Oberursel/Bad Homburg (bg). Seit vielen Jahren lädt die SPD Hochtaunus gemeinsam mit der Kreistagsfraktion zum Jahresempfang in den historischen Landgasthof Saalburg ein. Diesmal fiel der Termin genau auf den Frauentag. Neben dem obligatorischen Begrüßungsgetränk – ob Sekt oder Selters – gab es deshalb für alle Frauen auch ein rotes Schokoladenherz gleich zum Empfang. Zu Kaisers Zeiten undenkbar, eine festliche SPD-Veranstaltung auf seinem Bad Homburger Lieblingsprojekt der Saalburg und dazu noch am Frauentag. Das Wahlrecht erhielten die Frauen in Deutschland erst 1918 – nach Ende des Kaiserreiches.
Stephan Wetzel, Vorsitzender der SPD Hochtaunus und der SPD-Kreistagsfraktion, freute sich über einen vollen Saal. Neben der großen SPD-Familie konnte er viele Vertreter aus den unterschiedlichsten Institutionen, Vereinen, Verbänden, der Gewerkschaft – kurz: alles Menschen, die sich meist ehrenamtlich für das Gemeinwohl und den Zusammenhalt der Gesellschaft engagieren – begrüßen. Auch die komplette Führungsriege des Kreises mit Landrat Ulrich Krebs, den hauptamtlichen Beigeordneten Antje van der Heide, Thorsten Schorr und der Kreistagsvorsitzende Renzo Sechi hatte sich eingefunden.
Den Impulsvortrag am Frauentag hielt Heike Hofmann. Am Rande der Veranstaltung nutzte der Kreisschülerrat die gute Gelegenheit zum Austausch mit der zuständigen Ministerin. Gleich zu Beginn stellte sie fest, dass man von echter Gleichberechtigung noch meilenweit entfernt sei. Die SPD-Ministerin der hessischen Landesregierung für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales betonte in ihrer kämpferischen Rede, wie wichtig die sozialdemokratische Handschrift in diesen Bereichen für die Lage der Menschen im Lande sei. Erstes Beispiel: der Hessische Lohnatlas. Er zeige auf, in welcher Branche, Region und Sektion Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt würden. Denn gleicher Lohn für gleiche Arbeit – diese Forderung sei noch lange nicht verwirklicht, wie erst kürzlich beim Equal-Pay-Day am 26. Februar klar wurde. Hier helfe der Hessische Lohnatlas, mit dessen Hilfe die Lohnlücke im Jahr 2024 auf 6,9 Prozent gesunken sei, im Jahr 2023 betrug sie noch 8,0 Prozent. In der Mitte ihres Lebens würden bei Frauen durch „Care-Arbeit“ die Lücken entstehen, denn 50 Prozent von ihnen arbeiteten in Teilzeit, ein Höchststand im europäischen Vergleich. Die Care-Arbeit müsse gerechter verteilt werden. Ein Baustein dazu sei das Kita-Investitionsprogramm, für das die Landesregierung Gelder bereitstelle. Frauen gehört die Hälfte der Welt, von einer geschlechtergerechten Welt profitieren alle. Arbeit und Wirtschaft sind zwei Seiten einer Medaille, stellte sie klar. Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori kurbele gerade die Wirtschaft an. Durch den neuen Bau-Turbo sorge er dafür, dass Bauen günstiger würde und Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt werden. Wir sollten unseren Wirtschaftsstandort nicht schlechtreden mit Frankfurt als wichtigem Finanzplatz oder der Gründung von neuen Start-ups, empfahl sie. Da steht Hessen auf Platz 2 der Flächenländer im Bund. Die Bundesmittel aus dem Sondervermögen werden von der Landesregierung direkt an die Kommunen weitergegeben, stellte sie klar, denn: „Vor Ort weiß man am besten, wo der Schuh drückt“. Der Kreis erhält 36 Millionen, die helfen, dass die Menschen hier besser leben können. Als Sozialministerin begegne ihr bei Haustürwahlkämpfen aber auch manches Elend. Sie kämpft dafür, dass sich die Lebensbedingungen der Schwachen verbessern und wies darauf hin, dass trotz massiver Einsparungen im Haushalt alle Arbeitsmarktprogramme bestehen bleiben – es wäre fatal, sie zu streichen. Auch die Frauenhäuser würden weiter unterstützt.
Viele Menschen sind zur Zeit aber durch das, was weltweit gerade geschieht, sehr verunsichert. Der Wind wird eisiger, gerade da müssen wir füreinander einstehen, gemeinsam die Demokratie und ihre Werte verteidigen. Die SPD als älteste Partei habe da nie gewackelt oder gezaudert. Mit Stolz erinnerte sie an die letzte Rede des SPD-Vorsitzenden Otto Wels und seine Worte im Reichstag 1933, als die Nazis bereits die Herrschaft an sich gerissen hatten: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“. Klare Worte fand sie zum Schutz der Allerjüngsten und der Jugend im digitalen Zeitalter. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wer weiß denn schon, wie ein Algorithmus funktioniert? Die Medienkompetenz insgesamt muss gestärkt werden. Den jungen Menschen mehr Gehör zu verschaffen ist der zuständigen Ministerin ein wichtiges Anliegen: „Sie sind unsere Zukunft“. Sie beendete ihre Rede mit einem Zitat von Willy Brandt: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Dafür erhielt sie ganz besonders viel Applaus.
Elke Barth, die Bad Homburger Spitzenkandidatin für die bevorstehende Kommunalwahl, gemeinsam mit Tobias Ottaviani, und arbeitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, fasste sich kurz. Sie warb vehement dafür, im Wahlkampf jetzt noch eine Schippe draufzulegen.
Kurz vor der Wahl seien immer noch 20 Prozent der Menschen unentschieden, ob sie überhaupt zur Wahl gehen und wo sie ihr Kreuz machen sollten. Diese Menschen müssen wir gewinnen, rief sie aus. Nach dem offiziellen Teil wurde es gemütlich. Im großen Saal herrschte echte Wohlfühlatmosphäre, so wie es sich Stephan Wetzel gewünscht hatte. An den langen Tischreihen saß man beim gemeinsamen Essen noch lange einträchtig beieinander, tauschte sich aus und stärkte an diesem herrlichen Frühlingstag auch das Wir-Gefühl.

