Oberursel. Die Rückkehr zum traditionellen Rathaussturm-Termin eine Woche vor dem Taunus-Karnevalszug brachte zwei Neuerungen mit sich. Die erste Neuerung war der Treffpunkt: Urlaubsbedingt war die Gaststätte „Zum Schwanen“ geschlossen und daher sind die Karnevalisten auf die Gaststätte „Alt Orschel“ ausgewichen. Dort haben Sie sich bereits ab 10 Uhr mit heißem Apfelsaft und Glühwein aufgewärmt.
Im Hof waren überwiegend Mitglieder des Heimatvereins von Prinz Steffen I. zu finden, dennoch war es bunt: die Garde der Carnevalverein (CV) Stierstadt in weiß und lila, der Elferrat in blau. Zwischendrin sah man immer wieder eine weinrote Jacke des Bommersheimer Carneval Vereins, ein Mitglied von Frohsinn oder gar aus Steinbach.
Vor dem Eingang wartete die Frohsinn Brassband gemeinsam mit der Jugendbrassband mit ihren Instrumenten. An der Ecke vom Marktplatz standen die Autos sowohl von Prinz Steffen I. als auch vom KinderPrinzenPaar Emilio I. und Felina I. und mit ihnen die Bommersheimer Carneval Verein (BCV) Garden in ihren schwarzen Jacken.
Bald kamen auch die Vereine aus anderen Teilen des Taunus an. Die Kanone „De Alte Fritz“ vom Kappen-Clubs aus Niederhöchstadt nahm Platz vor dem Marktplatzbrunnen, um später den Weg zum Rathaus anzuführen. Andere Vereine hatten ihre Tollitäten dabei: Prinz Tim I. aus Kransberg und Prinzessin Anniie I. zu Fünfradhausen vom Karnevalverein (KV) Club Humor 1904 aus Bad Homburg. Aus Usingen war das Ex-Prinzenpaar Marco. I. und seine Schwester Monja I. dabei, die regierende Kinderprinzessin Mia I. stieß später dazu.
Langsam kamen auch die ersten Zuschauer an, die Frohsinn Minis kamen in rot/weiß-Kleidern den Hollerberg herunter und die Ravens versammelten sich vor dem Wirtshaus „Zum Hirsch“ auf der Treppe.
Um 10.50 Uhr gab es von „De Alte Fritz“ den ersten Schuss, und gefolgt vom Kinderprinzenpaar und Prinz Steffen I. mit ihren jeweiligen Hofstaaten machten sich die Karnevalisten auf den Weg zum Rathaus. Die erste Pause gab es schon um die Ecke in der Strackgasse, wo die Familie Ernst auf sie mit gefüllten Schnapsgläsern wartete. Durch die Vorstadt ging es weiter, mitten durch die Wahlstände, um schließlich zum Rathausplatz zu gelangen.
Um 11.06 Uhr ließ Bürgermeisterin Antje Runge die Tore vor dem Rathaus schließen und nahm Position mit Brunnenkönigin Tanja I., Brunnenmeister René sowie Mitgliedern des Magistrats hinter der Mauer vor dem Rathaus ein.
Vor der Mauer wartete Moderator Thomas Poppitz auf die Karnevalisten, die er bei ihrer Ankunft begrüßte. Prinzessin Monika Sodenia 78 aus Bad Soden und das Rosbacher Prinzessinnenpaar Vivian I. und Ann-Kathrin I. verstärkten inzwischen die Reihe der Gasthoheiten.
