24 Umschläge, 98.150 Euro, tolle Ideen und ein Feuerwehreinsatz

Der Jubel ist groß, weil endlich Projekte der Region umgesetzt werden können, die für die Region so wichtig sind.Foto: sis

Oberursel (sis) – Keiner wusste, was drin war. 24 Umschläge lagen bereit, 24 Vereine und Initiativen warteten gespannt – und erst nach der Übergabe sollte sich zeigen, mit welcher Summe die Taunus Sparkasse ihr jeweiliges Projekt unterstützt. Insgesamt 98.150 Euro hatte sie an diesem Abend mitgebracht. Eine stattliche Summe. Und doch fand Vorstandsvorsitzender Oliver Klink gleich zu Beginn einen kleinen Schönheitsfehler: „Wir haben etwas falsch gemacht.“ Schließlich habe man die 100.000-Euro-Marke knapp verfehlt. Die ersten Lacher im Forum des Landratsamtes hatte er damit schon einmal auf seiner Seite. Überhaupt sollte es keine steife Spendenübergabe werden. Klink begrüßte die Gäste, machte aber schnell klar, wer an diesem Abend die eigentliche Arbeit übernehmen würde: „Ich darf Sie heute alle hier begrüßen, die Arbeit aber wird Landrat Ulrich Krebs haben, der die Umschläge verteilen wird.“ Oder, wie Klink die Rollenverteilung wenig später noch etwas kürzer zusammenfasste: „Wir verdienen das Geld, der Landrat gibt es aus.“

Wenn die Krise im Vereinsheim ankommt

Hinter dem lockeren Ton stand allerdings ein ernstes Thema. Klink berichtete von einem Gespräch mit einem Vereinsvorstand, der ihm geschildert hatte, wie schwierig es inzwischen geworden sei, ausreichend Geld für die Vereinsarbeit zusammenzubekommen. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien längst auch bei den Vereinen angekommen.

Umso mehr beeindrucke ihn, wie viel Zeit, Kraft und Arbeitsleistung Ehrenamtliche weiterhin für ihre Vereine und damit für die Gesellschaft aufbringen. Dass dafür Geld benötigt werde – aus ganz unterschiedlichen Gründen und für völlig unterschiedliche Projekte –, sei normal. Und genau deshalb müsse dieses Engagement unterstützt werden. Die Taunus Sparkasse wolle weiterhin an der Seite der Vereine stehen. Die an diesem Tag eingeladenen Organisationen seien aus Sicht der Sparkasse echte Favoriten, weil sie Gutes für die Region tun. Dabei gehe es nicht allein ums Geld, sondern auch um Wertschätzung. Menschen seien eher bereit, sich einzubringen, wenn ihre Arbeit wahrgenommen werde. „Wir sehen Sie und Sie sind ein gutes Beispiel für jeden“, gab Klink den Gästen mit auf den Weg.

Und weil an diesem Abend offenbar auch ernste Themen mit einer Portion Humor funktionierten, gab es gleich noch die passende Zuständigkeitsregel für die Stiftungsarbeit: Wenn es gut laufe, könne man sich gerne an Christof Harwardt, Mitglied des Stiftungsvorstands, wenden. Wenn es schlecht laufe, an ihn selbst. Wieder Gelächter.

Geld verdienen – und in der Region wieder ausgeben

Landrat Ulrich Krebs nahm den Ball gerne auf. Er möge diesen Termin besonders, sagte er, weil es schlicht ein schöner Termin sei. Gleichzeitig lobte er die Taunus Sparkasse und Klink für deren Engagement. Die Sparkasse mache einen guten Job: Sie erwirtschafte Geld und gebe über ihre Stiftungen einen Teil davon für Projekte in der Region zurück. Gerade regionale Banken wie die Taunus Sparkasse seien wichtig und verdienten Unterstützung. Die Gemeinnützige Stiftung der Taunus Sparkasse sorgt bereits seit 1985 dafür, dass dieses Engagement dauerhaft möglich ist. Ihr Stiftungsvermögen ist inzwischen auf mehr als sieben Millionen Euro angewachsen. Das Kapital selbst bleibt erhalten, aus seinen Erträgen werden Projekte unter anderem in den Bereichen Kunst und Kultur, Heimat- und Denkmalpflege sowie Kinder-, Jugend- und Altenhilfe unterstützt.

Besondere Anerkennung fand auch die Stiftung „KINDER LACHEN“, mit der die Taunus Sparkasse gezielt Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützt. Krebs würdigte das Engagement der Sparkasse und von Klink insbesondere dort, wo Sprache, Integration und gesellschaftliche Teilhabe gefördert werden. Zwei der 24 Zuwendungen stammten an diesem Abend aus „KINDER LACHEN“: Der Caritasverband Taunus erhielt Unterstützung für Ferienangebote, „Orscheler helfen Orschelern“ für seine Sommerferienangebote für Kinder aus bedürftigen Oberurseler Familien.

Vom Brandschutz bis zur Zirkusmanege

Dann kam Bewegung in den Saal. Einer nach dem anderen wurden die Vertreter der 24 Vereine und Initiativen nach vorne gerufen. Krebs überreichte die verschlossenen Umschläge – und jede Organisation bekam kurz Gelegenheit zu erzählen, wofür die Unterstützung benötigt wird.

