Von Wiener Lebensart und einer Reise durch Filmwelten – abwechslungsreiches Neujahrskonzert

Über den begeisterten und dankbaren Beifall des Publikums freuten sich die Mitglieder des Johann-Strauß-Orchesters Frankfurt mit Sopra-nistin Manami Okazaki und Dirigent Witolf Werner.Foto: Winfried Schumacher

Kronberg (pf) – Der Dreivierteltakt ist eine Wiener Lebenseinstellung. Das erklärte Dirigent Witolf Werner am Sonntagabend den Gästen im vollbesetzten Festsaal des Altkönig-Stiftes, die sich dort zum traditionellen Neujahrskonzert des Johann-Strauß-Orchesters Frankfurt versammelt hatten. Er weiß, wovon er spricht, war er doch sechs Jahre lang an der Wiener Staatsoper tätig. Und selbst wenn ein Marsch erklingt, erläuterte er später, ehe das Orchester den Florentiner Marsch des böhmischen Komponisten Julius Fucik anstimmte, gehe es nicht zum Militär, sondern ins Kaffeehaus. Dort gönne man sich einen kleinen Braunen und lasse dann, wie in Wien üblich, geruhsam alles beim Alten.

In diesem Jahr bestimmte der Dreivierteltakt mit der Ouvertüre zur Operette „Ein Walzertraum“ von Oscar Straus und Franz Lehárs „Liebe, Du Himmel auf Erden“ aus seiner Operette „Paganini“, mitreißend vorgetragen von der aus Japan gebürtigen charmanten Sopranistin Manami Okazaki, nur den ersten Teil des Konzerts. Ihn ergänzten die „Prozess-Polka“ und der Walzer „Accelerationen“ von Orchester-Namensgeber Johann Strauß sowie die Arie „Was in der Welt geschieht“ aus der Operette „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán. „Große Gefühle und Herzschmerz, musikalisch veredelt von der wienerischen Japanerin“, merkte der Dirigent humorvoll an, der auch wieder als Moderator durch den Abend führte.

Im zweiten Teil des Neujahrskonzertabends stand Filmmusik auf dem Programm, lautete das Motto in diesem Jahr doch „Hofburg meets Hollywood“. Mit Richard Rodgers „The Sound of Music“, der zum erfolgreichen Musical gewordenen wahren Geschichte der österreichischen Trapp-Familie, ging es zwar noch einmal in die Alpen-Republik, danach aber mit Nino Rotas „fast schüchternen Musik“, wie Witolf Werner meinte, zum Film „Der Pate“ und dem Song „Speak softly love“ weiter nach Italien.

Maurice Jarres Musik „Laras Thema“ aus dem Film „Dr. Schiwago“ entführte das Publikum ins ferne Russland und Komponist James Horner nahm es mit seinem Song „My heart will go on“ aus dem Film „Titanic“ mit in den Nordatlantik. Dort sank der Luxusdampfer auf seiner Jungfernfahrt rund 550 Kilometer südöstlich von Neufundland nach der Kollision mit einem Eisberg. Der mit elf Oscars ausgezeichnete Film machte Kate Winslet und Leonardo DiCaprio zu Weltstars und sorgte in den Kinos für schluchzende Zuschauer und wahre Tränenfluten.

„Reiten Sie gut in die Zukunft“, wünschte Witolf Werner schließlich schmunzelnd dem Publikum, ehe das Orchester als letzten offiziellen Programmpunkt Jay Livingstons unverwechselbare Musik zur Westernserie „Bonanza“ anstimmte und es nach Nevada auf die Ponderosa Ranch zu Ben Cartwright und seinen drei Söhnen Hoss, Adam und Little Joe brachte. Aber natürlich gab es zum Abschluss des Neujahrskonzerts, vom Publikum mit Bravo-Rufen und langanhaltendem Applaus herbeigeklatscht, die beiden Zugaben, ohne die kein Neujahrskonzert enden darf: Johann Strauß‘ Polka „Unter Donner und Blitz“ und seinen „Radetzky-Marsch“. Begonnen hatte der Abend im Foyer mit der Neujahrsansprache von Vorstandsmitglied Boris Quasigroch und einem Glas Sekt, zu dem alle Besucherinnen und Besucher eingeladen waren.



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