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(S)TÜRMisches

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als morgens in der Schule erst einmal über das Fernsehprogramm vom Vortag diskutiert wurde? Als noch so harmlose Filme wie Flipper, Black Beauty (die Titelmelodie kann ich heute noch...), Mein Freund Ben, Rauchende Colts, Bonanza (durfte ich nie gucken...) oder Mit Schirm, Charme und Melone über den Bildschirm flimmerten, auf dem übrigens den halben Tag überhaupt nichts anderes zu sehen war als das Emblem von ARD und ZDF? Wer wie ich kaum fernsehen durfte, außer sonntags „Die kleinen Strolche“, hatte das Nachsehen; zum Glück wohnte meine beste Freundin um die Ecke, wo fernsehen erlaubt war, und so konnte ich einigermaßen mithalten. Dieses Phänomen des gemeinsamen Erlebens dank gemeinsamen Glotzens ist heute angesichts der Fülle an Programmen sowie Netflix & Co überhaupt nicht mehr denkbar, es sei denn man verabredet sich. Und das tut halb Deutschland jeden Sonntagabend um 20.15 Uhr zum Tatort, und das seit 50 Jahren!! Der Austausch nach jeder Folge erfolgt inzwischen interessanterweise – so verbindet sich das „Alte“ mit dem „Neuen“ – über Twitter, und meist wird gemeckert was das Zeug hält... Völlig egal, ob der Tatort gut ist (was heißt schon gut...), Hauptsache man kann sich darüber streiten! Denn dass jeder über den Tatort nölen und pöbeln kann, so schreibt die Süddeutsche über das denkwürdige Jubiläum, sei ein Überlebenstrick, denn meckern tut man nie für sich, man kommuniziert. In vielen Zeitungen finden sich Tatort-Kritiken an festen Plätzen oder die ARD lässt gar über den besten Spruch der jeweiligen Folge abstimmen. Und selbst innerhalb der Familie, die über ganz Deutschland verteilt vor der Glotze hockt, ist er noch am selben Abend oder am nächsten Tag Gesprächsthema. Natürlich gibt es auch Sonntagabende an denen sich, nach einem Blick ins Programm, um zu sehen welcher Tatort denn heute gezeigt wird, dramatische Szenen in den heimischen Wohnzimmern abspielen. Er: „Oh Gott, das Münster-Klamauk-Team Thiel und Boerne, vergiss es.“ Sie: „Nee, die Tschirner und der Ulmen, das tu ich mir auf keinen Fall an, die nerven so was von.“Tja, zwischen den verschiedenen Teams liegen wirklich Welten, und ja, manche sind wirklich unerträglich... Klaus J. Behrendt, seit 1997 der Kölner Kommissar Max Ballauf, trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt: „Der Tatort funktioniert wie die Bundesliga. Jedes Team hat seine Fans.“ Und genau wie bei der Bundesliga wissen die Zuschauer eh immer alles besser, denn Deutschland ist bekanntlich das Land der Millionen selbst ernannten Schiedsrichter und Hauptkommissare. Der Tatort polarisiert und er führt aber auch immer wieder zusammen.

Aber zurück zu den Teams. Es gibt ja auch Außenseiter, deren Folgen den Eindruck erwecken, das Drehbuch wäre ihnen eigens auf den Leib geschrieben. Ulrich Tukur alias Murot ist so ein Fall. Nie könnte sein Plot vom Münchner oder Stuttgarter Team gespielt werden. Ja, es würde nicht wundern, wenn das Allround-Genie das Drehbuch selbst schriebe! Schräger geht’s nimmer – herrlich, einfach ein guter Typ! Völlig anders, aber auch der Einzelgänger-Typ, war der unübertroffene Götz George als Horst Schimanski. Unvergessen, wenn er Eier roh ins Glas drückte und runterkippte. Kurz, der Tatort ist eine Konstante im Leben vieler Menschen, und Gott sei Dank, dass der unsägliche Till Schweiger scheiterte, als er die Titelmelodie ändern wollte. Geht gar nicht!

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