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(S)TÜRMisches

Bald ist es wieder soweit – in der Nacht vom 30. auf den 31. März werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Moment mal, ist die nicht unlängst abgeschafft worden?? Ach ne, das war leider nur die Online-Umfrage der EU, bei der sich eine Mehrheit von 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine Abschaffung ausgesprochen hat.

Des Pudels Kern ist dabei im Übrigen nicht das ob, sondern welche Zeit – Sommer oder Winter – denn nun gelten soll. Und das müssen die einzelnen Länder für sich entscheiden. Und das da beileibe nicht alle einer Meinung sind, liegt auf der Hand.

51Prozent der Deutschen zum Beispiel präferieren laut einer „Focus“-Umfrage eine dauerhafte Sommerzeit. Interessanterweise spielt das Alter eine Rolle: So wünschen sich 62 Prozent der über 65-Jährigen eine dauerhafte Winterzeit, während von den Jüngeren, zwischen 14 und 29 Jahren, 66 Prozent eine dauerhafte Sommerzeit vorziehen.

Während die einen sich über eine Stunde mehr Tageslicht freuen, fehlt den anderen eine Stunde Schlaf. Letzteres macht sich bei vielen, besonders älteren Menschen tatsächlich unangenehm bemerkbar. Abends geht man zu spät ins Bett und kommt dann morgens nicht in die Gänge. Aber letztlich stellt sich bei jedem der Biorhythmus irgendwann um, stellt also eigentlich kein wirklich unüberwindliches Problem dar, sollte man meinen. Weit gefehlt! Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, fordert die Bundesregierung zum Beispiel auf, die potenzielle Einführung dauerhafter Sommerzeit in Deutschland ganz zu verhindern. Er verweist dabei auf steigende Unfallrisiken, weil Millionen Schüler dann „zwei Monate länger bei absoluter Dunkelheit ihren morgendlichen Schulweg antreten müssten.“ Außerdem, so Meidinger weiter, „Werde die Wahrscheinlichkeit für Schlaf- und Lernprobleme, Depressionen und Diabetes nachweislich massiv erhöht.“ Das ist ja nun wirklich interessant! Um Unfälle und übermüdete Schüler zu vermeiden, könnte man den Unterrichtsbeginn, wie übrigens schon oft von Experten gefordert, einfach eine Stunde später ansetzen. Und dass Schüler, weil sie früher aufstehen, anfälliger für Diabetes seien, leuchtet nicht wirklich ein – es sei denn, sie bekämpften ihre Müdigkeit mit haufenweise Schokoriegeln & Co.

Und das ist erst der Anfang. Bald werden sich die Gewerkschaften, der Bauernverband, die Vereinigung Cockpit, der Verband Deutscher Uhrenindustrie und der Tierschutzverein zu Wort melden und schwerwiegende Argumente für oder gegen die Sommer beziehungsweise Winterzeit vorbringen. Wenn schon innerhalb eines Landes die Meinungen derart auseinandergehen, wie soll das dann innerhalb der EU klappen?

Die Sache ist kompliziert und die EU-Verkehrsminister konstatieren mittlerweile, dass es noch mindestens bis 2021 dauern werde, bis man zu einer Einigung käme. Oder, wie ein Diplomat düster prophezeite, „das Thema werde zwischen den EU-Institutionen einen langsamen Tod sterben.“

Na, dann!

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