Gruppenbild vereint die angehenden Film-Kids mit Preisträgern, Juroren, Menschen aus dem Organisationsteam und den Festival-Direktoren.Foto: js
Oberursel (js). Als kleines Filmfest hat es Tradition, mit wechselnden Veranstaltern über die Jahre hatte das Kurzfilm-Festival stets viele Fans, es hat immer so schön gepasst in den „Orscheler Sommer“, der vom Verein Kunstgriff organisiert wird. Manchmal hat es ein wenig improvisiert gewirkt, es fehlte noch der internationale Touch, aber die Fans waren zufrieden mit dem unkomplizierten Rahmen in lockerer Atmosphäre. Und meist auch mit den Filmen, von Newcomern oft, auch von lokalen Filmemachern mit Ambition.
Die lockere Atmosphäre haben die Kurzfilm-Abende im Rushmoor-Park noch immer, doch nun auf einer professionelleren Ebene, was ihnen gut bekommt. Im zweiten Jahr jetzt, seit Eva Debrodt und Alexander Mereien als Festival-Direktoren des Oberurseler Filmfestes fungieren und Großes daraus machen wollen. Das Fest im Fest bleibt bei ihnen ein eminent wichtiger Part des Gesamtkonzepts, nicht zuletzt, weil es das meiste Publikum anzieht. Es dürften an den beiden Abenden jeweils etwa 400 Menschen gewesen sein, die bei Vollmond in die Welt des kurzen Kinovergnügens eingetaucht sind. Das dafür gleich mit 15 Streifen, der kürzeste Kurzfilm (Kategorie Experimental/Arthouse) dauerte nur eine Sekunde, der längste 16 Minuten und 30 Sekunden. Und natürlich, die Auswahl der Filme, sie wird in der ein oder anderen Weise beim Publikum immer umstritten sein, wie auch immer die Kurzfilm-Abende komponiert werden.
Das frühere Publikumsvotum als Schmankerl gibt es nicht mehr, die Jury entschied sich bei der Preisvergabe im Festival-Zentrum „elaya“ beim besten Kurzfilm (500 Euro) für die Arbeit des Schweizers Rolf Broennimann, der mit dem animierten Film „Dieter“ seinem früh an Demenz erkrankten Bruder gedachte. Ein wichtiges Thema, ein würdiger Preisträger. Mit Popcorn und Crepes, Thai-Food und Grillkäse, Falaffel und Samosas ist auch schwere Kino-Kost leicht zu verdauen, da gab es einiges dieses Jahr. Die Kunstgriff-Bratwurst geht ebenfalls gut, die lockere Moderation des Filmjournalisten Wolfgang Borgfeld trägt ihren Teil zum entspannten Abend bei. Die Zahl der aus vielen Ländern angereisten Filmemacher ist wieder enorm gestiegen, die Gespräche vor der Leinwand locker, informativ, spannend.
Insgesamt waren rund 40 Filme, die meisten in der Kategorie Kurzfilme, im Wettbewerb, die prominent besetzte Jury vergab zudem einen Hauptpreis für den besten Langfilm, er ging nach Frankreich an Bertrand Guerry und Sophie Davou für den Film „Happiness is a Wild Beast“, in dem sich Inselbewohner bei der Suche eines Bären in ein magisches, wunderliches Abenteuer begeben.
Die Gewinner des mit 1000 Euro dotierten Preises waren bei der Matinee live zugeschaltet. Live dabei war auch Loraine Blumenthal, die den Sonderpreis „Integration“ vom Rotary Club (500 Euro) für den Film „Im Osten was Neues“ bekam. Ein Film über den Fußballtrainer „Eichi“, der auf eine dunkle Zeit als Rechtsextremist zurückblickt, inzwischen aber junge geflüchtete Spieler betreut, die im Osten Deutschlands um einen Job, Akzeptanz und eine Zukunft kämpfen.
Den Sonderpreis „Food“ (500 Euro), der bei einem Festival mit dem Motto „Vom Essen, Leben, Lieben“ nicht fehlen darf, ging an die amerikanische Produktion „Channel Bibi“, die laut Jury zeigt, wie „Essen Kultur und Herz prägt“.
Ungewisse Zukunft
Offen blieb beim Finale des 14. Filmfestes, wie es im 15. Jahr im August 2026 mit dem eingebetteten Kurzfilm-Festival weitergeht. Der Kunstgriff-Vorsitzende Dirk Müller-Kästner hatte beim Festival en passant angemerkt, dass das einstige Kind Kurzfilm-Festival groß geworden sei. Der Kunstgriff-Orscheler-Sommer werde sich wohl aus dem ausgewachsenen Filmfest verabschieden. Ein Gespräch darüber hatten die bisherigen Kooperationspartner bis zum Festival-Finale nicht geführt.
Kamerafrau Angela Schmitt-Gläser (rechts) und Filmjournalistin Loraine Blumenthal, die den mit 500 Euro dotierten Preis für den besten Film in der Kategorie „Integration“ für ihren Film „Im Osten was Neues“ bekommen hat.Foto: js