Beim Fastnachtsumzug in Oberhöchststadt funktioniert die „Rettungsgasse“ noch

Oberhöchstadt (mw) – „Strahlender Sonnenschein in Oberhöchstadt, hättet ihr das heute morgen schon gedacht?“, fragte Hans-Georg Kaufmann, der in gewohnt launiger Manier gemeinsam mit Horst Neugebauer den Fastnachtsumzug durch Fichtegickelshausen am Dalles kommentierte, die vorbeiziehenden Fußgruppen des Bommersheimer Carneval Vereins 1987. Vielfaches Kopfschütteln war die Antwort, das von ihm ebenfalls nicht unkommentiert blieb. „Tja, daran sieht man, dass ihr eben keine Oberhöchstädter seid.“ Doch das sollte einer der wenigen Kalauer auf Kosten der Karnevalsvereine aus den Nachbarkommunen sein. Schließlich sind sie alle beim närrischen Lindwurm durch Oberhöchstadt gern gesehen und wurden allgemein mit großer Freude begrüßt. Mit dem einen oder anderen hatte man in der aktuellen Fastnachtssaison schon ein oder zwei Bier zusammen getrunken, oder aber seine Rede oder Tanzdarbietung verfolgt. So war es zum Abschluss der närrischen Saison ein fröhliches Wiedersehen bei blauem Himmel und Sonnenschein, das immer wieder bei jeder Zugnummer mit vielen „Helau“-Rufen untermauert wurde. Jubelrufe und ein „dreifach donnerndes Helau“ gab es natürlich allen voran für die stadteigenen Vereine. Vor allem, wenn sie noch mit kreativen Kostümideen punkten konnten. Den Vogel unter den Kronberger Gruppen hatte dieses Jahr die Freiwillige Feuerwehr Oberhöchstadt mit ihrer „Rettungsgasse“ abgeschossen: „Die Rettungsgasse, die muss sein, für die Nachwuchshelferlein“, war zu lesen. Und schon kamen sie mit ihrem selbst gebauten Gefährt und „pflügten“ sich durch die Menge, damit die Kleinsten schließlich in kleinen Kartonautos steckend, hinterher „rasen“ konnten, dazu ertönte die Feuerwehrsirene und die Stimmung war perfekt!

„Hin und weg“ war Hans-Georg Kaufmann aber von vielen „drolligen jungen Dingern“ ebenso wie von den Waldpilzen, Waldfeen und Elfen, die der Waldkindergarten aus dem Kronberger Zauberwald hinunter an den Dalles geschickt hatte. Herrlich anzusehen und ebenfalls aus einer anderen Welt kam die Fußgruppe des Bommersheimer Carneval Vereins 1987 – sie präsentierten sich als stolze, den Dreizack schwingende Neptuns inmitten des 77 Zugnummern langen Fastnachtsumzugs durch ganz Oberhöchstadt, die dem Maasgrund entstiegen waren, dessen Vermüllung sie unter anderem rügten.

Den erhobenen Zeigefinger schwang auch die starke Fußgruppe der städtischen Kita Schöne Aussicht, die sich mittels von Mülltüten erfolgreich als Wassertropfen verkleidet hatte und an den Wassernotstand im vergangenen Sommer erinnerte: „Wassertropfen fallt herab – das Wasser wird schon wieder knapp!“

Die Kronberger Kappen waren gemäß ihrem Motto „Spuk auf der Burg“ nicht weniger auffällig – Gespenster am helligen Tage – na so etwas. Wer allerdings dachte, die „Staabacher Pitschetreter“ hätten mit ihrer Manege frei-Nummer die einzigen Stars mit nach Oberhöchstadt gebraucht, der irrte gewaltig:

Sogar die Queen war eigens aus ihrem Buckingham Palace angereist, um höflich die Narralesinnen und Narralesen zu grüßen: Die Super-Inszenierung stammte vom „Kunstgriff Oberursel“ und beschäftigte sich mit dem Dauerbrenner „Brexit here und Brexit there – als gäb‘s kaan annern Scheißdreck mehr!“

Doch kaum hatte man sich wieder entspannt und das Sektglas mit den Freunden auf die Queen erhoben, traute man seinen Augen kaum: Da hatten doch die „Lustigen Stierstädter“ den Oberhöchstädtern einen Trojaner direkt vor den Dalles getragen: Keinen Computer-Virus, sondern das überlebensgroße trojanische Pferd rollte die Straße herab, gefolgt von der Stierstädter Fußgruppe „Troja lebt!“, die mit Schilden, Speeren und Helmen stark bewaffnet einmarschierte.

Neben all den ausgefallenen (und weniger ausgefallenen) Motivwagen dürfen die zahlreichen Gardegruppen nicht unerwähnt bleiben, die nicht nur für den Moderator eine „Augenweide“, sondern in ihren glitzernden Kostümen und für die feiernden Menge tanzend immer wieder ein besonders schöner Hingucker als Gruppe bilden: Ihre Gardemädels von klein bis groß hatten die Bommersheimer genauso wie der CV 2959 Stierstadt im Gepäck, außerdem die TCC Pinguine Schwalbach und die Sodener Karnevals Gesellschaft 1948 mit ihren „Tanzsternchen“ und der KV 02 aus Oberhöchstadt ebenso. Letzerer zog stolz mit seinen drei Gardegruppen durch die johlende Menge, die die Straße rechts und links säumte.

