Orschel im Bierfieber auf dem Rathausplatz

And the winner is ... Alexander Menz: sein Bier überzeugt durch Qualität und Charakter.Foto: privat

Von Silke Schlünsen

Oberursel. Kaum waren die Eliteradrennfahrer durch Orschel gefahren, wechselte die Disziplin: vom Rennmodus zum Genussmodus – mit gehobenen Gläsern und bester Stimmung auf dem Rathausplatz. Die Bürgermeisterin war im wohlverdienten Urlaub, die Begrüßung übernahmen die anwesenden Vertreter aus Politik und Organisation. Dass Oberursel Radrennen und Bierfest parallel stemmen kann, zeigte sich dabei einmal mehr ganz selbstverständlich.

Traditionell gehört das Bierfest rund um den Tag des Bieres am Donnerstag, 23. April, fest in den Kalender. In diesem Jahr sorgte jedoch die Veranstaltung „Autos in der Allee“ für eine Verschiebung um eine Woche – eine Entscheidung, die sich als Glücksgriff erwies. Statt Aprilkapriolen gab es Sonnenschein und ideale Bedingungen. Ein Termin im Wonnemonat Mai? Der Gedanke liegt nahe. Ein Blick zurück zeigt: Das Wetter meinte es nicht immer gut mit dem Fest. Unwetter im vergangenen Jahr, davor sogar Schnee – umso mehr wusste man die diesjährigen Bedingungen zu schätzen. Seit dem Start im Jahr 2016 hat sich das Bierfest stetig entwickelt: Im elften Jahr wurde nun – nach zwei pandemiebedingten Pausen – das neunte Fest gefeiert. Und die Tradition ist in „Orschel“ lebendiger denn je.

Auch das Programm versprach viel: vom Frühschoppen am Vormittag über den offiziellen Fassanstich bis hin zu Musik und Mitmachformaten. In diesem Jahr standen unter anderem das „Rudel-Sing-Sang“ mit Tom Jet am Freitagabend, Live-Musik am Samstag und die vielseitig geliebten Maßkrugstemmmeisterschaften, und mittendrin das Highlight: der Hobbybrauerwettbewerb, bei dem nicht nur bewertet, sondern auch vom Publikum verkostet wird.

Zur offiziellen Eröffnung begrüßte unter anderem Landrat Ulrich Krebs die Gäste und dankte dem Organisationsteam rund um Marc Rauschmann dafür, dass das Fest erneut auf die Beine gestellt wurde. Gemeinsam mit Vize-Landrat Thorsten Schorr, Andreas Bernhardt und der Brunnenkönigin wurde der Startschuss gegeben. Der Fassanstich zeigte: Auch hier braucht es Gefühl. „Nicht so fest reinschlagen – und gut kühlen“, lautet der Tipp des Braumeisters mit Blick auf die Kohlensäure. Mit dem dritten Schlag des Landrats saß der Hahn – und das Bier floss.

Marc Rauschmann, der durch die Eröffnung führte, hatte nicht nur die Moderation im Griff, sondern auch eigene Biere im Gepäck – darunter ein Sauerbier mit vier Prozent. Seit elf Jahren ist er dabei, inzwischen auch in Eigenregie und parallel zu anderen Veranstaltungen wie dem Brunnenfest. Fünf Brauer waren vor Ort, dazu ein separater Ausschankstand – ein starkes Team, das die Vielfalt der Szene widerspiegelte. Mit dabei das Gründungsmitglied Ölkeller, das sich besonders auf den Hobbybrauer-Wettbewerb am Samstag freut – hier wird verkostet, gefachsimpelt und der eine oder andere neue Favorit entdeckt. Friedrich Schulte, befreundeter Brauer, kam vor fünf Jahren mit seiner Casteler Biermanufaktur ursprünglich als Vertretung für die Ölkellerbrauerei – und ist seitdem geblieben. In diesem Jahr hatte er Helles und Maibock dabei und genießt jährlich die „tolle Zeit“ beim Fest. Das 28iger Hinterhofbräu brachte nicht nur stärker gehopfte Draft-Biere mit – bewusst anders als das klassische Helle –, sondern hatte im Vorfeld auch kräftig die Werbetrommel gerührt und damit für Aufmerksamkeit gesorgt. Seit drei Jahren mit eigenem Stand vertreten und längst fester Bestandteil der heimischen Bierbrauer.

Ein großer Unterstützer des Bierfestes ist das Alt-Oberurseler Brauhaus: Thomas Studanski, der tanzte an diesem Tag auf zwei Hochzeiten – Radrennen und Bierfest.

So übernahm sein Braumeister Sascha Reifenberg die Bühne und lud die Besucher ein, „fantastische Biere zu probieren“ – von hell bis dunkel.

Mit dabei auch das Gewinnerbier des Vorjahres: „Battermann“, ein India Pale Ale, IPA, das traditionell im Brauhaus gebraut wird. Benannt nach dem Gewinner des letztjährigen Heimbrauerwettbewerbs, steht dieses IPA für handwerkliche Braukunst, Kreativität und modernen Biergenuss mit regionaler Geschichte. Mit einer Stammwürze von 14,2 Prozent und einem Alkoholgehalt von rund 5,8 Prozent präsentiert sich das Bier ausgewogen – begleitet von einem lebendigen Fruchtspiel.

Der Publikumsmagnet, der Hobbybrauerwettbewerb, findet traditionell am Samstag statt und versprach wieder viel. Er hat sich inzwischen zum echten Aushängeschild entwickelt. Was einst eher klein begann, ist heute fester Treffpunkt für die Szene: Hier treffen Feierabendbrauer auf ambitionierte Tüftler, hier wird ausprobiert, diskutiert und mit Leidenschaft gebraut.

In diesem Jahr traten zehn Brauer gegeneinander an – von klassischen Bierstilen bis hin zu kreativen Eigeninterpretationen. Verkostet wird vor Ort, bewertet von Jury und Publikum. Geschmack, Ausgewogenheit und Idee geben den Ausschlag. Viele der Teilnehmenden sind dem Wettbewerb seit Jahren verbunden – manche als Wiederkehrer, andere als neugierige Erststarter.

In diesem Jahr sicherte sich Alexander Menz den Sieg. Sein Bier überzeugte durch Qualität und Charakter – und folgt einer schönen Tradition: Das Gewinnerbier wird im Anschluss im größeren Maßstab gebraut und beim nächsten Bierfest ausgeschenkt.

Fazit: Orschel kann Bier – und das mit Tradition.

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