Freundschaftsvertrag unterzeichnet

Besuch in der ukrainischen Stadt Vasylkiv. Foto:privat

Oberursel (ow). Die Stadt Oberursel und die ukrainische Stadt Vasylkiv besiegelten dieser Tage mit der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages im Rahmen eines internationalen Kongresses ihren Wunsch auf Zusammenarbeit. Damit setzt Oberursel in bewegten Zeiten ein kraftvolles Zeichen für internationale Solidarität, kommunale Verantwortung und europäische Werte.

Die Vereinbarung wurde gemeinsam von der Bürgermeisterin der Stadt Vasylkiv, Nataliia Balasynovych, und Oberursels Stadtrat Andreas Bernhardt vor Ort in Kyjiw unterzeichnet. Oberursels Stadtrat wurde von Olena Opanasenko als Dolmetscherin begleitet, die erste Kontakte zwischen den beiden Städten vermittelte. Opanasenko lebt in Oberursel, ist in Kyjiw geboren und lebte mit ihrer Familie zeitweise in direkter Nähe zu Vasylkiv.

„Kommunale Zusammenarbeit ist das lebendige Rückgrat Europas. Hier begegnen sich Menschen unmittelbar, hier entsteht Verständigung jenseits von Grenzen, hier wachsen Vertrauen, Zusammenhalt und echte Freundschaft“, betont Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge.“

Vasylkiv liegt rund 30 Kilometer südwestlich von Kyjiw. Die Stadt verfügt über eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht, und war bereits zu Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2022 Schauplatz massiver Kampfhandlungen. Mehr als 200 Bürger fielen bislang im aktuellen Verteidigungskrieg der Ukraine. Dazu kommen 30 zivile Opfer. Trotz aller Zerstörung ist Vasylkiv inklusive der angegliederten Dörfer heute ein Symbol für die Widerstandskraft und den Wiederaufbauwillen des gesamten ukrainischen Staates.

Stadtrat Andreas Bernhardt zeigte sich tief beeindruckt von den Menschen vor Ort: „Es war eine mehr als bewegende Erfahrung, Vasylkiv persönlich zu besuchen und die große Herzlichkeit und Entschlossenheit der Menschen zu erleben. Ich habe gespürt, die Menschen opfern sehr viel für ihre Freiheit, bis hin zu ihrer Existenz. Trotz aller Kriegsnot ist der Wille ungebrochen, ihr Land, ihre Stadt und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Ich bin in Frieden und Freiheit aufgewachsen. Für mich war es eine neue Erfahrung, beim Zubettgehen schon den gepackten Alarmrucksack in Reichweite stehen haben zu müssen, damit im Angriffsfall die wichtigsten Sachen und das eigene Leben in Sicherheit gebracht werden können.“ Vasylkiv will Oberursel im kommenden Sommer besuchen.

Oberursel pflegt seit vielen Jahren internationale Städtepartnerschaften. Mit Vasylkiv begibt die Kommune sich jetzt in ein freundschaftliches Verhältnis, aus dem langfristig auch eine Städtepartnerschaft entstehen kann. Nun werden Erfahrungen gesammelt, ob sich auch auf Ebene der Bürgerschaft nach Ende der Kampfhandlungen persönliche Begegnungen und Austausch ergeben. Aktuell wird die Verbindung von politischen und humanitären Herausforderungen geprägt sein. S

Bürgermeisterin Antje Runge fasst zusammen: „Wir wollen mit dieser Freundschaft nicht nur helfen, sondern auch lernen. Vasylkiv zeigt uns, was es bedeutet, in schwierigen Zeiten für Freiheit, Demokratie und europäische Werte einzustehen. Diese Partnerschaft ist eine Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, den europäischen Gedanken auch im Kleinen mit Leben zu füllen.“

Die Stadt ruft alle Bürger, Vereine, Schulen und Organisationen in Oberursel auf, sich einzubringen. Am Donnerstag, 26. Juni, findet um 19.30 Uhr eine Informationsveranstaltung im Großen Sitzungssaal des Oberurseler Rathauses statt. I



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