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(S)TÜRMisches

Eine Chance ist vertan – die Chance, den 10.000 Menschen, die in Deutschland auf ein lebensrettendes Organ warten, neue Hoffnung zu schenken. Stattdessen hat die Mehrheit der Abgeordneten für den Gesetzentwurf um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping votiert. Er sieht vor, dass die Bürger zukünftig bei Arzt und Behördenbesuchen für das Thema sensibilisiert werden sollen. Zudem können sie ihre Bereitschaft zur Organspende in einem Online-Register festhalten lassen.

Genaugenommen wird sich also gar nichts ändern an der bisherigen Praxis, und das angesichts von 900 Menschen, die jedes Jahr in unserem Land sterben, weil es kein Spenderorgan für sie gibt. Also eine Entscheidung gegen das Leben und für den Tod, nur weil sich andere nicht entscheiden können. Dass dieses Votum von beiden Kirchen auch noch ausdrücklich begrüßt wurde, erscheint geradezu absurd angesichts der Stellung der Kirchen zu Themen wie Abtreibung und Suizid – da steht das Recht auf Leben und die Sünde, diesem selbst ein Ende zu machen, ja im Zentrum der Argumentation.

Was in der Diskussion auch im Vorfeld der Abstimmung im Bundestag so irritiert, ist die Tatsache, dass von den Gegnern der Widerspruchslösung immer wieder behauptet wird, dass eine solche den Bürgern in irgendeiner Weise die freie Entscheidung über die Entnahme ihrer Organe nehme. Das ist doch kompletter Unsinn, denn jeder Mensch hat natürlich das Recht zu dokumentieren, in welcher Form auch immer, dass er eine Organspende nach seinem Tod nicht wünscht. Nur, er muss sich eben äußern! Und da liegt wohl die Wurzel des Problems, die Unfähigkeit oder auch die Weigerung vieler Menschen, sich mit einem zugegebenermaßen unangenehmen Thema wie dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, das Für und Wider abzuwägen und am Ende zu einem Entschluss zu kommen, wie immer der auch ausfallen möge.

Was ist höher zu werten, das Recht auf Leben oder das Recht auf eine zeitlich unbegrenzte Freiheit der Entscheidungsfindung, das Leben kostet? In jedem Fall ist es eine sehr individuelle Entscheidung, die deshalb nichts im Bundestag zu suchen hat. Vielmehr wäre, wie auch bei dem sehr komplexen Thema Sterbehilfe, eine Volksabstimmung die wesentlich geeignetere Verfahrensweise. Immerhin waren laut Umfragen über 60 Prozent der Bundesbürger für eine Widerspruchslösung.

„Jeder von uns ist gerne potenzieller Empfänger“, sagte Spahn zu Beginn seiner Rede.

Und dass sich dann auch die Frage stelle, ob nicht auch jeder ein potenzieller Spender sein solle, außer, er sage ausdrücklich Nein. „Ja, das ist eine Zumutung, aber eben eine, die Leben rettet.“

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