Oberursel (anr) – Das Publikum tobte vor Begeisterung im Festzelt, als dem neuen Kerbemädel Elisabeth Frey beim legendären Giggelschmiss der Lederriemen des Dreschflegels riss und als das Ziel, den auf der Bühne liegenden Bembel zu zerschlagen, aufsehenerregend verfehlt wurde.
Die traditionelle Stierstädter Kerb hatte am Montag beim Programm der Kerbeburschen ihren spektakulären Höhepunkt und präsentierte sich vier Tage den Besuchern im voll besetzten Zelt und Biergarten eindrucksvoll als größte Zeltkerb der Stadt mit einem einzigartigen Programm „von Stierstädtern für Stierstädter“.
Der traditionelle Kerbmontag-Frühschoppen startete stimmungsvoll mit der Musik des Feldberg-Duos und erlebte neben dem Magistrat mit Bürgermeisterin Antje Runge an der Spitze viele Vertreter der lokalen Handwerkerschaft und Unternehmen in einer begeisterten Feiergemeinschaft. Diese amüsierte sich prächtig beim bunten Frühschoppen-Programm „90-er Jahre“, welches Ingo Wolf leidenschaftlich mit einem Kerbelied als „König von Deutschland“ eröffnete. 24 Stierstädter Mädchen und Jugendliche erhielten viel Beifall für ihren von Lisa Leber, Katharina Oberreich und Antonia Schneider einstudierten Tanz „Battle der 90-er“, während Jens Maurer mit seinem Solo als Robbie Williams in der Zeit drei Jahrzehnte zurückflog. Tanja Nowak und Anika Schneider vom Damenrat des Carnevalvereins erinnerten mit einem Musik- und Tanz-Medley an die Neunzigerjahre, während Mona Friede und Carena Seidenthal als „Die 4 Gerippte“ einen bunten Blick in die Nachrichten-, Kino- und Werbewelt von 1990 bis 1999 warfen. Unter der Leitung von Tanja Konrad und Katharina Reitershahn absolvierte das einzigartige Männerballett aus Kerbeburschen und Ex-Kerbeburschen einen 90-er-Jahre-Tanz, während die ehemaligen Kerbemädels und ihre Freundinnen mit Leiterin Lisa Leber den abschließenden Frauentanz einstudierten.
Mit großer Spannung erwartet wurde das finale Kerbeburschen-Programm. Nach dem Einmarsch wurden als Kerbepaar 2026 Tristan Trieschmann und Elisabeth Frey gekürt. Nach der Bekanntgabe der Tombola-Gewinner präsentierte die „Klotz-Parade“ verdiente Bürger der Stierstädter Kerb. Joseph Göbel, Kassenwart des Kerbe- und Brauchtumsvereins, Daniela Frey, die Mutter des Kerbemädels, Heinz Frey und Stefanie Peinelt als Kerbepaar vor 40 Jahren, Ralf Walther und Nicole Irle als Kerbepaar vor 30 Jahren sowie Philipp Frey und Steffi Geibel als Kerbepaar vor 20 Jahren stellten sich auf den Klotz und erinnerten in heiteren Reden und Anekdoten an Höhepunkte und denkwürdige Ereignisse vergangener Kirchweihfeste. Ultimativer Höhepunkt der Stierstädter Kerb war der Auftritt des „Graf von Luxemburg“, der legendären historischen Symbolfigur der Stierstädter Kerb. Patrick Thomas, der 2024 zum „Graf von Luxemburg“ gekürt worden war, führte an den vier Festtagen die 17-köpfige Kerbegemeinschaft in der Rolle des legendären Grafen an. Die Kerbeburschen im Alter von 18 bis 40 Jahren, mit Thomas an der Spitze, hatten am Samstagmorgen den Kerbebaum mit dem Traktor aus dem Stierstädter Wald auf den Festplatz transportiert, traditionell bunt geschmückt und nach altem Brauch mit Seilen, Stelzen und Dreibeinen aufgerichtet und in den Boden gebracht.
Das erfolgreiche Gemeinschaftswerk wurde nach der Taufe mit „Ebbelwoi“ mit dem Kerbeburschenlied gefeiert, nachdem die „Kerbelise“ mittels der Drehleiter der Feuerwehr in die Baumspitze gehoben und festgemacht worden war, um in Blickrichtung zum Kirchturm den Baum zu bewachen.
Vor der offiziellen Eröffnung der Kerb im Festzelt starteten die Kerbeburschen ihre Einladung an die Stierstädter zum Mitfeiern beim traditionellen Straßenumzug. Abgesichert von einem Mercedes-Oldtimer-Feuerwehrauto führte der Musikzug der Feuerwehr Stierstadt unter der Leitung von Uwe Deparade den kleinen Lindwurm musikalisch an. Die Kerbeburschen sangen mit Vorsänger Thomas an der Spitze das Kerbeburschenlied. Die Bembelwarte Philipp Krämer und Max Bayer sorgten mit dem Stöffche für gut geölte Stimmen, während „Metzger“ Marius Seidenthal den Gickelkasten schwang. Schließlich wirbelte Maurice Reitershahn die „Wutzefahne“ und Mark Schulz die „Wete-Fahne“ durch die Luft, während Michael Muschik die alte Vereinsfahne und Pascal Richter die neue, vom Brauchtumsverein gestiftete Fahne in Schwung brachten. Die beiden „Klotzaffen“ Tim Seidenthal und Johannes Ernst komplettierten die traditionelle Präsentation der Kerbegemeinschaft. Für stimmungsvolle weibliche Begleitung im Festzug sorgten rund 35 ehemalige Kerbemädchen im Alter von 18 bis 60 Jahren sowie eine Handvoll ehemaliger Kerbeburschen, die so manche Anekdote aus ihrer Vergangenheit zum Besten gaben.
