Oberursel (ow) – Manchmal hilft es, den Blickwinkel zu wechseln. Beim Denkmalspaziergang der Marktplatz-Initiative „Lebendig. Offen. Mittendrin!“ begann das ganz wörtlich: Bei bestem Wetter und beeindruckender Fernsicht stiegen die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Turm von St. Ursula und blickten von dort auf die Oberurseler Altstadt. Unten kamen weitere Interessierte hinzu – am Ende machten sich rund 40 Menschen gemeinsam auf den Weg, darunter Bürgermeisterin Antje Runge, Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Denkmalpflege, Denkmaleigentümer und viele neugierige Oberurselerinnen und Oberurseler.
Danach ging es näher heran: An einem Denkmal mitten im Umbau berichteten die Eigentümer über ihre Pläne und Erfahrungen, an der historischen Stadtmauer wurde über ganz praktische Fragen des Lebens mit einem Denkmal gesprochen. Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, beschrieb Denkmalpflege dabei als Prozess: Anforderungen verändern sich, immer wieder müssen neue Lösungen gefunden werden. Genau davon lebte auch der Spaziergang – überall entstanden kleine Gespräche, neue Kontakte und ein Austausch zwischen Eigentümern, Fachleuten, Verwaltung und interessierten Bürgerinnen und Bürgern.
Am Marktplatz weitete sich der Blick schließlich vom einzelnen Denkmal auf die historische Altstadt insgesamt. Wie kann sie auf heißere Sommer reagieren und dabei ein guter Ort zum Leben und Begegnen bleiben? Harzenetter machte deutlich, wie wichtig Grün und Wasser angesichts des Klimawandels werden – und wie schwierig es gerade in historischen Stadträumen ist, dafür Flächen zu finden. Damit bekam die Idee der Initiative, die bereits vorhandenen Platanen auf dem Marktplatz künftig zu einem „Blätterdach“ zusammenwachsen zu lassen, noch einmal eine besondere Perspektive: Wenn dies an diesem Standort möglich sei, so Harzenetter, sei das wunderbar – solche Gelegenheiten gelte es zu nutzen. Vielleicht war das die schönste Erkenntnis des Abends: genauer hinsehen, entdecken, was längst da ist – und daraus gemeinsam etwas Gutes für die Zukunft machen.
Dass daraus mehr werden könnte, zeigte die Abschlussrunde: Auf die Frage nach einer Fortsetzung des gemeinsamen Austauschs über Altstadt und Denkmalpflege kam ein einstimmiges „Ja!“. Eine kleinere Runde machte gleich weiter – im denkmalgeschützten Alt-Oberurseler Brauhaus.
