Oberursel(ow) – Beim kürzlich stattgefundenen „Drei Hasen Fest“ gab es schon mal einen Vorgeschmack auf das Musical „Die Schöne und das Biest“, eine echt Orschler Eigenproduktion von Lasse Heinrich. Das Buch „La Belle et la Bête“ von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneueve diente ihm dabei als Vorlage für seine ganz eigene Neufassung des Märchenklassikers. Basierend auf der ursprünglichen Erzählung ist seine Produktion so poetisch wie kraftvoll und ein Bekenntnis für Individualität, Mut und Mitgefühl. Eine berührende Geschichte über das Sehen mit dem Herzen. Über Menschen, die lernen müssen, hinter die Fassade zu blicken – und über den Mut, sich selbst treu zu bleiben. Als Veranstalter konnte er die Kindertagespflege Mobile gewinnen.
Auf der Bühne im Gewerbegebiet „An den drei Hasen“ wurden einige Ausschnitte aus dem Musical von den jungen Darsteller:innen präsentiert. Das kam gut an, die Zuschauer spendeten begeisterten Beifall. Dafür ist Lasse Heinrich verantwortlich. Er ist nicht nur genialer Schöpfer der Musik und der Liedtexte, sondern setzt die Geschichte auch gekonnt in Szene. Der Regisseur ist Motor, Seele und Antreiber zugleich und hat es obendrein geschafft, für das Musical viele Mitwirkende zu begeistern. Allen voran das Ensemble, das sich an dem heißen Probenwochenende in den Räumen der evangelischen Heilig-Geist-Kirche schon famos präsentierte. Im Stück müssen viele Rollen adäquat besetzt werden. Insgesamt wirken mit: 17 Kinder, vier Jugendliche und vier Erwachsene. Sie müssen ihre Texte lernen, darstellen sowie singen und tanzen. Obendrein ist jede Menge Technik im Einsatz, die Musik wird elektronisch eingespielt, gesungen wird live mit Verstärkung. Die Choreografien stammen von Lasse Heinrich und Julia Storch. Das Bühnenbild zeigt im ersten Akt das Häuschen des Erfinders von innen, einen Marktstand, den Dorfbrunnen, im Hintergrund ein weiteres Gebäude und eine Bücherei mit vielen Büchern, denn Lesen spielt in dem Stück eine entscheidende Rolle. Der zweite Akt spielt im Schloss, auch dafür gibt es passende Kulissen. Dazu wurden realistisch ein großer Ballsaal mit Kronleuchter, weitere Zimmer und eine alte Schloss-Bibliothek gestaltet. Die zahlreichen Bühnenbauten wurden mit viel Herzblut in Eigenarbeit von Frauke Gerlach, Thomas Klug, Sandra Schneider, Susi Schulz und Peter Steffan kreiert. Leicht und transportabel müssen die Teile dabei auch noch sein. Bei der Auswahl der Kostüme konnten sich die Ensemblemitglieder ganz kreativ selbst einbringen oder beraten lassen. Kleines Schmankerl am Rande: Da das Musical das Lesen von Büchern stark thematisiert, konnte die Truppe um Lasse Heinrich die Stadtbücherei Oberursel und die Buchhandlung Libra zur Unterstützung gewinnen. Sie präsentieren sich im Foyer der Taunushalle mit Büchertischen, bestückt mit zum Musical passender Literatur, und beraten Interessierte gern. Die städtische Bücherei am Wochenende 22./23.8., die Buchhandlung Libra am Wochenende 29./30.8.
Die Story
Das Musical spielt im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Der erste Akt spielt in einem Dorf, in dem neben einem etwas schrulligen Erfinder Henri und seiner Tochter Belle auch eine Bibliothekarin – Mère Éloise – eine sehr weise, fast magische Person lebt. Sie erzählt in einem Prolog das zuvor Geschehene. Wie es dazu kam, dass Prinz Andrien hartherzig einer alten Bettlerin keine Unterkunft gewährt. Die warnte ihn, sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen zu lassen, aber der Prinz blieb hart. Da verwandelte sie sich in eine wunderschöne Fee und verzauberte ihn in ein hässliches Biest. Sie überließ ihm eine Rose, die den Fluch brechen könnte, wenn ihn jemand in seiner hässlichen Gestalt lieben würde.
Alle im Dorf betrachten den sonderlichen Vater und seine Tochter als Außenseiter. „Was muss Belle lesen, sie soll so sein wie wir“, schimpfen die Dorfbewohner. Der junge Gaspard ist gar der Meinung, sie solle ihn heiraten und Kinder kriegen. Einige knöpfen sich den Erfinder vor und fordern, er müsse das seiner Tochter endlich klarmachen. Doch Belle ist anders als die jungen Mädchen des Dorfes. Sie ist klug, leiht sich oft Bücher von der Bibliothekarin aus und träumt von fernen Ländern und fremden Orten. Sorgenvoll tritt Vater Henri den Heimweg an, zuvor gibt ihm aber Mère Éloise ein Buch für Belle mit, das sie lesen soll. Anrührend sprechen sich Vater und Tochter aus. Er stimmt schweren Herzens ihrem Wunsch zu, dass sie bleiben kann, wie sie ist. Er lässt sie mit dem Buch in der Hand ihren eigenen Weg gehen. Der führt sie vom Dorf in das Schloss. Dort herrscht große Traurigkeit bei der vom Fluch verwandelten Dienerschaft. Die Rose blüht nun seit sieben Jahren. Auch der verwunschene Prinz, das Biest, macht sich große Sorgen. Wird er jemals geliebt werden und dadurch von dem Fluch erlöst? Belle begegnet auf ihrem Weg durch das Schloss der gesamten Dienerschaft, die langsam Hoffnung schöpft. Dann treffen sich „die Schöne und das Biest“. Belle, die es gewohnt ist, als anders wahrgenommen zu werden, lässt sich durch das Äußere nicht abschrecken.
Inzwischen ist den Dorfbewohnern aufgefallen, dass Belle nicht mehr da ist. Das lässt Gaspard nicht ruhen. Vielleicht ist Belle etwas zugestoßen. Er macht sich mit einigen Gefährten auf den Weg zu ihrem Vater. Gemeinsam ziehen sie zum Schloss. Dort sind sich Belle und Biest inzwischen nähergekommen, doch der verwunschene Prinz traut sich noch nicht, Belle die Rose zu geben, die den Fluch brechen kann. Er hat Angst vor Zurückweisung. Die Dinge spitzen sich dramatisch zu. Die Proben für dieses romantische Märchen laufen inzwischen auf Hochtouren, alle sind mit Feuereifer dabei. Die Produktion ist ein unglaublicher Mix aus berührenden Balladen, humorvollen Einlagen und opulenten Chor- und Tanzszenen – kurz: ein Bühnenerlebnis für Jung und Alt, absolut familientauglich.
Die bewegende Neu-Interpretation des Musicals, das wie alle Märchen hoffentlich gut ausgeht, wird an den Wochenenden 22. und 23. sowie am 29. und 30. August in der Taunushalle Oberstedten, Landwehr 6 aufgeführt. Der Eintritt kostet für Erwachsene 13 Euro, für Kinder 11 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren und kann über Frankfurt Ticket RheinMain bezogen werden.