Bürgermeisterin verteidigt tapfer
„Was ist denn heute bloß, vor unserm Orscheler Rathaus los?“ fragte Frau Runge und merkte an: „Bunte Kappe überall, mer meint, es wäre schon Karneval!“ „Heut am Samstag, herrscht hier Ruh. Dieserhalb und destewesche bleibt des Rathaus zu!“ betonte sie. Siegessicher rief sie „Ich sage Euch klar aus meiner Sicht: in mein Rathaus kommt Ihr nicht!“
Prinz Steffen I. erwiderte „Antje, hör’ doch, es ist Zeit, für Jubel-Trubel-Heiterkeit“ und „ich komm’ und nehme Deinen Sitz, das mein ist Ernst, das ist kein Witz, es ist schon wieder Narrenzeit, gib’ her den Schlüssel, wir sind bereit.“
Auch das Kinderprinzenpaar trug zum wortlichen Angriff dazu: „Wir stürmen nun Dein Domizil, dazu braucht es wohl nicht viel“, sagte Emilio I. und Felina I. erinnerte daran, dass vor sechs Jahren: „Meine Mama Vanessa war schon da, mit ihrer bunten Narrenschar.“
Die Bürgermeisterin forderte die Karnevalisten auf zu gehen „Macht Euch ab mit dem Rabatz, hier von meinem Rathausplatz“ und versuchte auch zu sagen, sie sei fachlich den Karnevalisten überlegen: „auch wenn ihr hier um Einlass fleht, bin isch doch, ganz sicher, nur ich weiß, das hier geht.“
„Da täuscht Du Dich, ich bin vom Fach“ konterte der Verwaltungsfachangestellte Steffen: „Verwaltung habe ich lang studiert, ich weiß also, wie man regiert.“ Das Kinderprinzenpaar gab dann mit ihm den Befehl „Garde, los, der erste Schuss!“
Aber wer jetzt erwartet, dass man vom Rathaus aus die Stadtkanone mit Konfetti, rausfahren würde, wurde enttäuscht, denn nun kam die andere Neuerung in diesem Jahr: das Rathaus hatte aufgerüstet und beim Befehl der Bürgermeisterin „Feuer frei“ knallten die Böllerschützen von hinter der Mauer zurück.
Dennoch, auch ohne Konfetti, „das ist doch keine Gegenwehr“, sagte Steffen und es folgte ein Wortgefecht, in dem Frau Runge aufgefordert wurde, endlich den Schlüssel rauszurücken.
Nach dem vierten Schuss gab sie nach: „Das hat aber laut geknallt, der Schuss in meinen Ohren schallt, ich reagier’ darauf besonnen, und gebe auf, ihr habt gewonnen“, sagte sie. Aber als Zeichen dafür, dass manche Sachen sich nie ändern, war die Stadtkasse wie immer leer.
Die Tore gingen auf und die Karnevalisten strömten in das Rathaus hinein, wo sie am Eingang Schaumküsse von den Magistratsmitgliedern erhielten. Im großen Saal warteten die Mitglieder der TSGO mit Kreppel, belegten Brötchen, Wiener und Sekt.
Doch einen Moment mussten sich Steffen, Emilio und Felina noch gedulden, denn die Schlüsselübergabe fand im geschmückten Rathaussaal auf der Bühne statt. Nach den Grußworten der Gasthoheiten traten gemeinsam die Brassband, Jugendbrassband und Drum-Kids des Karnevalverein (KV) Frohsinn auf. Weitere Auftritte gab es vom Tanzmariechen Julia Lim von den Freunden des Carneval Bad Homburg, von den Minis von Karnevalclub (KC) The Ravens, vom Funkenduo des Carnevalclub (CV) Stierstadt - Lina Oberreich und Stefania Athanasiou, vom Tanzmariechen des BCV - Mara Tomillo, von der CluGeHu Große Garde und schließlich auch vom Funkenmariechen der Ravens, Isabelle Pulver.
Das Rathaus bleibt nun in närrischer Hand, denn erst am Aschermittwoch werden Steffen I. und das Kinderprinzenpaar den Schlüssel wieder rausrücken.
Der Rathausschlüssel ist jetzt in den Händen der Tollitäten: Bürgermeisterin Antje Runge, Kinderprinzessin Felina I., Kinderprinz Emilio I., Prinz Steffen I.


