Oberursel (ow). Die Klimaliste Oberursel appelliert an alle Gartenbesitzer, ihren Rasen tagsüber und nicht nachts zu mähen und bei dem Einsatz von Rasensensen vor der Inbetriebnahme einen Blick ins hohe Gras und in unaufgeräumte Ecken zu werfen, um dort nach Igeln zu schauen. Gerade in den Sommermonaten haben Igel Jungtiere, die meist schutzlos in Nestern im höheren Gras oder unter Hecken liegen. Durch den unachtsamen Einsatz von Gartengeräten können diese Nester leicht zerstört oder Muttertiere verletzt oder getötet werden, was in beiden Fällen auch die Jungtiere das Leben kostet.
In der vergangenen Stadtverordnetenversammlung hatte die Klimaliste Oberursel einen Antrag eingebracht, der das Rasenmähen mit Mährobotern in der Nacht verbieten sollte, da Igel Nützlinge in den Gärten sind.
Angeregt hatte diesen Antrag die Diplom-Juristin Mia Sulzbach. Wörtlich heißt es in dem Antrag: „Der Magistrat wird gebeten eine Allgemeinverfügung zu erlassen, mit dem Ziel, den Betrieb von Mährobotern in den Dämmerungs- und Nachtstunden zu verbieten.“
In der Begründung hieß es „Da Igel sich bei Bedrohungen zusammenkugeln und nicht fliehen, kommt es häufig zu Kollisionen, aus denen Igel wegen den am Mähroboter rotierenden Klingen schwerste Verletzungen davontragen. Diese führen regelmäßig zum Tod des Säugetieres. Diese Todesfälle und der damit verbundene verstärkte Bestandsrückgang des Igels können verhindert oder zumindest verringert werden, wenn Mähroboter nachts nicht fahren, da Igel nachtaktive Tiere sind.“
Bei neueren Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass selbst Mähroboter, die Kleintiere erkennen sollten, dies nicht zuverlässig tun, heißt es in der Pressemitteilung. Im Ergebnis würden Igel in der Nacht überrollt und von den Mäherklingen verletzt werden. .
Die Reaktion der Regierungsparteien sei niederschmetternd gewsen, so die Klimaliste. Martin Bollinger von der CDU, habe das Thema als „zu klein und unwichtig“ für eine Stadtverordnetenversammlung bezeichnet und habe die Koalition darum gebeten, dem Antrag nicht zuzustimmen.
Mia Sulzbach: „Es gibt keinen rationalen Grund gegen diese Allgemeinverfügung. Weder aus juristischer noch aus sonstiger Sicht. Die in der Stadtverordnetenversammlung vorgebrachten Argumente sind juristisch nicht haltbar und teilweise tatsächlich grober Unfug. Wer seinen Rasen weiter mähen lassen möchte, kann dies tun, nur nicht zur nächtlichen Stunde. Gleichzeitig könnte bereits die Signalwirkung der Allgemeinverfügung zu einem effektiven Tier- bzw. Igelschutz führen, indem sich mehr Menschen Gedanken über den Artenschutz in ihrem Garten machen. Wer sich auch nur ein wenig mit dem Zustand der Igel befasst, kann nicht leugnen, dass wir uns ein „Weiter wie bisher“ schlicht nicht mehr leisten können.“
Tierschutz gehe alle Bürgerinnen und Bürger an: Sogar im Bundesnaturschutzgesetz sei geregelt, dass es verboten ist, Wildtiere ohne triftigen Grund zu töten. Das nächtliche Rasenmähen sei kein triftiger Grund, ein Säugetier zu verletzen oder gar zu töten. Dieses Gesetz müsse durchgesetzt werden, so die Klimaliste.
Vorreiter-Städte haben bereits ein Mähroboter-Fahrverbot in den Dämmerungs- und Nachtstunden erlassen: Darunter auch große Städte wie Köln, Leipzig, Göttingen und Mainz. Dort dürfen die Geräte nachts nicht mehr über die Rasenflächen fahren, um Igel und andere Kleintiere zu schützen. In diversen weiteren Städten ist ein entsprechendes Verbot in Planung. Vor diesem Hintergrund sei es verwunderlich, dass die CDU/SPD/OBG-Koalition mit Unterstützung der ULO und der FDP das Verbot nicht einführen möchte, heißt es in der Pressemitteilung.