Nachruf auf Helmut Lind

Oberursel (ow). Wenn es das Ehrenamt noch nicht gäbe, es müsste für Helmut Lind erfunden werden. Ehrenamt hat er repräsentiert wie kein anderer. Helmut Lind stand nie im Rampenlicht. Aber im Hintergrund war er unersetzlich. Organisation und Technik, das war Helmuts Stärke.

Seit Beginn im Jahr 1982 war er als Vertreter der FDP Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Nie wieder 1933“ (AG 33) und jahrzehntelang als Schatzmeister für die Kasse des Bündnisses verantwortlich. Ebenso hat er das eher ungeliebte Amt des Schatzmeisters oder des Kassenprüfers für verschiedene Vereine übernommen. Anfang 2001 machte Helmut Lind die AG 33 auf den neugegründeten Verein „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ aufmerksam, dem die AG 33 jahrelang angehörte.

Das Denkmal für die Oberurseler Opfer des Nationalsozialismus hat er zusammen mit Inge und Eberhard Laeuen und Angelika Rieber vor allem in den Anfangsjahren tatkräftig unterstützt. Er gehörte zu den Mitbegründern der Initiative Opferdenkmal, die aus der AG 33 hervorging, um die Finanzierung des Denkmals zu gewährleisten. Viele Jahre lang hat Helmut Lind die Finanzen des Vereins verwaltet und war dessen Mitglied bis zur Realisierung des Denkmals.

Auch als Oberurseler Zeitzeuge der NS-Zeit und der Nachkriegszeit hat sich Helmut Lind engagiert. Zuletzt berichtete er im September des vergangenen Jahres in der Adenauerallee in einem Gespräch mit Harald Fiedler über das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Mit seiner Partei, der FDP, hat er zwar gelegentlich gefremdelt, ist ihr aber treu geblieben. Und er hat es geschafft, dass sie trotz einiger parteiinterner Skepsis Mitglied der AG 33 blieb.

Helmut war mit sehr großem Engagement mehr als vier Jahrzehnte Mitglied in der Europa-Union Hochtaunus, die mit ihren Aktivitäten im gesamten Kreisgebiet unterwegs ist. Ohne ihn wäre die Kassenführung zusammengebrochen – vor allem, als die Europa-Union vor einem Personalwechsel stand. Fast unersetzlich war er, wenn es um den Aufbau von Informationsständen ging.

Er stand wortlos zur Verfügung und war stets der Letzte, der half, alles wieder einzupacken, um es zurück nach Oberursel in seine Garage zu bringen. Im Mai auf den alljährlichen Europatagen des Hochtaunuskreises war er ebenfalls kaum zu ersetzen. Das Sprechen mit den Gästen allerdings, die an den Stand kamen, überließ er, vor allem in den letzten Jahren, lieber anderen Mitgliedern, die am Stand Dienst taten.

Helmut Lind war immer hilfsbereit, freundlich und hartnäckig zugleich. Man konnte sich auf ihn verlassen. Er hatte einen klaren moralischen Kompass, konnte zuhören, den Rücken freihalten oder stärken und zur Klärung von Konflikten beitragen. Nein, er war nicht immer mit allem einverstanden. Wenn es doch mal geknirscht hat, dann hat er es auf seine Weise geklärt, nicht mit lautem Knall, sondern leise. Scherben hat er nie hinterlassen.

Helmuts Linds unermüdliches Engagement und sein freundliches Wesen werden allen fehlen.

Hildegard Klär

(Vorsitzende der Europa-Union Hochtaunus), Angelika Rieber und Jo Krahl(Mitstreiter von Helmut Lind in der AG 33)

Helmut Lind (li.) und Eberhard Laeuen am OpferdenkmalFoto: Rieber



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