Integrationspreis für Willkommenstreff

Freuen sich über die Auszeichnungen (v. l.): Sandra Anker, Inga Becker (Christuskirchengemeinde Oberursel), Turcan Aktürk, Katrin Hechler, Andreas Romahn, Leiter der Wiesbachschule Jan Drumla und Ulrich Krebs. Foto: fch

Hochtaunus (fch). Zum siebten Mal wurde der mit 1500 Euro dotierte „Integrationspreis des Hochtaunuskreises“ von Landrat Ulrich Krebs und Kreisbeigeordneter Katrin Hechler verliehen. Einer der Preisträger ist der Willkommenstreff der katholischen Pfarrei St. Ursula im Gemeindeort Liebfrauen in Oberursel.

Die weiteren Preisträger kommen aus Grävenwiesbach und Friedrichsdorf. Ausgezeichnet wurde am Montagabend im Landratsamt in Bad Homburg außer dem Willkommenstreff Oberursel das interkulturelle Sportfest Grävenwiesbach. Der Anerkennungspreis für eine besondere, integrative Einzelleistung ging an die zertifizierte Sprachtrainerin Turcan Aktürk vom Verein InSL (Initiative-Sprache-Lesen-Lernen) in Friedrichsdorf.

„Nicht nur sprachlich verstehen“

Landrat Ulrich Krebs betonte, dass bei der Preisverleihung alle Teile des Kreises berücksichtigt seien. „Wir leben im Hochtaunuskreis in einer multikulturellen Gesellschaft. Unsere Mitbürger kommen aus 159 Nationalitäten. Wir alle genießen täglich die Vielfalt, die dieser Mix der Kulturen bietet.“ Dieses Miteinander erfordere Verständnis und Respekt. „Deshalb müssen wir uns kennenlernen, um uns verstehen zu können, nicht nur auf der Ebene der Sprache“, betonte der Landrat. Die Träger des Integrationspreises 2019 seien aus 15 Bewerbern ausgewählt worden. Die beiden ausgezeichneten Initiativen sowie die Einzelpreisträgerin hätten sich besonders bemüht, dieses Kennenlernen zu fördern.

„Die beiden ausgezeichneten Initiativen zeigen, wie nachhaltig und sinnvoll Integrationsarbeit ist, wenn man sie richtig macht“, bekräftige Sozialdezernentin Katrin Hechler. Wer sich langfristig und auf vielen Ebenen um zugereiste Menschen kümmere, könne nicht nur erfolgreich integrieren, er wirke auch prophylaktisch möglichen Konflikten zwischen gesellschaftlichen Gruppen entgegen. Das langfristige, kontinuierliche und nachhaltige Engagement der beiden Kommunen Oberursel und Grävenwiesbach sei vorbildlich, die Netzwerke mit vielen Mitspielern seien beispielhaft. Hechler sagte: „Ich möchte mich herzlich bedanken für die vielen Stunden, die vielen Ideen und die große Menge Herzblut, die über die Jahre in die Arbeit für die Integration geflossen sind.“

Der Willkommenstreff der katholischen Pfarrei St. Ursula, Gemeindeort Liebfrauen, in Oberursel engagiert sich seit über 40 Jahren kontinuierlich für Migranten in der Stadt. Bereits 1973 wurde für Aussiedler aus den ehemaligen Ostblockstaaten das ökumenische „AnZiehEck“ gegründet. In dieser Einrichtung können Bedürftige bis heute für wenig Geld gut erhaltene Kleidung erwerben. Der erste von der katholischen Pfarrei St. Ursula mitgegründete Arbeitskreis Asyl entstand Anfang der 90er-Jahre. Sein Ziel war es, Menschen, die aus dem umkämpften Jugoslawien nach Deutschland kamen, zu unterstützen. Im Mai 2014 gründete sich das städtische Netzwerk „Flüchtlingshilfe/Integration Oberursel“ auf Initiative von Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum.