Wie so viele bekannte Gesichter wäre auch die Eschborner Stadtgarde mit der Kanone „Alter Fritz“ nicht wegzudenken, auch wenn sich jeder besser die Ohren zuhielt, wenn sie gezündet wurde. Ob Männerballetts, Damenrat, Musketiere, Hexen oder bunte Paradiesvögel, Clowns, Fanfaren oder Pinguine vorbeizogen, die Stimmung in Fichtelgickelshausen war prächtig und es wurde vielerorts noch viele Stunden weiter gefeiert, nachdem der letzte Motivwagen längst wieder zurück in die Scheune gefahren war und die städtischen Kehrmaschinen das meiste Konfetti bereits wieder aufgekehrt hatte. Der eine oder andere musste womöglich an diesem letzten Faschingsabend um Mitternacht zum Kehraus untergehakt werden, um nach vielen Schunkelrunden und noch mehr Sekt, Schnaps, Kreppeln und Wein den Nachhauseweg zu finden. Denn eines war klar: Pünktlich um Mitternacht war Schluss mit der fünften Jahreszeit.

13 Preise

Nach Tradition in Fichtegickelshausen, versammelte sich unmittelbar nach dem Ende des närrischen Lindwurms durch Oberhöchstadt die Jury im Herbert-Alsheimer-Saal im Dallesgebäude, um die besten Motivwagen und Fußgruppen mit Preisen auszuzeichnen. Die Preise stellen keine Rangfolge dar. Bewertungskriterien sind originelle Ideen, die Ausführung und die Wirkung auf die Zuschauer.

Die Jury, bestehend aus den Mitgliedern des Ortsbeirats Oberhöchstadt und dem früheren städtischen Pressesprecher Claus Harbers, vergab folgende Preise:

Preis von Landrat Ulrich Krebs:

Zugnr. 64 Kappen-Klub Niederhöchstadt „Regenbogen kunterbunt, bei den Hexen geht es rund“

Preis von Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche:

Zugnr. 66 Partnerschaftsverein Kronberg - Porto Recanati „Circus Porto Recanati kommt – Manege frei für die Freunde des Partnerschaftsvereins“

Preis von Bürgermeister Klaus E. Temmen:

Zugnr. 27/28 Kappen-Klub Kronberg 1902 e. V. Motivwagen und Fußgruppe „Spuk auf der Burg“

Preis des Ortsbeirats Oberhöchstadt:

Zugnr. 26 Staabacher Pitschetreter „Heute ist die Manege frei – die Stars sind auch dabei“

Preis der Carnevalsgesellschaft 1886 Kronberg:

Zugnr. 52/53 Lustige Stierstädter Motivwagen und Fußgruppe „Troja lebt“

Preis von Claudias Blumenlädchen Oberhöchstadt:

Zugnr. 17 Königsteiner Narrenclub 1971/79 e. V. „Die Plasterschisser“/„Die Lappenclowns“

Preis des Hofguts Hohenwald/Wolfram Meyer:

Zugnr. 6 Städtische Kindertagesstätte Schöne Aussicht Oberhöchstadt „Wassertropfen fallt herab – das Wasser wird schon wieder knapp“

Preis des Kappen-Klubs Kronberg 1902 e. V.:

Zugnr. 33 Bommersheimer Carneval-Verein 1987 e. V. Motivwagen „Wenn beim BCV das Helau erklingt, Neptun vor Freude seinen Dreizack schwingt“

Preis von Ann Kathrin Linsenhoff:

Zugnr. 8 Waldkindergarten – Zauberwald Kronberg „Wir sind die Wurzelkinder aus dem Zauberwald und grüßen ganz herzlich Jung und Alt!“

Preis des SPD-Ortsvereins Kronberg:

Zugnr. 23 Verein Kunstgriff Oberursel Motivwagen „Brexit here and Brexit there – als gäb’s kaan annnern Scheißdreck mehr!“

Preis von Carmen Toschke/Oberhöchstadt:

Zugnr. 32 VIP-Club Bommersheim „Pfeil und Bogen sind gepackt – der VIP-Club Bommersheim feiert Fassenacht!“

Preis der Tourismusförderung in Kronberg/Tik:

Zugnr. 31 Freiwillige Feuerwehr Oberhöchstadt „Rettungsgasse“

Preis des Vereinsrings Oberhöchstadt:

Zugnr. 69/70 KV Club Geselligkeit Weißkirchen e. V. Motivwagen und Fußgruppe (ohne Titel)

Die Freiwillige Feuerwehr Oberhöchstadt begeisterte mit ihrer Idee einer Rettungsgasse und kam mit viel „Tatütata“ daher.
Foto: Westenberger

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