Oberursel (js). Der Hessentag 2011, der die Stadt verändert hat und die Köpfe vieler Menschen, steht für die Wandlung. Seit dem Großereignis hat die Entwicklung des Gewerbegebietes „An den Drei Hasen“ richtig Fahrt aufgenommen. 200 Unternehmen mit rund 3.000 Arbeitsplätzen sind dort jetzt notiert. Ein internationaler Mix mit breiter Branchenstruktur ist entstanden, das dritte „Drei Hasen Fest“ bot gute Gelegenheit, sich zu erinnern, in die Zukunft zu schauen und auch sich selbst zu feiern.
Die drei goldenen Hasen im Schaufenster der Metallmanufaktur Velte sind ein schönes Symbol für das prosperierende Umfeld im Gewerbegebiet am Ortsausgang Richtung Bad Homburg knapp vor der Autobahn und doch nah noch am verbliebenen ländlichen Umfeld. Im Namen, den jeder in der Stadt kennt, sind die Hasen verewigt, sie stehen für das Gestern, vor allem aber für das Heute. Knappe 50 Jahre liegen zwischen den ersten Erinnerungen von Dirk Velte an das Ackerland mit Kühen auf der Weide und Hasen auf den Äckern im Umfeld des Hauses seiner Familie mit Blick auf den Feldberg und dem heutigen Eindruck eines umtriebigen Gewerbegebietes. Velte gehört zum Vorstand des fokus.O-Forum der Selbständigen, er ist auch beim dritten „Drei Hasen Fest“ die treibende Kraft. Die Seniorchefin, Mutter Margret, kann sich sogar noch an die alten Kneipe vom „Hasenwirt“ erinnern, die einst dort stand, wo heute das Autohaus Koch Blickfang bei der Überquerung der Drei-Hasen-Brücke ist.
Es gibt inzwischen viele Gründe, alle zwei Jahre ein großes Open-Air-Fest in den Straßen und zumindest auf dem Gelände von einigen der ansässigen Unternehmen zu feiern. Ein Begegnungsfest soll es sein, all derer, die hier leben und arbeiten, ein Ort des Treffens von Nachbarn und Familien, von Menschen aus der ganzen Stadt. 15 Jahre nach dem Hessentag ist das Areal komplett erschlossen, 36 neue Betriebe sind seit 2011 hinzugekommen, eine Mischung aus Firmen, die das Potenzial der guten Lage mit Autobahnanschluss schätzen. Jetzt geht es nur noch um Erweiterungsflächen jenseits der Lise-Meitner-Straße oberhalb des EKS-Geländes bis zur östlichen Grenze, die das Senger-Gelände markiert.
Familienfest mit Jahrmarktcharakter
Bei der Begrüßung der ersten Gäste am Samstag um 12 Uhr mittags erinnert Dirk Velte an den Wandel über ein halbes Jahrhundert. Und doch lebe der alte Geist. Das es auch ein großes Familienfest mit vielen Gästen und Jahrmarkt-Charakter ist, wird zur High-Noon-Zeit schon offensichtlich. Mit Kinderkarussell und Hüpfburg, mit Popcorn-Geruch und Pommes aus Holland, mit Feuerwehr-Einsatzfahrten für den Nachwuchs, mit lokalen Größen auf der Show-Bühne die unter Leitung von Lasse Henrich Szenen aus dem Musical „Die Schöne und das Biest“ vortragen und für Aufführungen im August in der Taunushalle Oberstedten werben dürfen, mit asiatischer Kampfkunst einer Jugendgruppe vom „Dragon Gym“. Im Hintergrund baumeln Kinder in luftiger Höhe am Haken des Krans, der in Erinnerung an den verstorbenen Papa Velte „Big Otto“ genannt wird. Der fünfjährige Nils entpuppt sich als Meisterkletterer, stapelt bis zu elf Getränkekisten unter seinen Füßen beim Aufstieg in die Bommersheimer Luft, ehe es beim Einsturz des Turms heftig scheppert. Nils wird gesichert durch die zwei jungen Alpinisten Theodor (17) und Phineas (15) vom Alpenverein Hochtaunus. Man hilft sich gegenseitig beim Hasenfest.
Auch die Stadt gehört zu den Unterstützern, sieht das Hasen-Gebiet als eminent wichtig für den Wirtschaftsstandort Oberursel, wie Bürgermeisterin Antje Runge beim Festauftakt betont. Es stehe für Innovationskraft, gelebte Zusammenarbeit und viel Engagement des Gewerbevereins fokus O. und seiner rührigen Mitglieder. Im Dreierpack ist der Magistrat komplett zur Eröffnung gekommen, um diese Unterstützung zu dokumentieren. Spontan steigt Runge mit Stadtrat Andreas Bernhard auf eine kleine mobile Kehrmaschine der örtlichen Kärcher-Niederlassung und demonstriert Tatkraft. Kurz nach Eröffnung des Festes gibt’s noch nicht so viel zu tun. „Die soll mal am Sonntagabend kommen, wenn alles vorbei ist“, murmelt einer am Wegesrand.
Oldtimer als Höhepunkt des Festwochenendes
Der Fest-Lageplan zeigt knapp zwei Dutzend „Aktivisten“ im Kerngebiet der Hasen-Zone. Da wünschen sich manche ein bisschen mehr Initiative. Sind ja wirklich genug Unternehmen da neben den treuen Akteuren wie dem Feuerhaus Konrad, das im Sonnenschein seine Gartenfeuerstellen (mit brennendem Feuer) präsentiert, der Metallmanufaktur natürlich, die als jüngsten Renner die moderne Markisenplanung mit MR-Brille (Mixed Reality) mit charmanter Unterstützung von Fabienne Leibold und Juniorchef Tim Velte an den Mann und die Frau bringt und einem doch knappen Kreis von aktiven Mitgestaltern angesichts der rund 200 Unternehmen im Kern und in der Randzone des Drei-Hasen-Areals.
Am Sonntag liegt der Fokus O. auf der Branche, die den meisten Platz im Gewerbegebiet nach der Hessentag-Zäsur belegt hat. Zweifellos ein Höhepunkt des Festes ist der „Aufmarsch“ der Oldtimer und manchmal auch Youngtimer in wechselnder Besetzung den ganzen Tag über, die Mercedes und Audi, Porsche und Volkswagen und andere für ein paar Stunden in den Hintergrund rücken. Aufgereiht vor den großen Autohäusern nach Einfahren, Begrüßung und Vorstellung auf dem „Roten Teppich“ in der Willy-Brand-Straße. Die Faszination ist ungebrochen beim Oldie-Treff, der Cransberger Oldtimerclub hat die Auto-Schönheiten alter Tage zusammengebracht. Traumschiffe der Landstraße aus Übersee, ziemlich alte Knatterbüchsen in feinstem Zustand, oder in die Jahre gekommene Alltagsfahrzeuge, Enten, Käfer, Admirale, Bullis, Gölfe… Ein 1957er Chevrolet Bel Air in Hochglanz-Tropical-Türkis mit goldumrandeten Nummernschild strahlt hervor. Oder der Hochzeits-Bulli mit weißen Vorhängen und Sektflasche mit Gläsern auf dem Tisch, ein echtes Schmuckstück. Aufmerksamkeit erregt auch ein Bestattungswagen, besetzt mit zwei Frauen und zwei Männern ganz in Schwarz mit Zylindern. Am Sarg im Laderaum „beginnt die Privatsphäre“, ein Motto hat das Quartett auch. „Bei uns liegen Sie immer richtig“.