Anker in der Flüchtlingshilfe

Gemeindereferentin Sandra Anker von der katholischen Gemeinde hatte dafür seit 2007 die Vorarbeit geleistet. Sie hatte ein Netzwerk für die Flüchtlingshilfe aufgebaut und den Runden Tisch Flüchtlingshilfe im Hochtau- nuskreis initiiert. Anker hatte auch großen Anteil an der Organisation und Durchführung der Veranstaltung zum Tag des Flüchtlings in Oberursel 2015, bei dem sich das Netzwerk Flüchtlingshilfe mit all seinen Gruppen präsentierte. Gemeinsam mit Pfarrer Andreas Unfried errichtete Sandra Anker das Kleiderlager im St.-Hedwigs-Heim. Im Oktober 2015 eröffnete das ehrenamtliche Team um die Gemeindereferentin und als ökumenischer Kooperationspartner die evangelische Christusgemeinde den „Willkommenstreff“ in der Gemeinde Liebfrauen. Er wird von bis zu 60 Ehrenamtlichen täglich von Montag bis Samstag von 14 bis 17 betrieben.

Sport und Sprache

Zweiter Preisträger ist das seit 30 Jahren erfolgreiche Sportfest „Sport ohne Grenzen – Grävenwiesbach bewegt sich“. Das dortige Wohnheim für geflüchtete Menschen besteht seit knapp 28 Jahren. Die in den Jahren 1996 und 1999 bevorstehende Schließung wurde durch das Veto des damaligen Freundeskreises und der Gemeinde verhindert. Im Café International in den Räumen der katholischen Kirchengemeinde werden ehrenamtliche Sprachkurse und Hilfe bei Behördengängen angeboten. Der Internationale Bund gibt in Räumen des Bürgerhauses Sprachunterricht. Aktuell wirbt ein Bündnis für Toleranz, bestehend aus vielen Teilen der Grävenwiesbacher Gesellschaft, für ein offenes und friedliches Zusammenleben. Seit mehr als 25 Jahren beteiligen sich öffentliche Institutionen wie Schulen, Kitas und Kirchen sowie Vereine mit großem Engagement an der Integration von Flüchtlingen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund. Seit 2016 nimmt die Gemeinde mit Unterstützung des Grävenwiesbacher Bürgermeisters Roland Seel am Programm „Sport und Flüchtlinge“ des hessischen Innenministeriums teil.

Von Anfang an ist Andreas Romahn Sportcoach der Gemeinde. Er ist Gründungsmitglied des Freundeskreises der Flüchtlinge und Trainingsleiter des TSV Grävenwiesbach. Die Wiesbachschule bietet seit einigen Jahren eine mit Spenden finanzierte Lernförderung am Nachmittag an, um die Grundschüler mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Die Schule bietet darüber hinaus Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten beim internationalen Frühstück und als kulturelles Zentrum bei Vereinsabenden und bei dem Sportfest „Sport ohne Grenzen – Grävenwiesbach bewegt sich“. Das Fest fand erstmals 2017 statt, Sportvereine wie der TSV Grävenwiesbach, SG Hundstadt, FC Laubach und SG Mönstadt, die Kita, das Jugendzentrum, die Jugendfeuerwehr und der Jugendförderverein stellten ihre Arbeit vor, präsentierten Beispiele gelungener Integration und dokumentierten mit der Teilnahme ihre Unterstützung.

Für ihren haupt- und ehrenamtlichen Einsatz für Integration wurde die zertifizierte Sprachtrainerin Turcan Aktürk geehrt. Sie arbeitet seit 2013 in verschiedenen Friedrichsdorfer Einrichtungen des Vereins InSL (Initiative -Sprache-Lesen-Lernen), der Sprachbildung mit einem Sprachlernkonzept für Kita- und Grundschulkinder anbietet. Vorher war sie als Integrationslotsin des Wetteraukreises und für das Rote Kreuz tätig. Als Übersetzerin und Beraterin für Eltern nimmt Aktürk an Elterngesprächen in der Schule teil und führt Sprachstandsbeobachtungen durch. Sie vermittelt zwischen den Kitas und Eltern unterschiedlicher kultureller Prägung, bietet Fortbildungsveranstaltungen an. Dabei steht das Wohl interkulturell aufwachsender Kinder im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Turcan Aktürk baut Brücken zwischen den Religionen und Kulturen.

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