Mit 88 Jahren beim legendären Empire State Building Run-UP

Hier gehts die Treppen hoch im Empire State Building. Foto: privat

Oberursel (ow). Triathlon Senior Manfred Klittich hat es geschafft. Drei Herausforderungen, so sagt man, sollten Hobby-Ausdauersportler anstreben. Den IRONMAN Hawaii, den Boston-Marathon und den Empire State Building Run-Up. Nicht weil diese legendären Rennen an sich eine große Herausforderung darstellten, sondern der Weg dorthin ein steiniger ist. Beim IRONMAN Hawaii können Athleten bei einem der weltweit veranstalteten Rennen über ihre Platzierung in der jeweiligen Altersklasse einen der begehrten Startplätze ergattern. Der Boston Marathon erfordert bestimmte, knapp bemessene Qualifikationszeiten. Beides ist bei entsprechendem Trainingsfleiß machbar. Am schwierigsten ist es, eine Einladung zum Empire State Building Ru-Up, zu bekommen, wobei der Lauf als solcher noch am ehesten für ein breites Spektrum von Hobbysportlern machbar erscheint.

In Deutschland wurde von Michael Lederer in Anlehnung an den legendäre ESB-Run-Up 2007 der Skyrun im Messeturm Frankfurt aus der Taufe gehoben, Da gibt es keine Teilnahmebeschränkung. Jeder, der es sich zutraut die 62 Stockwerke zur Aussichtsplattform des Messeturms hochzurennen (oder zu dabbeln, wie der Hesse sagt) kann sich anmelden. Auch der für den TV Bommersheim startende Eschborner Triathlon-Senior Manfred Klittich nahm seit 2009 an allen Rennen teil. Meist mit mehreren subsequenten Hochläufen als Multyclimber zum Triple- oder Quintuple-Cup. Da war unter den Treppenlauf-Spezialisten auch immer der ESB-Run-Up ein Thema, wie schwierig es sei, dafür einen Startplatz zu bekommen. Das mußte auch Klittich erfahren, der sich sei 2009 regelmäßig bewarb, ohne jemals einen Zuschlag zu erhalten.

Klar, bei der Startplatzvergabe sind die ersten 30 Startplätze beider Geschlechter für die Elite reserviert, die sich aus der Rangliste des Towerrunning Worldcups rekrutiert. Es folgen Gruppen, für die der Veranstalter ein Sonderstartrecht einräumt, wie Mieter der Büroräumlichkeiten des ESB oder wohltätige Organisationen. Der Rest von etwa 150 Startplätzen wird einer „General Wave“ zugeordnet. Um diese Startplätze bewerben sich jährlich einige tausend Amateur-Treppenläufer aus aller Welt, die meisten aus USA. Einige dieser Startplätze werden auch noch an von Hand ausgesuchte Prominente vergeben. Über den großen Rest der Bewerber entscheidet das Los.

Klittich bewarb sich auch in diesem Jahr wieder für einen Startplatz, allerdings nach den zurückliegenden Erfahrungen, ohne sich große Hoffnungen zu machen. Doch dann kam zu seiner Überraschung Ende Juli die formelle Einladung. Ein wenig erschrocken war der Triathlon-Rentner darüber schon, wie er sagt. Den er befindet sich aktuell krankheitsbedingt nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Die Nebenwirkungen einer in den zurückliegenden Monaten erfolgten aggressiven Krebstherapie forderten ihren Tribut. Wo Spitzensportler einen Hämoglobinwert (rote Blutkörperchen) von bis zu 18 g/dl aufweisen und Normalos bei 14 bis 16 liegen, mußte sich Klittich aktuell mit einem Wert von 9,5 begnügen. Das reicht zwar für den Alltagsbetrieb aus, ist aber für sportliche Anstrengungen insbesondere das Treppensteigen definitiv als kritisch anzusehen.

Das Hämoglobin-Defizit wirkt sich beim Treppensteigen rein rechnerisch so aus, als würde man einen Rucksack von etwa 30 kg mit hochschleppen. Was nun fragte sich Klittich: Den seit 17 Jahren begehrten und nie bekommen Startplatz annehmen? Mal sehen sagte sich der wackere Senior und begann mit ersten Trainingsläufen auf den Aussichtsturm „Himmelsglück“ in Schömberg. 50 Höhenmeter die Treppe hoch, unverzüglich mit dem Aufzug runter und gleich wieder hoch. Beim letzten Test schaffte er sieben Hochläufe, die 350 Höhenmetern inklusive der Abwärtsfahrten in 62 Minuten, reine Aufstiegszeit 49 Minuten. Die Zeit für den ESB-Run-Up sollte dann irgend wo dazwischen liegen.

Daraus ergab sich der Marschplan für das Rennen in NYC, der bei defensivem Herangehen mit einer Zeit von 57:09 Minuten ganz gut umgesetzt werden konnte.

Es hat sich wieder der bekannte Spruch der Kölner Jecken bewahrheitet: Et es wie et es on et es no emmer jot jegange.

Geschafft und ein glücklicher Manfred Klittich. Foto: privat

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