Oberursel (gt). Der Orscheler Sommer hat begonnen! Am vergangenen Sonntag ging es gleich mit dem 23. Oberursel Fischerstechen am Maasgrundweiher los. Obwohl der Tag mit leichtem Regen bei 14 Grad begann, hörte der Regen rechtzeitig zu Beginn auf, sodass wenigstens die Zuschauer trocken blieben.
20 Mannschaften hatten sich im voraus angemeldet, am Ende nahmen 29 daran teil. Den Überblick darüber, wer gegen wen antreten sollte, hatte Dirk Müller-Kästner, von seinem Platz aus, am Storchenbrunnen. Neben ihm saß Markus Hertle, der zusammen mit Irma Robel (10) das Geschehen auf dem Wasser kommentierte.
Um die Mannschaften in die Boote zu bekommen, wurden die neuen Absperrungen am Brunnen abmontiert und auf der gegenüberliegenden Seite bei der Schiffs-Modell-Gemeinschaft geöffnet. Tontechniker Angus Foxley doubelte auch als Schiedsrichter und wurde von Karen Herzog im Kanu unterstützt.
In der Vorrunde startete die Mannschaft „Schwimmflügel Gang“ gegen „Rotkäppchens Rache“, die mit roten Umhängen gekleidet waren. Die Boote näherten sich nur langsam, und Dirk Müller-Kästner überlegte, ob sie eine neue Ballettschule aufmachen wollten, aber als sie nah genug waren, wurde der Stecher der „Schwimmflügel Gang“ bald vom Podest gestoßen.
Bei den „Flying Shuttles“ trat eine Mannschaft der TSGO Badminton-Abteilung die „Rote Gondoliere“ von der SPD, bei der Bürgermeisterin Antje Runge und Fraktionsvorsitzende Elenor Pospiech vorne im Boot paddelten. Auch wenn beide Mannschaften die Farbe Rot trugen, die Shuttles konnte man gut an ihren großen Federballhüten erkennen. Gleich beim ersten Durchgang versenkten sie den SPD-Stecher.
Immerhin war in diesem Jahr die Freiwillige Feuerwehr aus Bommersheim wieder mit ihrem Duschanhänger dabei, sodass alle Stecher nach ihrem Badegang warm duschen konnten.
„Neptuns Exfrauen“ starteten in hellblauen T-Shirts mit Muschelmotiv, mit Glitzer geschminkt und Fischflossen auf dem Kopf gegen ein Team in Fahrradhelmen vom Bike Marathon, der parallel am gleichen Tag stattfand. Es dauerte nur bis zum zweiten Durchgang, ehe eine von Neptuns Exfrauen baden ging.
Bunt wurde es auf dem Wasser, als die Mannschaft „Grüne Oberursel“ mit ihren Sonnenblumen auf dem Kopf gegen „Sink Positiv“ in Regenbogen-T-Shirts und bunte Fischkappen antrat. Wenigstens in dieser Runde siegten die Sonnenblumen beim ersten Durchgang.
Nun traten die Titelverteidiger, die „Piratenpapas“, gegen die „Maasgrund Primaten“ an. Bei dieser Partei erhielten beide Mannschaften gelbe Karten, die Papas für das Verlassen des Podests und die Primaten für das Stoßen unterhalb der Gürtellinie. Am Ende war es aber der Primaten-Stecher, der zuerst ins Wasser fiel.
Gelb gab es auch für die „Minions Überboard“, nicht nur als Kostümfarbe, sondern auch als Karte, nachdem ihr Stecher „Gru“ im ersten Durchlauf seine Plattform verlassen hatte. Nach fünf Durchgängen gegen die „Frankfurter Flossen“ waren alle noch trocken und die gelbe Karte bedeutete das Aus für die Minions. Dennoch haben die Minions am Ende den Preis für das beste Kostüm erhalten.
Die Entscheidung zwischen den „Heidekickern“ und den „Dachdeckern“ der Firma „Gutwein Bedachungen“ war knapp. Gleich im ersten Durchgang gingen beide Stecher baden, es war aber der Dachdecker, der zuerst von seiner Plattform aus im Wasser landete.
Die „Blaulichtbande“ hatte die Ehre, Brunnenkönigin Emily I. als Maskottchen an Bord zu haben. Sie trat gegen die „Glitzerqueens“ vom Damenrat des Carnevalverein Stierstadt an. Der Fanclub der Queens war eindeutig einer der Lautesten an diesem Sonntag und ihre Mannschaft setzte sich im dritten Durchgang durch.
