaltung mit einem Teil der vorgeschlagenen Standorte bereits befasst habe.
Er kritisierte, dass die Diskussion der Standortfrage nicht in aller Öffentlichkeit stattfinden sollte, zumal die Interessen privater Grundstücksbesitzer betroffen seien. Er hielt den geschützteren Rahmen in den Ausschüssen für geeigneter.
Der Dringlichkeitsantrag wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen. Damit ist der Weg offen für die Prüfung von Alternativ-Standorten und die Ermittlung anfallender der Kosten, die auf die Stadt im Zusammenhang mit der Unterbringungen von Obdachlosen zukommen könnten. Für beides soll Transparenz geschaffen werden.