Vom Bambini bis zum Halbmarathon-Sieger ...

Oberursel (sis). Am Sonntagvormittag sorgten Starkregen, Gewitter und eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes noch für Nervosität bei Organisatoren und Teilnehmern des Brunnenfestlaufes. Wenige Stunden später bot sich auf dem historischen Marktplatz ein ganz anderes Bild: Die Wolken hatten sich verzogen, die Temperaturen waren angenehm kühl und knapp 943 Läufer machten den Brunnenfestlauf zum teilnehmerstärksten Lauf der Veranstaltungsgeschichte. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatten die Veranstalter den Start vorsorglich um 15 Minuten verschoben. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. Je näher der Start rückte, desto freundlicher zeigte sich der Himmel über der Brunnenstadt – nahezu perfekte Bedingungen für schnelle Zeiten und sportliche Höchstleistungen.

Dass der Brunnenfestlauf seit mittlerweile 19 Jahren fest zum Brunnenfest gehört, ist vor allem dem Engagement der Turn- und Sportgemeinde Oberursel, TSGO, und ihrer vielen ehrenamtlichen Helfer zu verdanken. Jahr für Jahr verwandeln sie den historischen Marktplatz in eine Laufarena und bringen Sportler aller Altersklassen für einen Halbmarathon, die zehn Kilometer, fünf Kilometer oder drei Kilometer auf die Strecke. Besonders erfreulich aus Sicht der TSGO: Viele Kinder und Jugendliche aus den eigenen Reihen gingen an den Start und sorgten für starke Ergebnisse in den Nachwuchsklassen.

Rund um den Marktplatz herrschte bereits früh geschäftiges Treiben. Während sich die einen auf ihren Start vorbereiteten, verfolgten andere bei einem Kaffee oder Kaltgetränk das Geschehen. Familien, Freunde und Brunnenfestbesucher säumten die Strecke, feuerten die Teilnehmer an und spendeten Beifall für jeden Zieleinlauf. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn Läufer auf die Zielgerade einbogen. „Das Brunnenfest ist der Ort, an dem alle zusammenkommen: die Feiernden, die Menschen in den Höfen und heute die Sportler“, sagte Bürgermeisterin Antje Runge. „Das ist unser Fest – und Sport gehört dazu.“ Dass der Brunnenfestlauf Menschen aller Generationen verbindet, zeigte sich auch in der Familie Runge. Während die Bürgermeisterin die Teilnehmer anfeuerte, schnürte Sohn Niklas selbst die Laufschuhe. Der 29-Jährige absolvierte die Zehn-Kilometer-Distanz. Überredungskünste der Mutter waren dafür nicht nötig. Nach dem Zieleinlauf zeigte er sich zufrieden: „Die Strecke ist schon anspruchsvoll.“

Überwältigendes Interesse

Dass die Veranstaltung längst ein echtes Heimspiel für viele Oberurseler geworden ist, zeigt ein weiterer Wert: „Dass rund die Hälfte aller Teilnehmer aus Oberursel kommt, freut uns natürlich besonders“, sagte Christopher Bierech vom Organisationsteam. Neben zahlreichen heimischen Vereinen gingen auch Schulklassen aus Stierstadt sowie viele Kinder- und Jugendgruppen an den Start.

Und anspruchsvoll ist die Strecke tatsächlich. Vom Marktplatz führt sie über den Altenhöfer Kreisel, vorbei an der Rodelbahn, hinauf zur DGD Klinik Hohe Mark und über das Franzoseneck zurück ins Ziel. Besonders der rund 500 Meter lange Anstieg verlangt den Läufern einiges ab. Wer den Brunnenfestlauf kennt, weiß: Spätestens dort werden die Beine schwer und wertvolle Kräfte mobilisiert.

Für das sportliche Ausrufezeichen des Tages sorgte auf der Halbmarathondistanz Dominic Stahl aus Oberursel. Der 34-Jährige gewann die 21,1 Kilometer in starken 1:18:31 Stunden. „Es lief ganz gut“, sagte er nach dem Zieleinlauf. Nach einer Verletzungspause habe er die Gelegenheit nutzen wollen, direkt vor der eigenen Haustür an den Start zu gehen. „Ich wohne nur fünf Minuten entfernt.“ Normalerweise liegt sein Fokus auf längeren Distanzen bis hin zum Marathon. Das nächste große Ziel wartet bereits in Valencia.

Auf Rang zwei folgte Christopher Ormond von der TSG Oberursel in 1:20:14 Stunden, Dritter wurde Nazar Obaranets aus Oberursel in 1:24:14 Stunden.