Die Schiffs-Modell-Gemeinschaft (SMGO) hatte sich nicht nur mit Zuckerwattehüten als „Süße Matrosen“ ausgestattet, sie verkauften auch Zuckerwatte an die Zuschauer. Ihr Stecher trug ein bunt gestreiftes Einhornkostüm für ihre Partie gegen „Die Rocker“. Es waren allerdings die Modellbauer, die gleich im ersten Durchgang die Partie gerockt haben.
Aber nicht nur Zuckerwatte wurde am Sonntag angeboten. Der Kunstgriff hatte 40 gespendete Kuchen, 70 Kilogramm Pommes sowie Wurst und Steaks vom Grill mit insgesamt 400 Brötchen verkauft, sodass am Ende nichts mehr übrig blieb. Auf der anderen Seite des Weihers gab es geräucherte Forellen beim Angelverein.
Als nächste politische Partei trat die CDU an. Im Boot paddelten unter anderem Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler und Vorsitzender Martin Bollinger, während Jonas Giebitz stechen durfte. Ihr Gegner war eine Mannschaft von Kunstgriff, bei der auch Schiedsrichter Angus im Boot saß und Irmas Vater Gilbert auf der Plattform stand. Beide Stecher landeten im ersten Durchgang im Wasser, aber Gilbert wurde eindeutig zuerst nass.
Als letzte politische Gruppe in der Vorrunde trat die Mannschaft der OBG mit Elaya-Chef Frank Metlicar im Boot und Alexander Gross vom Ortsbeirat Oberstedten auf der Plattform gegen die Mannschaft der „btu Beratergruppe“ mit Benjamin Müller als Stecher. Bereits im ersten Durchgang landete Alexander zwar den ersten Stoss, lehnte sich aber dafür zu weit raus und fiel selbst ins Wasser.
Nachdem Brunnenkönigin Emily I. ihren Bembel an Dirk Müller-Kästner überreicht hatte, ging es mit den Achtelfinalen weiter.
Die „Flying Shuttles“ schickten als erstes die Nachbarschaftsgruppe „Rotkäppchens Rache“ im zweiten Durchgang nach Hause. Noch schneller ging es für Anja Schmidt vom Ortsbeirat Stierstadt, die als Stecherin für „Grüne Oberursel“ gleich im ersten Durchgang vom Team Bike Marathon ins Wasser befördert wurde.
Nun traten die Piratenpapas gegen die Frankfurter Flossen an. Zuerst bekamen die Piratenpapas eine gelbe Karte für das Verlassen der Stecherplattform, Nachdem beide Mannschaften gelbe Karten im zweiten Durchgang erhielten, kam im dritten Durchgang das Aus für die Titelverteidiger, als der Stecher der Piratenpapas erneut seine Plattform verließ.
„Die Froschkönige“ sind in Form
Eine weitere Nachbarschaftsgruppe, die „Froschkönige“, starteten mit Krönchen auf dem Kopf und mit einem gut beladenen Boot und Stecher Bryan im rosaroten Kleidchen auf der Plattform gegen die Heidekicker. Im zweiten Durchgang wurde Bryan am Kopf getroffen, was eigentlich eine gelbe Karte für die Heidekicker hätte bedeuten sollen, aber im dritten Durchgang wurde die Partie entschieden, als Bryan mit einem klaren Stoß im Bauch deren Stecher ins Wasser schickte.
Die Glitzerqueens kehrten mit ihrem Fanclub zurück und traten auf die „Flusskrieger“. Im kleinen Krieg auf dem Fluss waren die Queens eindeutig stärker und siegten im ersten Durchgang. Aber für den Fanclub war es noch nicht vorbei, denn nun trat der Elferrat des CV Stierstadt in Wikingerhelmen und Bärten und mit dem Vorsitzenden Dominic Grossmann als Stecher gegen die „Bündnis mit Spannung“ von ULO/Volt mit Helmut Schöbel als Stecher. Es dauerte nicht lang, bevor bei den Politikern die Spannung raus war, denn im ersten Durchgang setzten sich die Karnevalisten gleich durch.
Besonders bunt auf dem Wasser war es, als die „Queerstecher“ in ihren LGBTQIA2+-Flaggen und Regenbogenwimpeln gegen die „Süßen Matrosen“ antraten. Es dauerte drei Runden, eher das Einhorn der Matrosen im Wasser landete.
