Feuerwerk an zwei Flügeln – Claire Huangci und Alexei Volodin

Die grandiose Performance ließ alle Zuschauer staunen.

Claire Huangci und Alexei Volodin lieferten sich einen virtuosen Schlagabtausch an zwei Flügeln, gewaltiger kann Klaviermusik nicht klingen!

Rolf Kohlrausch, Claire Huangci, Alexei Volodin spielen als Überraschungsbonbon eine Romanze von Rachmaninow für 6 Hände.

Fotos: Berthold Schinke

Oberursel (aks). Mozart komponierte 1781 mit 25 Jahren seine Sonate für zwei Klaviere in D-Dur, in dem Jahr, als für ihn in Wien ein neuer Lebensabschnitt begann. Claire Huangci, die Amerikanerin mit Wahlheimat in Bad Homburg und der Russe Alexei Volodin, beide international gefeierte Pianisten und beide Sieger des Geza Anda Concours Zürich, lieferten sich einen „virtuosen Schlagabtausch“, wie es Rolf Kohlrausch, Präsident der Chopin-Gesellschaft Taunus für das dritte Konzert im 40. Jahr der Chopin-Gesellschaft in seiner Begrüßung ankündigte. „Concertare“ bedeute miteinander in Wettstreit zu treten und genau das finde bei einem Konzert mit zwei Flügeln auf der Bühne statt. Das hochkarätige Duo übersetzte die Musik Mozarts, in heiterem Ton und atemberaubenden Tempo, in unterschiedlichen Stimmen und doch gemeinsam zu einem gewaltigen Erlebnis für alle Sinne. Bei Claire Huangci flogen die Haare und die Hände, man spürt, wie leidenschaftlich sie spielt, mit vollem Körpereinsatz und am liebsten barfuß. Der 48-jährige Volodin ist ihr ein ebenbürtiger Partner und so gelingt ein überwältigendes „Concerto“. Als Klavierduo haben die beiden dieses Programm ähnlich schon mehrfach gemeinsam gespielt, auch in der Elbphilharmonie. „La Valse“, 1920 von Maurice Ravel komponiert, ist eine Reminiszenz an Wien, das in Zeiten des Krieges zu einem Ort des Schreckens wird. Während das glanzvolle Wien für Mozart zur Heimat wurde, ist diese Stadt für Ravel zwar vom Walzer geprägt, doch können sich die heiteren Tanzweisen nur schwer gegen die düstere Stimmung behaupten. Hochspannend ist die Interpretation der beiden Künstler, die diese Musik zu einer Apotheose emporführt, in der die Musik trotz widerstreitender dissonanter Anklänge die Zuhörer in ihren Bann zieht: der Walzertakt wird zu feurigen Kreiseln, der sorglose Tanz hat seine Unschuld verloren. Wie eine gewaltige Urkraft zieht diese Magie in der ausverkauften Stadthalle auf – manchem verschlägt es den Atem.

Die Spiellust der beiden Pianisten ist auch nach der Pause ungebrochen und ihre Energie verdient Bewunderung. Leicht und beschwingt mit Händen wie Schmetterlinge agieren sie bei Chopins Rondo, das der „europäische“ Tondichter, der von Warschau aus Europa bereiste und in Paris starb, „noch jung und kraftvoll“ 1828 schuf und spielte, das aber erst 1855 nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Mit vier Sätzen nimmt das Schwergewicht Rachmaninow riesigen Raum ein, Themenmaterial seines zweiten Klavierkonzerts wird hier verarbeitet. Auf den feierlichen Marsch folgt ein Walzer im Presto, der von einem beschwingten Tanz ziemlich weit entfernt ist. Dabei agieren Huangci und Volodin als These und Antithese mal heiter und dann wieder donnernd, glasklar und blitzschnell, ohne jede Hektik. Nach kurzem Luftholen dann als Finale die als „Latin Jazz“ angekündigte Suite „Scaramouche“, die von einem durchtriebenen Clown voller List und Tücke handelt, der auch Samba tanzt. Darius Milhaud entdeckte diese rhythmische Musik in Rio de Janeiro: Musik, die fetzig und locker scheint und doch einen hohen Grad an künstlerischer Finesse und pianistischer Fingerfertigkeit abverlangt. Statt einer Zugabe ein allerletztes kleines Scherzo am Ende, das als Überraschung für das Publikum seine Wirkung nicht verfehlt: Rolf Kohlrausch, der nicht nur Organisator, sondern auch Pianist ist, wird ans Klavier gebeten, wo er mit den Künstlern des Abends zu dritt spielt, eine Romanze von Rachmaninow mit 6 Händen. Das Publikum bedankt sich mit einem tosenden Applaus.

Am Sonntag, 1. März 2026, 18 Uhr, spielt im Rahmen der Chopiniade der international gefeierte Pianist aus Oberursel, Julius Asal, Chopin, Rachmaninow und Schnittke in der Stadthalle.

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