Bei den Frauen setzte sich Lorena Kohlas vom SV Fun-Ball Dortelweil durch. Die 22-Jährige war erstmals in Oberursel am Start. Als Trailrunnerin ist sie anspruchsvolle Strecken gewohnt, dennoch zollte sie dem Oberurseler Kurs Respekt. Nach 1:30:35 Stunden überquerte sie als erste Frau die Ziellinie.

Über zehn Kilometer gewann Ben Löer aus Friedrichsdorf in starken 36:25 Minuten. Bei den Frauen durfte Lisa-Marie Müller vom Vlg Eisenbach mit einer Laufzeit von 44.23 Stunden die Zielgerade überqueren und war sichtlich glücklich nach dem Lauf, der es für sie „in sich hatte“.

Auch über fünf Kilometer wurde um jede Sekunde gekämpft. Kevin Linke aus Frankfurt gewann in 18:45 Minuten. „Bestzeit war es keine“, sagte der 34-Jährige, „aber ich bin trotzdem happy. Nach einer Verletzung arbeite ich gerade daran, wieder richtig in Form zu kommen.“

Nur zwei Sekunden später folgte der 16-jährige Anton Bernhard auf Rang zwei. „Ich laufe eigentlich gar nicht so viel“, erzählte er lachend. Seine Strategie sei gewesen, kontrolliert zu beginnen und auf den letzten Metern noch einmal alles herauszuholen. „Zum Schluss Vollgas.“

Für ein starkes heimisches Ergebnis sorgte Jakob Heinl von den SC Oberursel TriKids, der als Dritter das Ziel erreichte.

Besonders viel Applaus erhielten die jüngsten Teilnehmer. Bereits bei den Bambiniläufen über rund 800 Meter zeigten Kinder zwischen drei und sechs Jahren großen Ehrgeiz und noch größere Begeisterung. Im Drei-Kilometer-Lauf gewann Keanu Müller von den SC Oberursel TriKids die Jungenwertung. Bei den Mädchen überzeugte Emilia Lütz von der TSGO mit ihrer starken Leistung.

Auch die 14-jährige Triathletin Ida Troge zog nach ihrem Lauf ein positives Fazit: „Ich laufe einfach gerne.“ Ein Satz, der wohl stellvertretend für viele Teilnehmer an diesem Tag stand.

Zu den Publikumslieblingen gehörten drei Feuerwehrleute, die die Strecke mit rund 15 Kilogramm Ausrüstung absolvierten und dafür entlang der Strecke besonders viel App-laus erhielten. „Unter einer halben Stunde kann man sich da nicht beschweren“, meinte Ben von der Feuerwehr nach dem Zieleinlauf schmunzelnd.

Ein besonderer Dank richtete Biaesch von der TSGO an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Ob an den Verpflegungsstationen, bei der Streckensicherung, der Zeitnahme oder in der Organisation – ohne ihren Einsatz und die zahlreichen Sponsoren wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich.

Während auf der Bühne bereits die ersten Sieger ihre Pokale und Urkunden entgegennahmen, kämpften auf der Strecke noch weitere Läufer um jeden Meter. Immer wieder bog jemand auf die Zielgerade ein, begleitet vom Applaus der Zuschauer. Familien warteten an den Absperrungen, Kinder hielten stolz ihre Medaillen in den Händen und Freunde feierten gemeinsam das Erreichen des Ziels.

Während auf der Bühne bereits die ersten Sieger ihre Urkunden und Präsente aus den Händen von Bürgermeisterin Antje Runge und den Verantwortlichen der TSG Oberursel entgegennahmen, kämpften auf der Strecke noch weitere Läufer um jeden Meter. Immer wieder bog jemand auf die Zielgerade ein, begleitet vom Applaus der Zuschauer. Familien warteten an den Absperrungen, Kinder hielten stolz ihre Urkunden in den Händen und Freunde feierten gemeinsam das Erreichen des Ziels.

Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis des Brunnenfestlaufs. Hier stehen Spitzensport und persönliche Erfolge gleichberechtigt nebeneinander. Der Halbmarathonsieger wird ebenso gefeiert wie der Bambini, der seine ersten 800 Meter ins Ziel bringt.

Spätestens jetzt waren die Gewitterwolken vom Vormittag vergessen. Geblieben waren Rekordbeteiligung, starke sportliche Leistungen und das gute Gefühl, gemeinsam Teil eines Brunnenfestes zu sein, das seit 19 Jahren auch eine große Bühne für den Sport bietet.

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