Wer war Johann Schweikard? Nur Hexenverfolger, oder was machte ihn aus?

Über die gesamte Burg verteilt finden Interessierte 18 verschiedene Informationsfahnen. Diese mussten extra so befestigt werden, dass sie das Mauerwerk nicht beschädigen.

Kronberg (ivy) – Das Schweikard-Jahr nimmt richtig Fahrt auf mit der Eröffnung der Ausstellung „Gottesfurcht und Hexenwahn – Johann Schweikard. Ein Kronberger“ auf der Kronberger Burg am vergangenen Wochenende. Doch handelt es sich um ein umstrittenes Thema. Johann Schweikard, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, ist bekannt für seinen Beitrag an der Hexenverfolgung. Allerdings ist sich der Burgverein dieses Umstandes durchaus bewusst. Mit der Ausstellung soll der Kronberger wieder verstärkt in Erinnerung gerufen werden, da er heutzutage so gut wie vergessen ist. Nicht bezweckt werden soll damit eine Glorifizierung seiner Person, sondern vielmehr möchte das Ausstellungsteam Schweikards Leben und Handeln in seiner Zeit kritisch beleuchten.

Die Ausstellung wurde feierlich im Beisein von rund 75 Gästen eröffnet. Die Schau, erstellt von einigen ehrenamtlich Aktiven des Burgvereins, ist ab sofort bis Sonntag, 1. November, zu den üblichen Öffnungszeiten der Burg zu sehen und im Eintrittspreis inkludiert. Grund der Ausstellung ist Schweikard von Kronbergs 400. Todestag am Donnerstag, 17. September. Der Kronberger war von 1604 bis zu seinem Tod Kurfürst und Erzbischof von Mainz sowie als Reichserzkanzler für Germanien der direkte Stellvertreter des Kaisers. Durch diese Ämter kam dem Kronberger eine große Machtfülle zu, die ihn zu einem der einflussreichsten Personen im damaligen Kaiserreich auf deutschem Boden machten.

18 Fahnen erzählen seine Geschichte

Auf 18 Fahnen, die über das gesamte Burggelände verteilt sind, wird Schweikards Leben und Agieren in Kirche und Reich näher beschrieben und analysiert sowie die Zeitepoche behandelt, die Schweikard in seinem Handeln beeinflusste. Die Fahnen, die sich sowohl im Freien – Prinzengarten, Innenhof der Mittelburg und Freigelände der Oberburg – als auch in der Gesindekammer der Mittelburg und im Fünfeckturm der Oberburg befinden, sind unabhängig von einer Führung zugänglich.

„Ist das auf heute übertragbar?“

Bei der Frage nach der Motivation der Ausstellung erläuterte Annette Schäfer vom Burgverein, dass sie durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema immer mehr realisierten, wie fragwürdig sie diese Abläufe fanden. Im Rechtsrahmen der damaligen Zeit habe Schweikard nach seinen Prinzipien gehandelt. In diesem Zusammenhang traten dann Fragen wie, „Ist das auf heute übertragbar?“ auf. In der Ausstellung gehe es nicht so sehr um Jahreszahlen, sondern darum, die Geschehnisse darzustellen. Was hat die Gesellschaft geformt? Denn es handelte sich um eine durchaus krisenhafte Zeit, in der viele Parallelen zur Gegenwart zu finden sind. Die Wirtschaft war schlecht, der Dreißigjährige Krieg herrschte und eine Pandemie bedrohte das Wohl der Menschen. „Wie reagieren wir heute auf ähnliche Krisen?“, diese Frage stellten sich die Aktiven des Burgvereins im Rahmen ihrer Vorbereitung für die Ausstellung.

Wichtig war den Veranstaltern ebenfalls, auch etwas für Jugendliche anzubieten und sie somit für die Ausstellung zu begeistern. So bahnte sich der Weg zur Altkönigschule (AKS) und dem Fach Darstellendes Spiel (DS). Frida Rathenow, eine der Darstellerinnen von der AKS, erzählt, dass die Schülerinnen und Schüler beabsichtigen, die Kritik an Schweikard bezüglich der Hexenverfolgung darzustellen. „Wir wollen zeigen: Was ist eigentlich die Wahrheit? Wo gucken die Menschen weg, wo sie eigentlich hingucken müssten?“ Als inhaltliche Basis diente ein Brief von einem echten Hexer. Den Großteil machen allerdings die eigenen, fiktiven Ideen der Schüler aus.

Verschiedene Schauplätze des Burggeländes dienen den Oberstufenschülern als Orte für ihre Auftritte. Das Stück handelt von einem Fest Schweikards im 17. Jahrhundert, und im Mittelpunkt der Handlung steht eine Hexe, die verbrannt wird. An zwei Terminen im Juni werden zwei DS-Kurse der Altkönigschule die Stücke „Schweikards Schatten“ sowie „Der Glanz und der Abgrund“ dem Publikum präsentieren. Jeweils am Mittwoch, 24. Juni, ab 16 Uhr und am Donnerstag, 25. Juni, ebenfalls ab 16 Uhr. Der Ticketverkauf für dieses Theatererlebnis läuft über die Schule, gegebenenfalls gibt es Restkarten an der Abendkasse.

App mit englischem Audioguide

Da es zunehmend immer mehr internationales Publikum auf der Burg gebe, hat sich der Burgverein überlegt, dass es einen Audioguidebraucht, der ebenfalls auf Englisch funktioniert. Dieser wurde erfolgreich entwickelt und kann nun ergänzend zur Ausstellung genutzt werden.

Für alle Besucherinnen und Besucher, die zusätzlich mehr über Schweikard und seine Zeit erfahren wollen, stehen ein Begleitheft für Erwachsene zum Preis von fünf Euro und eine spezielle Kinderbroschüre mit zahlreichen Mitmachaktionen für vier Euro im Kassenhaus zur Verfügung.

Weitere Informationen finden die Besucher auf dieser Fahne. Fotos: Wreth

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