Oberursel (pen). Gute Architektur ist weit mehr als nur schönes Bauen. Sie kann das persönliche Wohlbefinden steigern, das Klima positiv beeinflussen, die Lebensqualität steigern – und sie kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. „Bauen ist das letzte große Abenteuer dieser Welt“, so der italienische Architekt Renzo Piano.
Am letzten Wochenende im Juni wird traditionell der Tag der Architektur gefeiert.
Das bundesweite Motto lautet in diesem Jahr „Vielfalt bauen“. Es soll einen besonderen Blick auf die unterschiedlichen Themen und Herausforderungen sowie auf die vielfältigen, kreativen Lösungsansätze werfen. „Vielfalt ist unsere Stärke – gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen. „Vielfalt bauen“ bedeutet, Räume zu schaffen, die den unterschiedlichsten Lebensrealitäten gerecht werden: sozial gerecht, ökologisch verantwortungsvoll und gestalterisch anspruchsvoll. Damit all das gelingt, braucht es nicht nur Fachwissen, sondern auch einen offenen Dialog mit der Gesellschaft. Denn Fragen wie: Wie können wir unsere Gebäude, unsere gebaute Umwelt nachhaltig, bezahlbar und gleichzeitig gestalterisch anspruchsvoll realisieren sollten nicht nur Expertinnen und Experten beschäftigen, sondern uns alle“, betont Andrea Gebhardt, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer.
Anforderung der Gesellschaft
Nachhaltige Architektur ist eine Architektur, die versucht, die negativen Auswirkungen von Gebäuden auf die Umwelt durch verbesserte Effizienz und Mäßigung bei der Nutzung von Materialien, Energie, Bauflächen und des Ökosystems insgesamt zu minimieren. Sie verfolgt damit ein klares Ziel: Gebäude errichten, die in ihrer langen Lebensdauer den Anforderungen der Gesellschaft entsprechen und dabei einen möglichst geringen Einfluss auf die Umwelt nehmen. Dahinter verbirgt sich eine vielschichtige Mixtur aus ökologischen, ökonomischen sowie soziokulturellen Prozessen. Man spricht in diesem Kontext auch von den drei Säulen der Nachhaltigkeit – der Ökologie, der Ökonomie und dem Soziokulturellen. Blickt man aus ökologischer Perspektive auf ein Bauvorhaben, lauten die zentralen Fragen, woher die Baustoffe stammen, ob es sich dabei um erneuerbare Baustoffe handelt und welchen Transportweg diese nehmen müssen. Nachhaltigkeit im Bauwesen umfasst verschiedene Bereiche:
Ressourceneffizienz
Der Einsatz von nachwachsenden, recycelten oder wiederverwendbaren Materialien mit geringer Umweltbelastung steht im Vordergrund. Dazu gehören Holz, Lehm, Naturstein, aber auch innovative Materialien wie Hanfbeton oder Biokunststoffe. Nachhaltige Gebäude sind darauf ausgelegt, den Energieverbrauch zu minimieren. Das beinhaltet eine gute Wärmedämmung, effiziente Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungssysteme, die Nutzung erneuerbarer Energien (Solar, Wind, Geothermie) sowie die Optimierung der Gebäudeausrichtung zur Sonne. Eine harmonische Einbindung des Gebäudes in die Landschaft und die Berücksichtigung der lokalen Topografie sind wichtige Aspekte. Auch die soziale Komponente, wie die Vermeidung von Konflikten durch die Lage des Gebäudes, spielt eine Rolle.
Ganzheitlicher Lebenszyklus
Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf die Bauphase, sondern auch auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung. Auch soziale Aspekte wie die Schaffung von lebenswerten Räumen, die Verbesserung der Wohn- und Arbeitsqualität und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bewohner. sind wichtige Aspekte beim Bauen. Ökonomisch betrachtet, geht es um die langfristige Wirtschaftlichkeit und Wertstabilität des Gebäudes.
Beim „Tag der Architektur“ können zwei Tage lang 74 Projekte aus Architektur, Innen- und Landschaftsarchitektur sowie des Städtebaus in ganz Hessen besichtigt werden. Das Event wird durch ein vielseitiges Rahmenprogramm sowie durch die Aktion „Offenes Büro“ bereichert. Vor Ort geben Architekten und Bauherrn besondere Einblicke in ihr Projekt und laden die Öffentlichkeit zum Austausch ein. Mit dem Tag der Architektur verbindet sich das Ziel für die gebaute Umwelt zu sensibilisieren, für Qualität und gute Planung zu werben sowie die lokale Baukultur zu fördern. Neben der einzigartigen Möglichkeit viele spannende Projekte zu besichtigen, wird das Event durch ein vielseitiges Rahmenprogramm sowie durch die Aktion „Offenes Büro“ bereichert. Die TDA-Auftaktver-anstaltung findet am Donnerstag, 26. Juni, mit einem Architekturgespräch und Gästen in Kassel statt. In Oberursel beteiligt sich die Integrierte Gesamtschule Stierstadt am „Tag der Architektur“.
