Natalia Bind ist die neue Vorsitzende des Ausländerbeirats

Mitglieder des neuen Ausländerbeirats: (v.l.n.r.) Diana-Kateryna Redko (AZO), Vorsitzende Natalia Bind (AZO), Meral Özçelikal (AZO), Denys Babenko (AZO), Ljucija Zenker (ILO)Nicht abgebildet: Dr. Franz Zenker (ILO), Puya Nasseri (ILO)Foto: Tappenden

Oberursel (gt). Bei der konstituierenden Sitzung des Ausländerbeirats am Montagabend gab es einen Machtwechsel, der seinesgleichen sucht. Seit 32 Jahren stellte die „Internationale Liste Oberursel“ (ILO) den Vorsitzenden des Gremiums, zuletzt Dr. Franz Zenker und davor Hansjörg Schlegel. Bei der Ausländerbeiratswahl im März bekam jedoch die Liste AZO (Alle Zusammen Oberursel) zum ersten Mal eine Mehrheit und gewann vier der sieben Sitze.

Es war daher wenig überraschend, dass die AZO-Spitzenkandidatin Natalia Bind, die ursprünglich aus Leningrad stammt, sich bei der Vorstandswahl gegen den bisherigen Vorsitzenden Dr. Franz Zenker aus Graz durchsetzen konnte. Mit einem breiten Grinsen nahm sie den Vorstandsplatz ein, um den sie bereits vor fünf und einmal vor 14 Jahren vergeblich kandidiert hatte.

Stadtrat Andreas Bernhardt gratulierte den Mitgliedern des neuen Ausländerbeirats und wünschte viel Erfolg für ihre Amtszeit. Das Wahlergebnis 4:3 setzte sich durch den Abend durch. Bei sämtlichen Ämtern, sei es für die stellvertretende Vorsitzende, für die Vertreter und Stellvertreter in den Ausschüssen oder für die Delegierten für die Plenarsitzungen der agah (Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen), nutzte die AZO ihre Mehrheit, um die Posten zu besetzen, ähnlich wie die ILO es vor fünf Jahren tat. In manchen Wahlvorgängen war es besonders deutlich, wer das Sagen nun hat. Gab es keinen Kandidaten von der AZO, wurde schnell einer vorgeschlagen. Meldete sich ein Mitglied der ILO kurz vor einem AZO-Mitglied, bekam das AZO-Mitglied trotzdem zuerst das Wort.

Danach herrschte in der Sitzung ein rauer Ton bei der Diskussion, ob der Ausländerbeirat einen Stand im internationalen Dorf beim Brunnenfest betreiben möchte. Frau Bind wollte 500 Euro aus dem Budget des Ausländerbeirats genehmigen lassen, um Einkäufe dafür zu finanzieren. Die Frage aus der eigenen Reihe, was man genau machen will, wurde nicht beantwortet, außer dass man damit multikulturelles Essen und Trinken vorfinanzieren wollte. Geschäftsführer Mathias Brand erklärte, dass der Erlös aus dem Verkauf entweder direkt für eine Veranstaltung des Ausländerbeirats verwendet oder an einen karitativen Zweck gespendet werden muss.

Als Dr. Zenker die Frage stellte, wer den Stand besetzen soll – immerhin müsse man von Freitag bis Montag den Stand besetzen – wurde er direkt von Frau Bind gerügt, er solle seinen Ton mäßigen. „AZO will das machen“, sagte sie. „Haben wir jetzt zwei Ausländerbeiräte?“, war seine Antwort. Für vier Tage Standdienst mit nur vier Personen hatte Frau Bind eine Lösung: „Wir selbst bestimmen die Zeiten“, sagte sie und bekam von Herrn Brand erklärt, dass die Öffnungszeiten mit der Stadt abzusprechen sind. Schließlich wurden 500 Euro aus dem Budget genehmigt, alle Mitglieder der ILO enthielten sich bei der Abstimmung. Als es darum ging, ob sie überhaupt den Stand betreiben, stimmte Dr. Zenker sogar dagegen. Bei den Tagesordnungspunkten „Aktuelle Ereignisse“, „Inhaltliche Auseinandersetzungen“ und „Verschiedenes“ gab es keine Meldungen. Der neu gewählte Stadtverordnete Marc Hehner (IbO) hat sich zwar zu Wort gemeldet, bekam aber sofort von Frau Bind mitgeteilt, dass es in dieser Sitzung keine Fragestunde gäbe. Auch als sie erfuhr, dass er Stadtverordneter ist, wollte sie trotzdem keine Ausnahme machen und ihn reden lassen. Dabei hatte ihr Vorgänger in der Vergangenheit oft kritisiert, dass die Parteien die Sitzung nicht besuchen. Bei so einer Reaktion darf man sich nicht wundern, wenn es so bleibt.

Im Gespräch nach der Sitzung erklärte Frau Bind, dass sie die Arbeit des Ausländerbeirats konstruktiver gestalten möchte. Der Ausländerbeirat soll auch mehr in der Öffentlichkeit präsent sein. Auf die Frage, warum sie die Ämter nicht mit der ILO geteilt hat, wie es sonst eine gute Sitte in den Ausschüssen der Stadt ist, sagte sie, dass die ILO mit ihr im Voraus das Gespräch hätte suchen sollen.

Die Fronten bleiben also verhärtet. Zwei Mitglieder der ILO haben sogar darauf verzichtet, an dem Gruppenfoto teilzunehmen. Und die Informationen im Schaukasten am Rathausplatz sind seit drei Jahren nicht aktualisiert worden.



X