Oberursel. Nach mehr als 15 Jahren Vorspiel in politischen Kreisen und vielen Gremien von Feuerwehr in Stadt und Kreis rollen die Bagger. Das Projekt Gefahrenabwehrzentrum hat Fahrt aufgenommen und wurde für die Ewigkeit symbolisch zementiert. Eine Zeitkapsel soll spätere Generationen mit Informationen zum denkwürdigen Tag füttern, an dem alle Beteiligten den offiziellen Startpunkt feierten.
Der Worte sind genug gewechselt, nun sollen Taten folgen. Man hätte es beim ersten Blick in die Mensa der Hans-Thoma-Schule ahnen können, die Kartoffelsuppen (klassisch und vegan) werden noch eine Weile köcheln müssen, das frische Brot und die kühlen Getränke noch warten müssen. Der leckere Abschluss zu Beginn eines großen Bauprojektes steht taktisch klug immer am Ende von Spatenstich, Grundsteinlegung, Richtfest oder Einbuddelung von Zeitkapsel für die Erinnerung folgender Generationen an die Vergangenheit. Damit alle bleiben bis zum lockeren leckeren Abschluss.
Die Zeitkapsel-Versenkung auf der Baustelle mit akademischem Vorspiel in der benachbarten Schule war ein Stelldichein fast aller Bürgermeister des Hochtaunuskreises, natürlich waren der Landrat und sein Vize da, ein Vertreter des Hessischen Innenministeriums, der Landesfeuerwehrpräsident, die örtlichen und überörtlichen Führungskräfte der Feuerwehren, der Bundestagsabgeordnete Markus Koob, Vertreter der Parteien neben reichlich Ortsprominenz der Feuerwehren. Selbst Feuerwehrkollegen aus dem befreundeten Forst an der Lausitz hatten die Anreise nicht gescheut. Es brauchte sieben Redner und eine Bürgermeisterin zur Würdigung dieses besonderen Tages mit Blick auf die Zukunft, nur auf kirchlichen Segen hatte man (noch) verzichtet.
„Es ist ein besonderer Moment, wir halten inne und setzen ein Zeichen für Sicherheit“, sagte Bürgermeisterin Antje Runge im feierlichen schwarzen Anzug. Sprach von einem Stück „Sicherheitsarchitektur“, die Stadt Oberursel handele jetzt, um zukünftig vorbereitet zu sein. Das Projekt Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) sei eines der wichtigsten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt, ein „Herzstück der kommunalen Resilienz-Strategie“. Es fehlte nicht der Verweis auf die aktuelle geopolitische Lage mit zahlreichen Bedrohungsszenarien und die Bedeutung von Zivilschutz und Krisenmanagement.
„Hohes Gefahrenpotenzial braucht starke Gefahrenabwehr“, sagte auch Landesfeuerwehrpräsident Norbert Fischer in seiner kurzen emotionalen Ansprache. Nannte das GAZ ein „Leuchtturm-Projekt“ von „enormer Wichtigkeit“ für die Zukunft und wünschte den „Kameradinnen und Kameraden“, von denen er viele aus seiner sechsjährigen Zeit in der Oberurseler Verwaltung kennt, gutes Vorankommen. Tobias Bräunlein aus dem Innenministerium sieht im GAZ der Zukunft ein „wertvolles Gut für alle Menschen“, die 39 Millionen seien eine „gute Investition in diesen Zeiten.
Es war in der Tat ein besonderer Tag für all die Feuerwehrleute, die so lange für das Projekt gearbeitet haben. Ein Danke-Tag, ein Tag der Freude, es war in allen Worten spürbar. Stadtbrandinspektor Valentin Reuter und Wehrführer Uli Both sprachen sie gemeinsam für die gesamte Feuerwehr aus. Erklärten die so lange erhoffte Zukunft der „Daseinsfürsorge“ für die gesamte Stadt anhand der neuen Ressourcen und Möglichkeiten, die den Wehrleuten bald zur Verfügung stünden und die hohen Investitionskosten rechtfertigten. „Für uns ist dieser Neubau mehr als ein Arbeitsplatz, er ist Anerkennung und Wertschätzung für das Ehrenamt“, sagte Uli Both und traf damit einen wichtigen emotionalen Punkt, denn fast alle Kameradinnen und Kameraden seien „24/7 an 365 Tagen im Jahr für die Bürger der Stadt ehrenamtlich im Einsatz“.
Auch daran werden die erinnert, die vielleicht irgendwann in der Zukunft mal auf die Zeitkapsel stoßen im Gebäudekomplex an der Lahnstraße. Alle in der Schul-Mensa waren dabei, als die Bürgermeisterin mit vielen Helfern das kupferne Rohrstück zur Erinnerung an den besonderen Tag mit Devotionalien füllte. Natürlich war eine aktuelle Ausgabe der Oberurseler Woche darunter, dazu Fotografien der bisherigen Standorte der Feuerwehr an der Bleiche und an der Marxstraße, Dokumente zum Projekt, ein kleines knallrotes Spielzeug-Feuerwehrauto, ein paar Münzen der aktuellen Währung und ein USB-Stick mit der Geschichte der Oberurseler Feuerwehr. An der Spitze einer langen Prozession wurde die Zeitkapsel zur Baustelle getragen. Danach war noch genügend Zeit für Suppe, Brot und erfrischende Getränke.