Internationaler Hochtaunuscup des SCO

Oberursel (ow) Es ist Samstagmorgen, 8 Uhr: Die Morgenröte spiegelt sich in den großen Fensterscheiben des Taunabades, das ganz friedlich, fast schlummernd, daliegt. Für dieÖffentlichkeit ist es heute geschlossen. Doch hinter den Türen zeigt sich sofort ein anderes Bild. Ehrenamtliche Helfer wuseln überall hin und her, bauen ein Kuchen-Buffett auf, das mit der Auswahl einer großen Konditorei mithalten kann. Bereits seit 7.00 Uhr werden 120 Brötchenhälften belegt und hübsch dekoriert. In der Küche kocht Anja bereits die erste Fuhre Kaffee und füllt sie in große Kannen. Ihre Kinder schwimmen im Wettkampf und sie organisiert gemeinsam mit dem Catering-Team des Vereins die Verpflegung aller Beteiligten des Hochtaunuscups.

So auch für die Kampfrichter. Das sind diejenigen, die in jedem Lauf des Wettkampfes die Stoppuhr bedienen, auf den richtigen Schwimmstil und die richtige Wende achten (wer beispielsweise im Brustschwimmen einen Kraularmzug macht, muss wegen Regelverstoß leider disqualifiziert werden) und natürlich die Fehlstarts monieren. Nach getaner Arbeit dürfen sie in einem abgeteilten Bereich, der Ruhe verspricht, ihre Mittagspause abhalten.

Jeder erhält auch eine Tüte Süßigkeiten mit der Aufschrift: Danke für Deinen Einsatz. „Kampfrichter kommen gerne nach Oberursel. Hier werden sie mit Wertschätzung behandelt“, sagt Anja. In der Schwimmhalle sind alle Startblöcke mit einer Matte ausgestattet. Solche finden sich auch unterhalb der Aluminiumbleche an den Stirnseiten des Bades auf jeder Bahn. Eine große Anzeigentafel ist aufgebaut. Dort zeigt die Zeitmessanlage Zwischenzeiten und Endzeiten für die Schwimmer einer jeden Bahn. Neben jedem Startblock steht ein Eimer, mit Wasser gefüllt. „Auch daran muss man denken“, sagt Karsten schmunzelnd, „wenn die Halle gleich voll mit Menschen ist, wird es schwülwarm und die Schwimmer müssen sich kurz vor dem Sprung vom Startblock noch einmal kurz abkühlen können.“ Karsten hat bereits seit Freitagabend, seit dem Ende des öffentlichen Badebetriebs, Technik und Equipment mit weiteren Helfen ins Taunabad gebracht und aufgebaut und bestimmt heute Nacht nicht viel geschlafen.

Am Fenster ist ein großer Tisch aufgebaut. Dort tagt das Kampfgericht. Hier laufen alle Fäden bei Kathrin zusammen. Alle Zeiten aller Läufe, jede Abmeldung wegen Unwohlsein, jede Disqualifikation. Alles muss verarbeitet und zu Ergebnislisten verfasst werden, denn die Schwimmer möchten gerne noch untertags ihre Siegerehrungen erleben und Medaillen umgehängt bekommen. Dafür ist Peter Haas zuständig, der Vorsitzende des SCO. Aber nicht nur dafür, sondern auch für viele andere Entscheidungen, die ad hoc getroffen und für Dinge, die improvisiert werden müssen, ohne, dass es im Wettkampfbetrieb auffällt. Deswegen muss man ihn häufig überall im Taunabad suchen. Und ein bisschen aufgeregt ist er auch, erweist doch sein Sohn fünf Jahre nach Abitur und Ende der eigenen Zeit im Leistungssport dem SCO wieder die Ehre und schwimmt an diesem Wochenende mit: „Da ist man wieder so aufgeregt wie früher.“ Plötzlich füllt sich die Halle, Hallensprecher Holger begrüßt die Anwesenden und eröffnet das Becken zum Einschwimmen. 20 Vereine sind mit insgesamt 220 Teilnehmern erschienen, um sich in insgesamt 60 Wettkämpfen an diesem Wochenende zu messen. Aus Hessen, aus Bayern, aus Rheinland-Pfalz, sogar aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind Schwimmer angereist. Nicht nur die Kampfrichter, auch die Schwimmer kommen gerne nach Oberursel. Die elektronische Zeitmessung wird sehr geschätzt. Und die sogenannten „Finals“. Kathrin erklärt: „Grundsätzlich werden alle nach Geschlecht und Geburtsjahrgang getrennt gewertet. In den Finals treten jedoch in einem Lauf auf den acht Bahnen nebeneinander die acht Schnellsten gegeneinander an und können noch einmal eine Plakette in Gold, Silber oder Bronze erschwimmen. Da gibt es manchmal Überraschungen, das spornt alle an.“ Die Jüngsten schwimmen an diesem Wochenende 25 Meter, also eine Bahn Freistil, Brust, Schmetterling oder Rücken, die Älteren und Erfahrenen schwimmen die Königsdisziplin „Lagen“, also Schmetterling, Brust, Rücken und Freistil im Wechsel, sowie die langen Strecken: 800 oder 1500 Meter Freistil. Hier werden von Helfern kurz vor der Wende Tafeln insWasser gehalten, auf denen die Zahl der Bahnen steht, die noch zu schwimmen sind. Zum Glück muss man also auf der langen Strecke nicht auch noch mitzählen.

Aus Oberurseler Sicht verläuft das Wochenende sehr erfolgreich. Oft sind SCO-Schwimmer auf dem Siegertreppchen. Auch in den „Finals“ sind sie oft ganz vorne mit dabei. Viele qualifizieren sich durch neue Bestzeiten noch für die Hessischen Meisterschaften, die eine Woche später stattfinden.

Ein Schwimmer jedoch ist nicht im Wasser, sondern hilft seiner Mutter, die im Orga-Team das Wochenende mit gestaltet, mit verbundenem Handgelenk: „Eine Verletzung im Schulsport bei der Kür am Stufenbarren“, sagt sie mit belegter Stimme, „dabei hatte er sich bereits bei vorherigen Wettkämpfen in sieben Disziplinen für die Hessischen Meisterschaften qualifiziert“. Au weia, dieser Schulsport. Nächstes Jahr kommt hoffentlich zum Fleiß im Training noch das letzte Quentchen Glück dazu und er kann teilnehmen. Insgesamt war es an diesem Wochenende immer wieder berührend, die Kinder bei ihren Läufen auf der Bahn zu beobachten. Zum einen, wie ehrgeizig sie für ihre Ziele kämpfen, für die sie mehrmals pro Woche hart trainieren. Zum anderen, wieviel Kameradschaft untereinander besteht und sie sich gegenseitig unterstützen und anfeuern. Es macht Mut, dass diese Jugendlichen abseits der „Generation Handy“, in der viele nur noch lustlos und ideenlos ihre Freizeit vor technischen Geräten verbringen, einen anderen Weg gehen.



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