Zur Eröffnung der Kerb versenkte Brunnenkönigin Emily I. bravourös den Zapfhahn mit drei kontrollierten Schlägen im „Ebbelwoi-Fass“, während Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge den ersten Bembel füllte und beide gemeinsam mit Kerbevater Rene Kraus, dem Vorsitzenden des Kerbe- und Brauchtumsvereins, auf eine erfolgreiche Stierstädter Zeltkerb anstießen.
„Das ist die gelebte Tradition einer einzigartigen Zeltkerb“, beglückwünschte Bürgermeisterin Runge den Kerbe- und Brauchtumsverein als Ausrichter zur Feier einer von allen Generationen gelebten Kerb mit gewachsenem Brauchtum und starker Identifikation in einer über Generationen gewachsenen Gemeinschaft.
Brauchtumsvereins-Vorsitzender Kraus unterstrich bei der Begrüßung das gelebte Gemeinschaftswerk mit dem Dank an 240 Helfer in 330 Schichten: „Das schafft sonst keiner“, und nannte beispielhaft Oliver Berger, Günther Geidel oder Rüdiger Lauth, die sich besonders leidenschaftlich beim Aufbau engagierten. Der 2017 gegründete Brauchtumsverein richtet die Stierstädter Kerb zum dritten Mal aus und freut sich über die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Mitausrichtern Feuerwehr und TV Stierstadt. Erstmals ist der Carnevalverein Stierstadt dabei, der am Sonntag beim „Tag der Vereine“ die jüngsten Besucher mit einer Kinderdisco erfreute. Jana und Lina Oberreich sowie Mia Nowak fungierten als Vortänzerinnen für 30 tanzende Kinder. Den Kerbesonntag eröffnete Pastoralreferentin Susanne Degen mit dem katholischen Gottesdienst in der Kirche Sankt Sebastian unter Beteiligung der Kerbeburschen. Ein Umzug der Kerbeburschen mit dem Blasorchester des TV Stierstadt führte zum Festplatz, auf dem das Blasorchester den Sonntagsfrühschoppen eröffnete und ein Kinderflohmarkt die jüngsten Besucher begeisterte. Den Tag der Stierstädter Vereine komplettierte am Abend die große Blasmusik-Party des Musikzuges der Feuerwehr, die ausgelassene Stimmung ins Zelt zauberte. Den ersten Stimmungsgipfel an vier Tagen Kerb erklomm bereits am Freitag die heimische Band „Secret Basement“.
Die Coverband der vier „Orscheler Jungs“ Oli, Markus, Michi und Martin überzeugte mit rockiger Live-Musik „von Stierstädtern für Stierstädter“ und machte den fulminanten Kerbeauftakt perfekt. Noch eine Etage höher auf dem Stimmungs-Barometer kletterte das Publikum am Samstagabend im vollbesetzten Zelt zusammen mit der Party-Combo „Lieblingsband“. Die sieben Vollblutmusiker aus dem Rodgau sorgten mit einem fulminanten Bühnenprogramm aus Partymusik und Live-Entertainment schnell für Spontan-Polonaisen und ausgelassenes Mittanzen an den Stehtischen.
Der 200 Mitglieder starke, 2017 gegründete Kerbe- und Brauchtumsverein hatte die Ausrichtung der Kerb als Nachfolger des Fußballvereins Stierstadt übernommen und legte in seiner dritten Auflage mit einem abwechslungsreichen Programm für alle Generationen besonderen Wert auf Geselligkeit und Festtradition. Hierzu gehörte auch der mehr als 50 Jahre alte Wein- und Cocktailstand. Am Montag erlebte die Stierstädter Kerbe-Tradition eine überraschende Premiere mit dem Riss des Dreschflegels beim „Gickelschmiss“. Dank der Reparatur mit dem Hosengürtel des Ex-Kerbeburschen Christian Bender wurde das Kult-Ereignis doch noch erfolgreich absolviert. Schließlich hat die Stierstädter Kerb mit Phillip Krämer einen neuen „Graf von Luxemburg“, der, vom Publikum gefeiert, die Kerbeburschen 2027 mit dem „Graf von Luxemburg-Lied“ anführen wird. Am Montagabend ließen die Stierstädter ihre Kerb erst einmal gemütlich ausklingen mit der beliebten „Cocktailstandparty“ mit der Musik von Sänger „Allessandro“ und „DJ Timo“.




