Kronberg (kb) – Es gibt Materialien, die auf den ersten Blick nach Fortschritt aussehen, sich bei näherer Betrachtung aber als gewaltige Hypothek entpuppen. Kunststoff gehört zu ihnen. Er ist praktisch, formbar, billig – und er verschwindet nie wirklich. In den Meeren zerfällt er zu Fragmenten und Fasern, wird Teil von Nahrungsketten, Sedimenten und Körpern.
Unter dem Titel „Verstrickt“ zeigen die Textilkünstlerin Eva Schön (Paradiseknits Atelier Kronberg) und die Berliner Künstlerin Heike Krause (Trashmaidberlin) eine gemeinsame Ausstellung an der Schnittstelle von Textilkunst und Objektkunst. Die Arbeiten untersuchen die Verflechtungen von Material, Macht und Konsum – von historischen Formen der Legitimation von Naturbeherrschung über Kolonialinteressen bis zu den heutigen, oft unsichtbaren Spuren synthetischer Kleidung in den Meeren.
Zu sehen ist Artwear, in die Fundstücke aus Kunststoff und Fragmente aus dem Meer als Akzent, Spur oder Störung in textile Strukturen integriert sind. Die gleichen Materialien, aus denen Krauses Collagen und Objekte komponiert sind – gesammelter Kunststoffmüll, ästhetisch präzise, inhaltlich scharf, teils mit verstörender Schönheit.
Das Atelier, das seit mehreren Jahren Ort für nachhaltig handgefertigte Einzelstücke und Kunstkooperationen ist, wird zukünftig bewusst als Projektraum für thematische Artwear-Ausstellungen genutzt.
Die Präsentation ist reduziert, begrenzt auf kleine, abgeschlossene Serien. Im Zentrum steht nicht die Menge, sondern eine klare Linie: Tragbarkeit als künstlerische Form, Mode als Träger von Geschichten – und als Teil eines Systems, in das wir selbst verstrickt sind.
Die Vernissage zur Ausstellung findet am Donnerstag, 16. April, um 19 Uhr im Paradiseknits-Atelier, Mauerstraße 1, statt. Eine Anmeldung wird empfohlen. Bis Samstag, 23. Mai, kann die Ausstellung freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden. Der Eintritt ist frei.