Spätestens jetzt zeigte sich, wie unterschiedlich Ehrenamt im Hochtaunuskreis aussieht. Da geht es um Feuerwehrausrüstung und neue Spielgeräte, um Photovoltaikanlagen auf Vereinsgebäuden, Sanierungsarbeiten und eine Sonnenmarkise für eine Kindertagesstätte. Eine Schule möchte eine Zirkusprojektwoche ermöglichen, andernorts geht es um Kultur und internationale Begegnungen, Sportanlagen oder den Erhalt historischer Gebäude. Viele Vereine finanzieren einen erheblichen Teil ihrer Arbeit über Spenden – entsprechend groß ist die Bedeutung solcher Zuwendungen.

Und auch geografisch reichte das Engagement quer durch den Hochtaunuskreis: Die Empfänger kamen aus Oberursel und Bad Homburg ebenso wie aus Friedrichsdorf, Neu-Anspach, Usingen, Glashütten, Schmitten und Weilrod. Große Organisationen standen dabei neben kleinen Dorfgemeinschaften, Feuerwehren neben Schulen und Kindertagesstätten, Kultur neben Sport und internationaler Verständigung. So unterschiedlich die Projekte auch sind, eines verbindet sie: Menschen, die sich für andere und für ihre Heimat engagieren.

Drei Tennisvereine waren gleich mit unterschiedlichen Vorhaben vertreten. Als Krebs schließlich den dritten aufrief, konnte er sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Tennis steht aktuell hoch im Kurs, seitdem Zverev gewonnen hat.“ Ein Satz, der erneut für Schmunzeln im Saal sorgte.

Wie schnell notwendige Investitionen eine Einrichtung finanziell an ihre Grenzen bringen können, machte das Haus Heliand deutlich. Rund 200.000 Euro wurden dort für die Modernisierung von Räumen benötigt. Dann folgte die nächste Hiobsbotschaft: Weitere rund 200.000 Euro seien für notwendige Brandschutzmaßnahmen erforderlich. Eine Nachricht, die den Verantwortlichen zunächst den Boden unter den Füßen wegzog. Unterstützung wie die der Taunus Sparkasse bekommt angesichts solcher Summen eine ganz andere Bedeutung.

Mehr als musikalische Begleitung

Für einen ganz anderen Ton zwischen Umschlägen, Projekten und Spendensummen sorgte Eunsol Park am Flügel. Die junge koreanische Pianistin, die bei Professor Oliver Kern an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt studiert, begann bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel.

Und sie war an diesem Abend weit mehr als musikalische Begleitung. Mit Carl Maria von Webers „Favoritenwalzer“ eröffnete sie die Veranstaltung, später folgte der erste Satz aus Beethovens „Waldsteinsonate“. Zum Finale setzte sie mit Webers „Aufforderung zum Tanz“ noch einmal einen eindrucksvollen musikalischen Schlusspunkt. Eine Leistung, die im Forum entsprechend große Anerkennung fand.

Jetzt müssen nur noch alle aufs Foto

Irgendwann waren schließlich alle 24 Umschläge verteilt und alle Projekte vorgestellt. Fehlte eigentlich nur noch eines: das gemeinsame Foto.

Klink hatte bereits zu Beginn augenzwinkernd von der zunehmenden „Instagramierung“ gesprochen – schließlich spiele sich heute vieles auf Instagram ab. Nun also das Experiment in der Praxis: Wie bekommt man Vertreter von 24 Vereinen und Initiativen samt Sparkasse und Landrat gemeinsam auf ein möglichst perfektes Abschlussbild? Auch damit hatte Klink die Lacher wieder auf seiner Seite. Es passte zu einem Abend, der trotz des offiziellen Anlasses ausgesprochen locker geblieben war. Klink und Krebs scherzten, hörten zu, suchten das Gespräch mit den Gästen – und die Freude über die Unterstützung tat ihr Übriges.

Und dann zeigte sich ganz zum Schluss, dass Ehrenamt manchmal keine Rücksicht auf Veranstaltungspläne nimmt. Pünktlich zum Ende erreichte zwei anwesende Feuerwehrleute ein Einsatz. Eben noch hatten sie ihren Verein vertreten und waren wegen einer Spende gekommen, im nächsten Moment hieß es: los. Die beiden düsten davon. Es gibt eben Prioritäten.

Diese 24 Vereine und Initiativen wurden unterstützt

Bad Homburg: Evangelische Waldenser-Kirchengemeinde, Humboldtschule, Katholische Kindertagesstätte Sankt Johannes, Verein Altes Rathaus Burgholzhausen – Friedrichsdorf: DRK Kreisverband Hochtaunus – Ortsverein Friedrichsdorf, Tennisverein Köppern

Glashütten: Förderverein der Hans-Christian-Andersen-Schule – Neu-Anspach: Familienzentrum GANZ, Freiwillige Feuerwehr Hausen-Arnsbach, SG Westerfeld 1910 – Oberursel: Chopin-Gesellschaft Taunus, Haus Heliand, Tennis-Club Weißkirchen 76, „Orscheler helfen Orschelern“ (über die Stiftung „KINDER LACHEN“) – Schmitten: Heimat- und Brauchtumsgruppe Hunoldstal, Partnerschaftsverein Schmitten, Tennis-Club Reifenberg – Usingen: DRK Kreisverband Hochtaunus – Ortsverein Usingen, Freiwillige Feuerwehr Usingen-Eschbach

Wehrheim: Dorfgemeinschaft Pfaffenwiesbach – Weilrod: Partnerschaftsverein Weilrod, Schützenverein „Drei Eichen“ Riedelbach, Schützenverein Winden 1921 – Hochtaunuskreis: Caritasverband Taunus, Förderung über die Stiftung „KINDER LACHEN“. Die übrigen Zuwendungen stammen aus der Gemeinnützigen Stiftung der Taunus Sparkasse.

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