Im letzten Achtelfinale standen die CDU und btu einander gegenüber. Die Partie dauerte etwas länger, da beide Mannschaften sehr vorsichtig agierten. Der „Paartanz“ dauerte so lang, dass „selbst die Gänse gähnen“, kommentierte Markus Hertle. Nach zehn Runden setzte Schiedsrichter Angus dem ganzen ein Ende, und die gelbe Karte fürs Verlassen der Plattform für die btu im vierten Durchgang entschied letztendlich, dass die CDU weiterkam.
Spannende Viertelfinale
Auch im ersten Viertelfinale zwischen den „Flying Shuttles“ und dem Team Bike Marathon hat es anfangs gedauert. „Die Gänse sind mir eindeutig schneller“, sagte Dirk Müller-Kästner beim ersten Durchgang. Dann aber doch: Im zweiten Durchgang kam es zum Zusammenstoß zwischen den Booten. Beide Stecher hat es von den Plattformen gefegt, aber nur der Federball-Stecher landete im Wasser.
Weiter ging es mit den Frankfurter Flossen gegen die Froschkönige, die inzwischen mit sieben Kindern im Boot wesentlich tiefer lagen. Sowas kann durchaus für mehr Stabilität sorgen, dennoch hat es bis zum vierten Durchgang gedauert, ehe die als Fisch gekleidete Stecherin der Flossen im Wasser landete.
Besonders spannend war das dritte Viertelfinale, da nun nicht nur die zwei Mannschaften des CV Stierstadt gegeneinander kämpften, Dominic Grossmann stand nun als Stecher des Elferrats seiner Frau Melli, Stecherin der Glitzerqueens, gegenüber. Spontan bekam er vor dem Start ein Zimmer für die Nacht von Frank Metlicar angeboten.
Im ersten Durchgang kassierte der Elferrat eine gelbe Karte für einen Kopfstoß, aber gleich im zweiten Durchgang, als die Boote sich passierten, ging Dominic plötzlich kopfüber ins Wasser, was zu großem Jubel beim Fanclub führte.
Schließlich traten die Queerstecher gegen die CDU an, und wieder wurde etwas vorsichtig gekämpft. „Das war gestreichelt“, beschwerte sich Dirk Müller-Kästner im fünften Durchgang. Durch eine gelbe Karte für die CDU, als Jonas Giebitz seine Plattform verließ, kamen die Queerstecher weiter.
Das erste Halbfinale fand zwischen dem Team Bike Marathon mit Stecher Philip und den Froschkönigen mit Stecher Bryan statt. Nach fünf erfolglosen Durchgängen meinte Markus Hertle: „Irgendwann wird’s halt dunkel“, und nach einem weiteren Durchgang kündigte Schiedsrichter Angus an, dass die Teams nur noch drei Versuche hatten, sonst würde das Los entscheiden. Die Ansage hat geholfen, denn gleich im nächsten Durchgang trafen beide Stecher, und Philip verlor das Gleichgewicht, was ihm ein kühles Bad brachte.
Zwischen den Glitzerqueens mit Stecherin Melli und den Queerstechern mit Stecher Mica lief es nicht viel besser. „Ihr müsst euren Gegner runterschupsen“, erinnerte Dirk Müller-Kästner, als Angus wieder mit dem Los drohte. Da alle trocken blieben, kam es dann doch so weit und es wurde eine Münze geworfen, um die Teilnahme am Finale zu entscheiden. Die Glitzerqueens hatten somit die Partie gewonnen, und Mica sprang freiwillig ins Wasser.
Für das Finale zwischen den Froschkönigen und den Glitzerqueens holten sich die Damen auch etwas Unterstützung vom Elferrat zur Stabilität des Boots, aber es hat ihnen nicht geholfen. Im vierten Durchgang konnte Bryan erfolgreich Melli von ihrer Plattform stoßen und sprang ihr aus Freude hinterher, bevor die Froschkönige eine Ehrenrunde um den Maasgrundweiher drehten.
Somit bekamen die Froschkönige, eine Nachbarschaftsgruppe, die zum ersten Mal teilgenommen hat, am Ende den Wanderpokal überreich. „Wir wohnen alle nah beieinander, und uns eint die Liebe zum wunderbaren Orscheler Sommer. Jetzt war es an der Zeit, nicht mehr nur Zuschauer zu sein, dieses Jahr wollten wir mittendrin sein“, erklärten sie.


